Raumpatrouille Orion - 1x03: Die Hüter des Gesetzes
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Episodennummer: 1x03 Bewertung: Erstausstrahlung D: 01.10.1966 Drehbuch: Rolf Honold, W.G. Larsen Regie: Theo Mezger Hauptdarsteller: Dietmar Schönherr als Major Cliff McLane, Eva Pflug als Leutnant Tamara Jagellovsk, Claus Holm als Leutnant Hasso Sigbjörnson, Wolfgang Völz als Leutnant Mario de Monti, F. G. Beckhaus als Leutnant Atan Shubashi, Ursula Lillig als Leutnant Helga Legrelle, Benno Sterzenbach als General Wamsler, Friedrich Joloff als Oberst Villa Gastdarsteller: Charlotte Kerr als General Lydia van Dyke, Franz Schafheitlin als Sir Arthur, Hans Cossy als Marschall Kublai Krim, Thomas Reiner als M. Spring-Brauner, Herbert Fleischmann als Dr. Schiller, Emil Stöhr als von Wennerstein, Heinz Beck als GSD-Beamter, Gerhard Jentsch als Astrogator der Hydra, Norbert Gastell als Offizier der Hydra
Charlotte Kerr als General Lydia van Dyke, Franz Schafheitlin als Sir Arthur, Hans Cossy als Marschall Kublai Krim, Thomas Reiner als M. Spring-Brauner, Alfons Höckmann als Professor Rott, Helmut Brasch als Commodore Ruyther, Nino Korda als GSD-Ordonanz, Herwig Walter als Richard Hall, Hans Wengefeld als Sprengmeister, Kunibert Gensichen als Abschnittsleiter, S. Fetscher als Offizier auf Hyperion 29, Christine Isensee als TRAV-Ordonanz
Kurzinhalt: Nachdem die Crew der Orion an einem Seminar über neuartige Arbeitsroboter teilgenommen hat, erhält sie den Auftrag, mehrere Raumsonden zu kontrollieren. Vor Ort nehmen Atan und Helga mit einer Lancet die Wartungsarbeiten vor. Währenddessen erfährt McLane durch Commodore Ruyther, der einen Erzfrachter kommandiert, dass auf dem Planetoiden Pallas etwas nicht stimmt: Zum wiederholten Mal transportiert er statt Erz lediglich Abraum. McLane beschließt, der Sache inoffiziell nachzugehen, und um seine Kursabweichung zu verbergen, bittet er Atan, mit der Lancet ein Energiefeld in der Größe der Orion zu erzeugen - ein alter Raumfahrertrick, genannt "Laurin". Auf Pallas stellt er schließlich fest, dass die dort eingesetzten Arbeitsroboter außer Kontrolle geraten sind und die Bergarbeiter gefangengehalten werden. Während die Crew der Orion auf Pallas versucht, die Roboter zu überwältigen, geht der Lancet allmählich die Energie und damit der Sauerstoff aus.
Review:Die Behandlung wissenschaftlicher Themen - hier: die Robotik - stellt eine willkommene Abwechslung dar, nachdem sich die vorangegangenen Episoden auf die Bedrohung durch die Frogs konzentrierten. Auch wird das "Orion"-Universum dadurch um eine weitere Facette erweitert, was der gesamten Serie mehr Komplexität verleiht. Dass die Roboter nicht einfach nur "durchdrehen", sondern ihr Fehlverhalten auf den Konflikt zwischen den ersten beiden Robotergesetzen (vgl. "I, Robot", Isaac Asimov) zurückzuführen ist, reichert das Thema mit dem Bezug auf eines der bedeutendsten Werke der SF-Literatur an. Eine Huldigung, aber zugleich auch ein selbstbewusstes Bekenntnis. Dass das Motiv der außer Kontrolle geratenen Roboter allerdings wenig wissenschaftlich abgehandelt wird, versteht sich von selbst. Freilich sorgt das Design der Roboter in der Retrospektive für manchen Lacher - Beinahe ein Widerspruch zu dem ansonsten ernsthaften Anliegen der Episode, thematisiert sie gewissermaßen doch die Versklavung der Menschheit durch ihre eigene Schöpfung. Wirklich überzeugen kann dieser Plot aber nicht, zumal er verhältnismäßig spannungsarm herübergebracht wird. Der Funke mag nicht so richtig überspringen, und man bekommt kaum ein Gespür für die bedrohliche Situation, in der sich unsere Helden - zweifelsfrei - befinden. In dieser Hinsicht hätte das Drehbuch hier und da noch eine Ausarbeitung vertragen.
