Die neue Allianz
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Episodenbild (c) Warner Bros.

Originaltitel: Rising Star
Episodennummer: 4x21
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 20. Oktober 1997
Erstausstrahlung D: 17. Oktober 1998
Drehbuch: J. Michael Straczynski
Regie: Tony Dow
Hauptdarsteller: Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan, Claudia Christian als Commander Susan Ivanova, Jerry Doyle als Security Chief Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Richard Biggs als Doctor Stephen Franklin, Bill Mumy als Lennier, Stephen Furst als Vir Cotto, Jason Carter als Marcus Cole, Jeff Conaway als Zack Allan, Patricia Tallman als Lyta Alexander, Peter Jurasik als Londo, Andreas Katsulas als G'Kar.
Gastdarsteller: Walter Koenig als Bester, Beata Pozniak als President Susanna Luchenko, Denise Gentile als Lise Hampton Edgars, Rance Howard als David Sheridan, Michael Potter als General Foote, Joey Dente als Luko, Alex Cobo als Max, J.J. Boone als Med Tech, Julie Ow als Med Tech, Maggie Egan als ISN Anchor u.a.

Kurzinhalt: Nachdem sich Präsident Clark selbst das Leben genommen hat und die Erde von seiner militärischen Diktatur befreit wurde, hat sich Captain Sheridan den Behörden gestellt, um für seine Taten geradezustehen. In einem Tribunal soll über sein weiteres Schicksal entschieden werden. Die neue Präsidentin der Erdregierung, Susanna Luchenko, macht ihm schließlich ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann. Währenddessen trifft Dr. Franklin auf Babylon 5 ein – doch er kommt zu spät, um Marcus noch zu helfen. Völlig verzweifelt betrauert Ivanova seinen Tod. Garibaldi sucht indes auf dem Mars nach Lise, die in die Fänge der dortigen Mafia geraten ist. Und Delenn arbeitet zusammen G'Kar und Londo daran, eine neue interstellare Allianz zu gründen…

Denkwürdige Zitate: "I knew he'd never hurt me, and I knew he'd never leave me. And I knew he loved me. I knew it. I just didn't want to admit it. And he gave so much, and he wanted so little in return. He just wanted a kind word, or a smile, and all I ever gave him in two years was grief… because I think I saw that I wanted… and I was afraid."
(Susan trauert um Marcus.)

"At least I should have boffed him just once."
(Was soll man dazu noch groß sagen?)

"I don't know exactly how he plans to settle the score, but I'm sure it'll be creative, colorful and extremely unpleasant."
(Sheridan warnt Bester vor Garibaldis Rache.)

"Well, captain, you've caused quite a stir. Half of Earthforce wants to give you a kiss on the cheek and the Medal of Honor. The other half wants you taken out and shot. As a politician, you learn how to compromise. Which by all rights means I should give you the Medal of Honor and then have you shot."
(Das wäre ein klassischer, typischer politischer Kompromiss, ja.)

"The bitch of it is, you probably did the right thing. But you did it the wrong way, the inconvenient way, and now you have to pay the penalty for that."
(Präsidentin Luchenko in Richtung Sheridan.)

"So, how does it feel to make history?"
"You do not make history. You can only hope to survive it."
(G'Kar scheint sich etwas von Ivanova abgeschaut zu haben.)

"The new Alliance would waver, and crack, but in the end it would hold. Because what is built, endures. What is loved, endures. And Babylon 5… Babylon 5… endures."
(In der Tat.)


