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A Nightmare on Elm Street Drucken E-Mail
Ein effektives, würdiges Remake... Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 31 Oktober 2010
 
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A Nightmare on Elm Street
(A Nightmare on Elm Street, USA 2010)
 
A Nightmare on Elm Street
Bewertung:
Studio/Verleih: New Line Cinema
Regie: Samuel Bayer
Produzenten: U.a. Michael Bay, Brian Fuller & Robert Shaye
Drehbuch: Wesley Strick & Eric Heisserer, nach dem Original von Wes Craven
Filmmusik: Steve Jablonsky
Kamera: Jeff Cutter
Schnitt: Glen Scantlebury
Genre: Horror
Kinostart (Deutschland): 20. Mai 2010
Kinostart (USA): 30. April 2010
Laufzeit: 95 Minuten
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren
Trailer: klick
Kaufen: DVD, DVD, Soundtrack
Mit: Jackie Earle Haley, Rooney Mara, Kyle Gallner, Katie Cassidy, Thomas Dekker, Kellan Lutz, Clancy Brown, Connie Britton u.a.


Kurzinhalt: Zahlreiche Jugendliche in Springwood leiden neuerdings unter schrecklichen Alpträumen, in dem sie von einem Mann mit einem Klingenhandschuh und abscheulich verbranntem Gesicht verfolgt werden. Als sich einer von ihnen eines Nachts – scheinbar im Schlaf! – das Leben nimmt, beginnen sie zu befürchten, dass die Bedrohung durch Freddy Krueger realer ist als gedacht. Nachdem ein weiterer von ihnen stirbt, machen sich Nancy und Quentin auf, um die Hintergründe ihrer Alpträume, und des Mannes, der sie darin verfolgt, herauszufinden…

Review: ImageWie aus meinem Review zum Original hervorgeht, halte ich ihn nicht für ein grandioses, unantastbares Meisterwerk, bei dem der reine Gedanke eines Remakes Blasphemie wäre. Ganz im Gegenteil: Jene Probleme die ich mit ihm hatte, lagen in erster Linie an der etwas schlichten Inszenierung sowie den unklaren Regeln – beides Dinge, die sich in einem Remake leicht aus der Welt schaffen lassen. Und so sah ich "A Nightmare on Elm Street" durchaus hoffnungsfroh entgegen, dass es gelingen würde, einige Schwächen des Originals auszumerzen und dieses gar zu übertreffen. Nun, soweit würde ich zwar nicht gehen, trotzdem halte ich diese Neuauflage für ein effektives, würdiges und alles in allem gut gelungenes Remake – und kann daher auch die Ablehnung, die ihm teilweise entgegenschlägt, nicht so recht nachvollziehen.

Zugegeben, „A Nightmare on Elm Street“ macht es Liebhabern des Originals durch einige Änderungen, die man vornimmt, nicht unbedingt leichter, ihn ins Herz zu schließen. Andererseits… wenn man bei einem Remake nicht einige neue Aspekte und Ideen einbringt, sondern einfach das Original 1:1 kopiert, führt man die Idee einer solchen Neuauflage doch eigentlich völlig ad absurdum, oder nicht? Ich kann verstehen, wenn man mit der einen oder anderen Änderung nichts anfangen kann, halte aber nichts davon, ihn allein dafür zu schelten, dass er etwas verändert. Und um ehrlich zu sein, stand ich den meisten Neuerungen recht positiv gegenüber. So ist Freddy hier kein Kindermörder mehr, sondern ein Kinderschänder. Aus meiner Sicht wurde bereits im Original impliziert, dass er Kinder missbraucht hat (aus welchem Grund sollte er die Kinder denn sonst umbringen?), was jedoch neu ist, ist dass er sie hier scheinbar am Leben ließ. Dies bringt ein neues Element ein, das für etwas Tiefgang und einige der besten Szenen sorgt. Denn diesmal geht es weniger darum, herauszufinden was ihre Eltern getan haben, sondern was ihnen selbst widerfahren ist. Zugegeben, ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie jemand solch ein schreckliches Ereignis jemals vergessen könnte, geschweige denn alle von ihnen. Aber sich in einem Film, in dem Jugendliche in ihren Träumen ermordet werden, über die Plausibilität einer solchen Massenamnesie Gedanken zu machen, oder sich gar daran zu stören, erscheint mir widersinnig.

ImageEine andere Neuerung ist der Mikro-Schlaf. Kurz gesagt: Selbst wenn du nicht einschläfst, schaltet dein Gehirn nach ca. 48 Stunden ohne Schlaf immer wieder in eine Art Ruhemodus, in dem dich Freddy dann heimsuchen kann. Auch hier gilt: Ich möchte in einem Nightmare-Film bitte schön nicht mit euch über die wissenschaftliche Richtigkeit dieses Konzepts diskutieren. Wer akzeptieren kann, dass ein durch Flammen ermordeter Kinderschänder zurückkommt, um seine früheren Opfer in ihren Träumen zu terrorisieren und umzubringen, kann doch diese Idee nicht ernsthaft als schwachsinnig kritisieren?! Für mich war das jedenfalls eine der besten Neuerungen des Remakes. Im Original konnte man sich eigentlich solange die Protagonisten wach waren entspannt zurücklehnen, da ihnen ohnehin nichts passieren konnte, solange sie nur nicht einschlafen. Hier ist die Bedrohung doch noch etwas unmittelbarer, da sie früher oder später – wenn auch nur für Sekunden – quasi automatisch, unbewusst und ungewollt einschlafen werden.