Brillant hingegen ist die kontroverse Debatte über Fehl- und Unfehlbarkeit von Mensch und Maschine. Oberst Villas Überzeugung, wonach ein Mensch versagen könne, ein Roboter niemals, verbleibt als Ausdruck naiven Vertrauens in die Technik. Gerne würde man erleben, wenn er von den Ereignissen auf Pallas erfährt und damit gewissermaßen seine Philosophie zusammenbricht. Auch dass es schlussendlich Tamara ist, die die Roboter bezwingt, entlockt mir den einen oder anderen Pluspunkt. Trat sie anfangs noch als strikte Widersacherin der "Orion"-Mannschaft auf, entwickelt sie sich allmählich zu einer soliden Mitstreiterin. Apropos… Helga und Atan, die in den bisherigen Episoden eher am Rande agierten, erhalten in dieser Episode endlich einen größeren Part, der sie schließlich aus der Riege der Nebendarsteller herausholt. Während sie bei knappem Sauerstoff in ihrer Lancet verbleiben, erhalten sie doch weiterhin den "Laurin" (das Energiefeld, mit dem die wahre Position der "Orion" verschleiert werden soll) aufrecht, um McLanes inoffiziellen Abstecher nach Pallas zu decken. Hier steht weiterhin das bedingungslose Vertrauen unter den "Orion"-Mannen im Mittelpunkt. Sie sind eine eingeschworene Bande, und wenn am Ende McLane seine Kameraden dermaßen zurechtstutzt, dass sie in einer solchen Situation selbst über das Richtige entscheiden sollten, wird noch einmal deutlich, dass er mehr als nur ihr kommandierender Offizier ist. Er nimmt gewissermaßen auch die Vaterrolle ein - Ein klassisches Konzept, das aber selbst im Jahr 3000 immer noch fabelhaft funktioniert.
Die Verhörszene, in der Ruyther vorgeworfen wird, die Erzfrachter verschoben zu haben, belegt abermals, dass die "Raumpatrouille" keine idealisierte Zukunftsperspektive darbringt. Hier operiert der GSD eigenmächtig und mit fragwürdigen Methoden, womit die Serie eine unmissverständliche politische Kritik anbringt. Das ist mutig und zugleich ein Beispiel dafür, dass die "Raumpatrouille" ihrer Zeit weit voraus war. Schade, dass die "Raumpatrouille" ihrerzeit immer wieder gerade deswegen in der Kritik stand, geht es hier doch nicht um die Glorifizierung des Militärs und seiner Institutionen, sondern um die Bloßstellung bzw. Vorführung desselben. Dietmar Schönherr formulierte in einem Interview, dass die "Raumpatrouille" zwar ernst, nicht aber humorlos gemeint war. Und eben genau so sei die Serie verstanden!
Fazit:
Unter dem Strich ergibt "Hüter des Gesetzes" ein vergleichsweise mäßiges Abenteuer, das aber in guter Science-Fiction-Tradition daherkommt und mit einigen exzellenten Dialogen sowie einer gelungenen Pointe aufwartet. Sie schlägt im Vergleich zu den vorangegangenen Episoden weitaus ruhigere Töne an, gewährt damit eine Verschnaufpause und stellt zugleich die Vielfalt der "Raumpatrouille" unter Beweis. Die Szenen auf Pallas hätten allerdings durchaus mehr Spannung vertragen. Man will mit seinen Helden mitfiebern, doch dieser Anspruch bleibt hier leider unerfüllt. Was nutzt all die Heldentypisierung, wenn der Held in der Inszenierung lahmt?