Review: Episodenbild (c) Warner Bros. Nach einem kurzen Einstieg mit der ISN-Meldung sowie dem angespannt im Weißen Stern-Schiff sitzenden Dr. Franklin erleben wir an Bord der Station einen der absoluten emotionalen Höhepunkte, nicht einfach nur dieser Folge, sondern vielmehr der kompletten Serie: Wie Stephen zur völlig am Boden zerstörten Ivanova geht, versucht sie zu trösten, und diese ihm ihr Herz ausschüttet, ist ein ungemein berührender Moment, der großartig geschrieben und vor allem auch von Claudia Christian absolut phänomenal gespielt wurde (wobei ihr Richard Biggs mit seiner feinfühligen Performance in nichts nachsteht). Man kann hier gar nicht anders, als mit ihr mitzufühlen, und es ist eine derart rohe, schmerzhafte Szene, dass man am liebsten in den Fernseher greifen und sie in die Arme nehmen würde, um sie zu trösten. Und trotz aller Tragik und Emotionen gelingt es JMS dann aber dennoch, uns mit ihrem "bumsen"-Kommentar auch nochmal kurz zum Schmunzeln zu bringen. Dies ist einerseits natürlich ein schöner, humoristisch auflockernder, aber irgendwie auch ein sehr ehrlicher Moment. Zumindest ich spreche aus Erfahrung, dass einem manchmal in den traurigsten – und damit unpassendsten – Momenten die dümmsten Sprüche und Witze einfallen. Vielleicht ist das ja eine Art Abwehrmechanismus des Körpers bzw. Gehirns bei zu großer emotionaler Anspannung? Jedenfalls fand ich diese Szene absolut phantastisch.

Der Rest der Folge gelang es leider nie wieder 100%ig, an diesen starken Moment anzuknüpfen, dennoch gab es auch danach noch die eine oder andere nette bis großartige Szene. Wie z.B. das Gespräch zwischen Bester und Sheridan. Mit den beiden Kontrahenten, die zu Beginn auf gegenüberliegenden Seiten eines langen Tisches Platz nehmen, ist es einerseits mal nett inszeniert. Wunderbar auch der Moment, wo Bester das Abschirmgerät in Richtung Sheridan schiebt, und dieses unmittelbar vor ihm liegen bleibt. Da fragt man sich unweigerlich, wie oft sie dies drehen mussten, bis sie es genau richtig hinbekommen haben. In erster Linie ist es aber auch hier einerseits das Drehbuch – dass es Bester erlaubt, sich praktisch im selben Moment von seiner menschlichen (aufgrund seiner Sorge für Carolyn) und von seiner grausamen Seite (mit der Drohung an Sheridan) zu zeigen, und andererseits aufgrund der schauspielerischen Leistungen, wobei vor allem Walter Koenig im Verlauf der Szene gleich mehrere Facetten seiner Figur spielen darf, und diese Möglichkeit genüsslich – und erfolgreich – auskostet. Sheridans große Momente kommen dann eher später, wie z.B. im Gespräch mit Präsidentin Luchenko (deren schauspielerische Leistung ich wiederum etwas verkrampft und gestelzt fand), und vor allem natürlich dann, als sich herausstellt, dass er zum Präsidenten der neu gegründeten Interstellaren Allianz gewählt wurde. Gerade auch nach dem Deal, zu dem man ihm zuvor gezwungen hat, gönnt man ihm diesen Sieg. Schön auch sein nachfolgendes Wiedersehen mit seinem Vater. Aber auch abseits der Erde gibt es ein paar schöne Momente, wie z.B. die Szene mit Delenn, G'Kar und Londo zur Gründung der Allianz, oder auch das nachfolgende Gespräch zwischen Delenn und Lennier über unerwiderte Liebe, wo letzterer auch wieder einmal seine Gefühle ihr gegenüber anklingen lassen darf – scheinbar ohne, dass sie dies bemerkt.