Diese Mikro-Nickerchen sind auch hauptverantwortlich für einige der originelleren und optisch interessanteren Szenen des Films, in denen Realität und Traumwelt zunehmend miteinander verschmelzen (ein gutes Bespiel dafür ist die Szene im Drogeriemarkt). Generell fand ich die Traumsequenzen hier gelungener umgesetzt als im Original. Zwar hält man sich auch im Remake verhältnismäßig zurück und lässt einige gute Möglichkeiten für übliche Alptraumszenarien ungenutzt (als Beispiel sei die Szene genannt, in der Nancy die Treppen hinaufläuft. Schreit das nicht förmlich nach einer unendlichen Treppe à la "Inception"?), dennoch gab es einige optische Leckerbissen, wie z.B. jene Szene, als Nancy aus dem Bad kommt, und in eine Winterlandschaft tritt. Die Remakes von Platinum Dunes werden oftmals für ihre aalglatte, übergestylte Werbefilm-Optik gescholten – ich finde aber, dass diese Optik gerade für einen "Nightmare"-Film wie die Faust aufs Auge passt, da diese Hyperrealität der Bilder mit ihren satten Farben den surrealen Charakter des Films perfekt unterstützt. Einzig einige eingestreute CGI-Szenen, die überdeutlich als solche zu erkennen sind (wie z.B. der aus der Wand hervorkommende Freddy, der im Original zwar auf deutlich schlichtere, aber umso überzeugendere Art und Weise umgesetzt wurde), trüben den Eindruck dieser Szenen gelegentlich etwas.

ImageDie letzte große Änderung betrifft dann Freddy selbst. Einerseits wurde sein Aussehen doch recht deutlich verändert. Statt des etwas comichaften Looks des Originals (weshalb Freddy immer dann am erschreckendsten war, wenn er nie zu deutlich gezeigt wurde) werden seine Brandwunden hier deutlich realistischer und meines Erachtens auch erschreckender und abstoßender dargestellt. Im Gegensatz zu einigen anderen CGI-Szenen sind die "Two-Face"-mäßigen digitalen Masken-Überarbeitungen (ein Teil von Jackie Earle Haley’s Gesicht wurde quasi gelöscht) sehr überzeugend umgesetzt, und werden nur geübten Augen auffallen. Ein weiteres Kompliment muss den Machern dafür gemacht werden, dass sie sich in ihrem Remake in erster Linie auf den beängstigenden Freddy aus Teil 1 und 7 konzentrieren, statt auf den sprücheklopfenden Clown der anderen Fortsetzungen. Zwar gibt auch Freddy 2.0 den einen oder anderen markigen Spruch zum Besten, diese reichen aber von beängstigend bis maximal schwarzhumorig, und driften nie in Pointen-Abgründe ab.

Wenn es einen Aspekt gibt, den selbst die meisten Kritiker an dieser Neuauflage loben, dann ist das Jackie Earle Haley’s Darstellung als Freddy Krueger. Und in der Tat: nach "Watchmen" beweist er hier erneut, dass er für eine eindringliche, beängstigende Performance nichts weiter braucht als seine Gestik und seine Stimme (da sein Gesicht einerseits zu einem Großteil hinter dem Make-Up versteckt und andererseits von der Kamera meist verborgen wird). Vor allem seine Stimme (ich habe den Film im O-Ton gesehen) lässt diesen neuen Freddy ungemein bedrohlich wirken, zugleich lässt er darin jedoch auch die sadistische Freude seiner Figur immer wieder durchklingen. Angesichts seiner tollen Performance können wohl wirklich nur die hartnäckigsten Freddy-Nostalgiker Robert Englund nachweinen. Bei den anderen Darstellern hatte man nicht immer ein so glückliches Händchen. Mal ganz abgesehen von der üblichen Hollywood-Krankheit, Früh- bis Mittzwanziger als Teenager zu besetzen, schaffen es nur die wenigsten, ihren – zugegebenermaßen nur hauchdünn ausgearbeiteten, aber dazu gleich mehr – Figuren Profil zu verleihen. Rooney Mara tut was sie kann, und ihre Performance ist vor allem gegen Ende hin mehr als nur anständig, dennoch war es schwer für mich zu erkennen, was David Fincher in ihr sah, dass er sie für sein "Verblengung"-Remake gecastet hat. Und die anderen Schauspieler fallen überhaupt nicht auf – weder positiv noch negativ. Etwas schade fand ich nur noch, dass man nicht Heather Langenkamp als Nancy’s Mutter gecastet hat. Das wäre doch eigentlich wirklich naheliegend gewesen, und hätte dem Film zusätzliche Würze verliehen…