Episodenbild (c) Warner Bros. Trotz dieser schönen Einzelmomente kann "Die neue Allianz" nicht ganz an die letzten vier, makellosen Episoden anknüpfen. Dies liegt in erster Linie daran, dass das Ganze teilweise doch ziemlich überhastet wirkt. Weniger in den einzelnen Momenten, die zum Glück immer genug Zeit bekommen, um zu Atmen und ihre gewünschte Wirkung zu entfalten (auch hier meine ich insbesondere die lange Szene zwischen Ivanova und Franklin), als vielmehr einige Entwicklungen, die hier überhastet eingeführt und/oder kurz angerissen werden mussten, da JMS zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch davon ausging, dass die vierte Staffel von "Babylon 5" zugleich auch die letzte sein würde. So wird die zunehmende freundschaftlich-entspannte Beziehung zwischen G'Kar und Londo angedeutet, Londo erfährt, dass er der nächste Imperator von Centauri Prime werden wird, die Erde schließt sich im Schnellverfahren der Interstellaren Allianz an, und gesteht zugleich auch dem Mars seine Unabhängigkeit zu, Delenn und Sheridan heiraten off-screen, Ivanova tritt ab, und und und. Diese Entwicklungen wirken dann doch etwas überhastet, bzw. kommen teilweise auch richtiggehend aus dem Nichts. Zuletzt fällt auch noch die Rede Sheridans über Entscheidungen, Konsequenzen und Verantwortung ein bisschen auf, wo JMS die Figur quasi die Moral von der Geschicht' vermitteln lässt – ein für "Babylon 5" doch eher ungewöhnlich aufdringlich-direkter Wink mit dem Zaunpfahl.

Fazit: "Die neue Allianz" präsentiert so manche Einzelszene, die durchaus zu den Höhepunkten der vierten Staffel zu zählen sind. Der beste Moment ist dabei ganz klar die ungemein bewegende Szene zwischen Ivanova und Dr. Franklin, wo diese Marcus Tod betrauert. Claudia Christian und auch Richard Biggs spielen diesen Moment ungemein eindringlich und intensiv, so dass sich die Emotionen der Figuren auch auf mich übertrug. Weitere Highlights sind das Gespräch zwischen Bester und Sheridan, zwischen Sheridan und Präsidentin Luchenko, die Offenbarung rund um den frisch gewählten Präsidenten der neu gegründeten Interstellaren Allianz, sowie das Wiedersehen zwischen Sheridan und seinem Vater. Trotz dieser gelungenen Einzelszenen kommt man aber nicht umhin, zu bemerken, dass sich das Ganze dann doch irgendwie etwas überhastet anfühlt. In wohl keiner anderen Episode der vierten Staffel war die Notwendigkeit, die Rahmenhandlung bereits in der vierten Staffel soweit als möglich abzuschließen, so offensichtlich – und schädigend – wie hier. Vieles wird nur am Rande gestreift bzw. in einem Nebensatz erwähnt, und manches – wie Londos Ernennung zum Imperator – kommt sprichwörtlich aus dem Nichts. Natürlich ist JMS hierfür kein Vorwurf zu machen – aber schade ist es trotzdem. Denn auf die ersten vier oder fünf Episoden der nächsten Staffel verteilt hätten all diese Entwicklungen einen deutlich größeren Eindruck hinterlassen. Und zugleich hätte dann der Einstieg in die fünfte Staffel vielleicht auch keinen gar so losgelösten, ziel- und planlosen sowie teilweise irgendwie auch inhaltsarmen Eindruck gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Wertung: 4 von 5 Punkten
Christian Siegel


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Vom Skript zur Folge:
Die erste Szene mit der alten ISN-Reporterin, die in der letzten Folge ausgestrahlt wurde, steht erst im Drehbuch zu dieser Folge, und wurde somit vorgezogen. Deutlich interessanter ist jedoch ein kurzes Gespräch zwischen Dr. Franklin und dem Med-Techniker, der ihn über Marcus informiert: "Es gab immer noch Reste von Hirnaktivität, weshalb wir beschlossen haben, ihn einzufrieren. Wenn Sie mich also fragen ob er lebt oder tot ist, lautet die Antwort: Beides, und keins davon. Wir erwischten ihn genau im Moment dazwischen. Ob es uns jemals gelingen wird, ihn wiederzubeleben…" Damit wird auch deutlich, dass das mit der Cryostase-Einheit aus "Der Weg ins Licht" kein spontaner Einfall war, sondern sich JMS schon immer ein Hintertürchen offenhalten wollte. Und, natürlich: In der Episode war ursprünglich davon die Rede, dass Ivanova das Kommando über die Station angeboten wurde – wobei sie selbst dort schon zugleich das Angebot erhielt, vielmehr einen Kreuzer der neuen Warlock-Klasse zu befehligen und sich – wie in der Folge – mit den Worten "Ich muss feststellen, so mein Herz hingehört, ehe der Rest von mir folgen kann" Bedenkzeit erbeten. Davon abgesehen habe ich keine nennenswerten Änderungen bemerkt.
Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 11"

Stimmen zur Episode:
Episodenbild (c) Warner Bros.
  • Jerry Doyle über die Szene im Bett: „Sie hatten das sehr nett aufgebaut, mit den Kerzen und dem gedämmten Licht. Sie kam heraus, und wir waren beide im Prinzip nackt, um aufs Set zu gehen. Es ist ein bisschen seltsam, herumzugehen während dir 75 Leute dabei zusehen, aber John Flinn leitet ein sehr gutes Set… der Regisseur auch… und er sagte: "Ok, sie kommen ans Set", und alle zogen sich zurück und gab uns die Chance, unter die Decke zu schlüpfen und es uns bequem zu machen, und dann kamen sie wieder zurück. Wir haben so eine wundervolle Crew, dass es wirklich eine Ehre ist, mit ihnen und für sie arbeiten zu dürfen. Ich liebe es, zur Arbeit zu gehen – vor allem natürlich wenn ich für ein paar Stunden mit einer wunderschönen Frau im Bett liegen darf, und dafür auch noch bezahlt bekomme. Da bin ich jederzeit gern dabei!”

  • Andreas Katsulas über das veränderte Verhältnis zwischen G'Kar und Londo: „Ich denke viele der Wände die sie zuvor voneinander trennten sind nun eingerissen worden. Dennoch denke ich, dass G'Kar wohl immer ein bisschen zurückhaltend sein wird. Er wird immer nur so weit gehen, wie er glaubt, dass es möglich ist, zu gehen. Aber wenn du dir anschaust, wie weit wir's gebracht haben, und wie viele Jahre es gedauert hat bis die beiden einfach nur an diesem Tisch sitzen und gemeinsam etwas genießen konnten… Mann, was für eine Entwicklung.”

  • Bill Mumy über Lenniers kurzes Gespräch mit Delenn: „Das war eine kraftvolle kleine Szene, und damals dachte ich dass es mit ziemlicher Sicherheit die letzte Szene sein könnte, die ich jemals als Lennier drehen würde. Die Szene hatte mich zutiefst bewegt, aus mehreren Gründen. Die zugrundeliegende Sache mit Lennier… Ich denke nicht, dass er zu Delenn wirklich sagen will "Ich wünschte du wärst nicht mit Sheridan zusammen. Ich wünschte du wärst mit mir zusammen." Er ist zwar nicht glücklich, aber er hat es akzeptiert, und er möchte nur das Beste für sie, und er weiß, wem ihr Herz gehört. Aber nichtsdestotrotz hat er ein schweres Kreuz zu tragen, in dem er jemanden ansehen muss der die Tatsache nicht ganz versteht, dass sie seine Welt ist. Es gab daher einerseits den Gedanken von Lennier in dieser Szene, aber andererseits auch diese Überlegungen von mir: "Nun, die Kameras laufen, und dies mag das allerletzte Mal sein, dass ich für diese Figur spreche." Es war ein sehr emotionaler Moment, und ich denke, ich habe sogar ein bisschen geweint.”