ImageWie bei den Remakes von Platinum Dunes üblich, hat man für "A Nightmare on Elm Street" wieder einen relativen Regie-Neuling (zumindest was Spielfilme betrifft) engagiert, der sich jedoch in den vergangenen Jahren in der Werbe- und Musikvideobranche einen Namen gemacht hat. Und so ist es auch keine Überraschung, dass dieses Remake optisch einiges hermacht. Womit mich Samuel Bayer schon eher angenehm überrascht hat, ist dass es ihm meines Erachtens als erstem der für diese Remakes ausgewählten Regisseuren gelungen ist, ihn atmosphärisch dicht zu inszenieren. Es gibt einige sehr spannende, gruselige Szenen, und Bayer schaffte es, bei mir Unbehagen auszulösen, ohne sich dabei zu sehr auf billige Schockeffekte (die natürlich auch vorhanden sind, aber eben angenehm sparsam eingesetzt werden) zu verlassen. Eine der größten Stärken des Films ist aber der grandiose Score von Steve Jablonsky. Er bedient sich einerseits erfolgreich den aus der Reihe bekannten musikalischen Themen und interpretiert sie auf gelungene Weise neu, streut jedoch auch eigene, neue Kompositionen bei. Das Ergebnis ist einer der besten Horror-Soundtracks der letzten Jahre, und ganz klar die beste Filmmusik, die ein Nightmare-Film bisher zu bieten hatte.

All diese Stärken hätten fast dazu geführt, dass ich "A Nightmare on Elm Street" sogar besser hätte bewerten müssen als das Original – was mir wohl endgültig den Zorn aller Freddy-Jünger eingebracht hätte (ihm die gleiche Wertung zu geben, ist für diese wohl schon schmerzlich genug). Es gibt jedoch einen Aspekt des Remakes, der mich extrem enttäuscht hat, und das sind die Figuren. Zugegeben, auch im Original waren diese nicht übertrieben gut ausgearbeitet, aber im Remake verkommen sie endgültig zum üblichen Teenie-Slasher-Futter à la der "Freitag, der 13." Reihe oder auch den "Nightmare"-Fortsetzungen. Sie sind zwar nicht unsympathisch, aber leider absolut uninteressant und austauschbar. Durch ihre düstere Vergangenheit wird zwar versucht, ihnen etwas Profil zu verleihen, gelingen tut dies leider nicht wirklich. Wie wenig Zeit und Energie man in die Figuren investiert hat zeigt auch die Tatsache, dass uns zwar gesagt wird, dass Freddy’s frühere Opfer Außenseiter in ihrer Schule wären, dies uns jedoch nie wirklich gezeigt wird. Wir müssen und sollen es akzeptieren, weil es im Film erwähnt wird – was leider nie so effektiv ist, als es uns auch zu zeigen und spüren zu lassen. Darüber hinaus war ich auch vom Showdown etwas enttäuscht. Im Original hat sich Nancy einige Fallen für Freddy überlegt und besiegt ihn schließlich, in dem sie sich von ihm abwendet. Hier verläuft der Showdown leider viel geradliniger und um einiges unorigineller. Dafür fand ich das eigentliche Ende dann aber besser – da effektiver umgesetzt und nicht ganz so verwirrend – wie beim Original.

Fazit: ImageMir ist egal, was Kritiker und jahrelange Freddy-Jünger sagen. Für mich ist "A Nightmare on Elm Street" ein gelungenes, würdiges und überaus effektives Remake des Originals, dass die meisten Stärken behält und zugleich einige Schwächen ausmerzt. So fand ich Wes Craven’s Inszenierung im Original sehr schlicht und unatmosphärisch – hier konnte mir Samuel Bayer’s Zugang deutlich besser gefallen. Denn im Gegensatz zu "Mörderische Träume" fand ich das Remake atmosphärisch dicht und teilweise wirklich gruselig und beängstigend. Außerdem finde ich den sehr hyperrealen und stylischen Inszenierungsstil der Platinum Dunes-Remakes beim surrealen "A Nightmare on Elm Street" sehr passend. Einigen mag es zu aalglatt sein, und sie mögen mit der einen oder anderen Änderung nichts anfangen können. Alles Dinge, die ich verstehen, denen ich jedoch nicht zustimmen kann. Einzig die flachen, uninteressanten Charaktere haben mich doch ziemlich enttäuscht – davon abgesehen fand ich aber "A Nightmare on Elm Street" in einigen Belangen sogar besser als das Original. Und Jackie Earle Haley ist ein großartiger Freddy 2.0, von dem ich gerne mehr sehen würde. Bleibt nur zu hoffen, dass uns bei der unvermeidlichen Fortsetzung des Remakes eine ähnliche Enttäuschung wie bei den ursprünglichen Sequels der "Nightmare"-Reihe erspart bleibt.

Wertung:7 von 10 Punkten


Christian Siegel
(Bilder © New Line Cinema)


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