  • Jerry Doyle über die Szene, in der Garibaldi Lise rettet: „Dazu gab es einen netten Outtake. Sie hatten all diese Zellen mit diesen stabilen Türen und all diesen großen Stahlschlössern darauf aufgebaut. Ich kam den Gang herunter und begann damit, die Türen einzutreten. In den Proben hatten sie sie nur mit einer einzigen Schraube festgemacht, und ich sagte "Das funktioniert so nicht". Und so stellten sich letztendlich ein paar der Spezialeffekt-Leute hinter die Tür, um deren Widerstand zu simulieren. Als sie den Tritt spürten, würden sie sich zurückziehen, und die Tür würde aufgehen und zeigen, dass sie nicht da drin ist. John Flinn schwörte mich noch einmal ein direkt bevor ich um die Ecke kam. "Erinnere dich wo du warst", und ich sagte nur "Ja, schon klar." Ich kam also um die Ecke herum, trat die Tür ein, und der Spezialeffekt-Kerl flog im hohen Bogen übers Set, und die Tür löste sich aus der Angel, und ich sagte nur "Wo ist die nächste?". Ich war nun völlig in Rage, versuche sie zu finden, und ich gehe und versuche, diese eine Tür einzutreten, und ich trete und trete – und was passiert war ist, dass das echte Stahlschloss eingerastet war, und ich demnach versuchte, das gesamte Set einzutreten! Ich trete und trete, und dann werfe ich mich mit der Schulter dagegen, und die Crew schaut mir nur zu, und ich schreie ihren Namen. Endlich öffnet sich die Tür in meine Richtung, und ich frage "Lise?". Und ich öffnete ganz einfach die Tür in die entgegengesetzte Richtung, in der ich zuvor versuchte, sie einzutreten!”

  • Quelle: "Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 4: No Surrender, No Retreat"


    Kommentare von JMS
    Episodenbild (c) Warner Bros.
  • Vier Jahre lang war ich herumgelaufen und hatte jedem den ich traf erzählt dass B5 über Entscheidungen, Konsequenzen und Verantwortung war, in dieser Reihenfolge, und während wir im Verlauf der Jahre viele Entscheidungen gesehen haben, hatten wir dennoch von den letzteren beiden noch nicht alles gesehen, was wir hätten sehen sollen. Wir hatten gesehen, wie Londo schlechte Entscheidungen trifft, und sagen die Konsequenzen dieser Entscheidungen, aber er hatte noch nicht wirklich die Verantwortung für sie übernommen, wie er es später mit seiner Entschuldigung an G'Kar, oder in seinem Opfer für die Welt die er durch seine Entscheidungen in Gefahr brachte, tun würde. Auch die Konsequenzen von Lenniers unausgesprochener aber nicht unbemerkter Liebe für Delenn hatten wir noch nicht gesehen. All das war für Jahr fünf vorgesehen.

    Angesichts der Tatsache, dass eine fünfte Staffel zum Zeitpunkt als ich die Episode schrieb völlig unwahrscheinlich schien, und mit diesen Punkten, die noch nicht thematisiert wurden, fühlte ich das Bedürfnis sie jemanden tatsächlich laut aussprechen zu lassen. Was für einen Autor eine echte Schande ist, weil du deine Geschichte ausreichend ausführlich erzählen willst, so dass du am Ende nicht mit einer Moral von der Geschichte à la "Dies ist, was ich wollte, dass ihr von der Geschichte mitnehmt" aufhören musst. Es sollte sich stillschweigend von selbst erklären. In Ermangelung dessen, wendete ich mich an Sheridan. Er spricht demnach für den Autor wenn er sagt: "Während meiner Zeit auf Babylon 5 habe ich etwas über Entscheidungen, Konsequenzen und Verantwortung gelernt. Ich erkannte, dass wir alle eine Wahl haben, ob wir sie als solche erkennen oder nicht. Dass unsere Entscheidungen Konsequenzen haben, nicht nur für uns, sondern auch für andere. Und das wir für diese Konsequenzen die Verantwortung übernehmen müssen." Es war klar und auf den Punkt. Und ich hasste es mehr, es schreiben zu müssen, als ihr euch jemals vorstellen könnt.

  • Um das Drehbuch richtig einordnen zu können, müsst ihr ein bisschen von dem zurücktreten was dann noch in der fünften Staffel kam, und es aus der Sicht des Umstands betrachten dass als sie geschrieben wurde, dies unter der Annahme geschah, dass dies die letzte reguläre Episode der Serie ein würde, direkt gefolgt von "Der Weg ins Licht" in der darauffolgenden Woche. Folglich endet sie nicht nur mit Gefühl der Finalität, sondern sie bereitet auch alles vor um eine Woche später zu "Der Weg ins Licht" zu springen: Wir zeigen Garibaldi auf dem Mars, wie er Edgars Industries leitet, was genau der Ort ist wo wir ihn knapp zwanzig Jahre später antreffen werden. Dr. Franklin ist zur Erde zurückgekehrt, woraus wir seine spätere Beförderung zur Arbeit als Xenobiologe unter einem späteren Präsidenten ableiten können. Sheridan wird als Präsident der Allianz eingesetzt. Und Ivanova befindet sich auf Babylon 5 und hat noch eine vielversprechende Karriere vor sich. Delenns Monolog am Ende der Folge, wo sie die nächsten zwanzig Jahre der Geschichte anspricht, ist ein direktes Setup für den Zeitsprung zu Sheridans letzten Tagen in "Der Weg ins Licht".

  • Drei Performances in dieser Folge müssen gesondert hervorgehoben werden. Die erste davon ist Claudia Christians Leistung mit Richard Biggs in der Szene wo sie den Tod von Marcus betrauert. Was immer danach auch bezüglich Verträgen, Verlängerungen und dazugehörigen Problemen vorgefallen sein mag, ihre Performance hier ist vermutlich die stärkste, die von ihr im Verlauf der Serie je gezeigt wurde. Was Zuschauer bezüglich des Weinens im Fernsehen oftmals nicht begreifen, ist dass es nicht einfach nur deshalb schwer ist, weil du aufgefordert bist, auf Befehl zu weinen; es ist vor allem auch deshalb so schwierig, weil du dazu aufgefordert bist, dies Klappe für Klappe für Klappe zu tun. Bei der fünften oder sechsten Klappe ist der Darsteller körperlich erschöpft – und das deckt nur eine Hälfte des Gesprächs ab. Du musst zuerst die Weitwinkelaufnahme drehen, dann Ricks Closeup, dann ihren. Wir reden davon, stundenlang ohne Unterbrechung zu heulen. (Eine meiner Eigenheiten als Autor/Produzent ist es dass ich nicht auf dem Set sein kann wenn sie eine Szene drehen die ich geschrieben habe, in der jemand Tränen vergießen muss. Wissend wie schwer es ist, und was es ihnen abverlangt, fühle ich mich wegen dem Ganzen immer so schuldig dass ich einfach nicht aufs Set kommen kann. Ansonsten würde ich jede Gelegenheit zwischen den Aufnahmen nutzen, um mich dafür zu entschuldigen dieses verdammte Ding geschrieben zu haben, was die Konzentration des Schauspielers unterbrechen würde.)

    Episodenbild (c) Warner Bros. Die zweite bemerkenswerte, wenn auch stillere, Performance ist Walter Koenigs Szene mit Sheridan. Es ist wohl eine von Besters menschlichsten Momenten, und Walter vermittelt dies in höchstem Maße. Er ist immer noch ein Arsch, aber er ist auch dazu fähig eine derart profunde Liebe zu empfinden, dass er für sie sogar so weit gehen würde. Er ist menschlich, mit Fehlern, gerissen und tödlich, alles in der gleichen Szene, und das ist für jeden Schauspieler eine schwierige Liste, wenn er sie in so kurzer Zeit abarbeiten muss. Aber Walter macht es, und lässt es noch dazu mühelos aussehen. (Diese Szene wurde unter anderem auch deshalb eingebaut, um den späteren Telepathen-Krieg vorzubereiten, von dem ich hoffte, und immer noch hoffe, ihn eines Tages erzählen zu können.)

    Zuletzt, und mit einer noch stilleren Performance, haben wir Lenniers Szene in der er Ivanovas Worte wiederholt, dass Liebe immer unerwidert ist. In dieser Szene sehen wir die ersten Echos jener Tragödie, die ihn eines Tages einholen wird, auch wenn ich als ich dies schrieb keine Ahnung hatte ob wir je die Gelegenheit erhalten würden diese tragische Geschichte vollständig in einer fünften Staffel zu erzählen.
    Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 11"


  • JMS über Marcus Vielleicht-aber-vielleicht-auch-nicht-Tod:
    Ich wusste selbst nicht genau was ich in diesem Fall machen wollte. Es fiel mir einfach schwer, die Figur zu töten. Ich mochte Marcus wirklich sehr, und ich hielt mir eine kleine Tür offen um beide Richtungen einschlagen zu können. Meine endgültige Entscheidung erfolgte dann aus der Tatsache heraus, dass Ivanova sich an die Frontlinie geschmissen hatte und bereit dazu war, zu sterben, und falls ich nun ein zweites Mal schummeln würde – oder es zumindest so aussehen würde, als würde ich schummeln – indem ich nun auch Marcus in letzter Sekunde aus dem Feuer heraushole… untergräbt und schmälert er das, was er soeben getan hat? Und letztendlich, und zutiefst bekümmert über die ganze Sache, erkannte ich, dass ich es durchziehen musste.

  • Quelle: "Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 4: No Surrender, No Retreat"

  • Wenn es das jetzt gewesen wäre, wäre ich auch zufrieden und glücklich und hätte ein breites Grinsen in Gesicht.
    Genau… es ist nicht das Ende der Geschichte. Verschiede Leute sagten immer wieder "Oh, der Arc wurde im 4ten Jahr abgeschlossen". Diese Folge bietet eine Art "Lösung", die insgesamt etwas anders ist, und lässt genug Möglichkeiten für andere geplante Dinge.

  • Wenn Marcus überlebt hätte, wäre das ein Rückzieher gewesen.
    Bezüglich Marcus ist dies genau der Punkt. Wenn wir so etwas tun, wie wir es mit Ivanova getan haben, und sie dann in letzter Sekunde retten, und dann das selbe mit Marcus tun, wäre das ein doppelter Betrug und das wäre nicht fair dem Publikum gegenüber. Wenn man sie aber nur auf Kosten eines Anderen rettet, dann ist das in keinster Weise Betrug. Es war schwer, Marcus dies anzutun, aber es war die einzige Möglichkeit, mit Anstand und Ehre mit der Situation umzugehen. Das war sehr schwer zu schreiben.

  • Episodenbild (c) Warner Bros.
  • Alles wurde uns nun enthüllt. Was bleibt noch für die 5. Staffel übrig?
    Eine Dinge die noch gezeigt werden könnten (bleibt etwas unklar um die Spannung zu erhalten): Der Beginn des Telepathenkrieges. Der Beginn des Krieges gegen die Drakh. Londos Schicksal auf Centauri Prime. Das erste Jahr in dem die Interstellare Allianz versucht, die Arbeit aufzunehmen. Rivalitätskämpfe zwischen den Allianz-Mitgliedern. Die Entwicklung des Mars zu einem unabhängigen Staat. Die Hinterlassenschaft von William Edgars dunklen Projekten. Nachwirkungen des Bürgerkrieges und die damit verbundenen Gefühle. Wie Lennier, Sheridan und Delenn nun zurechtkommen.

    Wie ist es damit so als Anfang?

  • Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5

    Zusammengestellt und überarbeitet von Christian Siegel
    (Bilder © Warner Bros.)







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