| Der Arzt des Präsidenten |
Episodennummer: 2x13 Bewertung: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Erstausstrahlung USA: 01.03.1995 Erstausstrahlung D: 24.03.1996 (Pro7) Drehbuch: J. Michael Straczynski Regie: Menachem Binetski Hauptdarsteller: Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan, Claudia Christian als Lt. Comdr. Susan Ivanova, Jerry Doyle als Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Andrea Thompson als Talia Winters, Stephen Furst als Vir Cotto, Bill Mumy als Lennier, Robert Rusler als Warren Keffer, Andreas Katsulas als G'Kar, Peter Jurasik als Londo Mollari Gastdarsteller: Tony Steedman als Dr. Everett Jacobs, Bernie Casey als Derek Cranston, Richard Moll als Max, Wanda De Jesus als Sarah, Jeff Conaway als Zack Allan Denkwürdige Zitate: Kosh: "I will teach you.“ Sheridan: "About yourself?“ Kosh: "About you. Until you are ready.“ Sheridan: "For what?“ Kosh: "To fight legends.“ Kurzinhalt: Der ehemalige Arzt des Präsidenten hält sich auf der Station versteckt. Ein Sicherheitstrupp der Erdregierung kommt nach Babylon 5, um ihn ausfindig zu machen und zur Erde zurückzubringen – ist er doch angeblich im Besitz von Informationen zu neuen technologischen Errungenschaften, die er, so wird behauptet, an den meistbietenden verkaufen will. Von einer Kontaktperson innerhalb des Widerstandes der Erdstreitkräfte erfährt Captain Sheridan schließlich den wahren Grund, warum man hinter dem Arzt her ist: Er besitzt brisante Informationen zur angeblichen Erkrankung von Präsident Clark, die ihn dazu veranlasst hat, das Raumschiff Starship One kurz vor dem Anschlag auf den damaligen Präsidenten Louis Santiago zu verlassen. Sheridan muss ihn unbedingt vor den Suchtrupps der Erdregierung finden und diese Informationen sicherstellen. Er wendet sich an Garibaldi und Dr. Franklin, die sich daraufhin in die unteren Ebenen der Station begeben, um nach ihm zu suchen. Doch der Arzt ist mittlerweile in die Fänge eines Gangsters geraten. Als dieser erkennt, welche Informationen er bei sich trägt, wendet er sich an die Suchtrupps, und verlangt "Finderlohn". Garibaldi und Dr. Franklin droht die Zeit davon zu laufen…
Synchro-Fehler: Auch als Dr. Franklin und Garibaldi auf den unteren Ebenen nach Dr. Jacobs suchen, haben sich ein paar kleinere Fehler eingeschlichen. Zuerst fällt negativ auf, dass Dr. Franklin den Sicherheitschef um eine Erklärung bittet, als beiden auffällt dass die Sicherheitskräfte abgezogen wurden. Im Original darf er selbst darauf kommen, dass Captain Sheridan hier wohl erfolgreich eingreifen konnte. Auch kennt Stephen Dr. Jacobs nicht seit seinem Studium, wie die Synchro fälschlicherweise behauptet, sondern seit "before the big war“. Kurz darauf gibt es dann mal wieder einen der Standardfehler der Synchro zu bewundern: Die Verharmlosung von Garibaldi's Drohungen. Als der Shopbesitzer ihm nicht sagen will, wer ihm die Uhr verkauft hat, da dies schlecht fürs Geschäft sei, mein Garibaldi im Original "So is having your eyeballs spooned out and served on toast.“ Mit "Wenn sie in der nächsten Zeit nicht mit zwei blauen Augen herumlaufen wollen…“ agiert er in der deutschen Fassung wieder einmal um einiges zurückhaltender (und unorigineller).Garibaldi: "You were his teacher. What did he get in first-aid class?“ Franklin: "4.0“ Jacobs: "3.7“ In der Synchro ist stattdessen folgender Dialog zu hören: Garibaldi: "Sie waren doch sein Professor. War er immer schon so brutal?“ Franklin: "Hören Sie nicht auf ihn.“ Jacobs: "Er war schon immer ein Sadist.“ Auch dass Garibaldi deshalb nicht im Medlab behandelt werden will, weil er dort zu viele Fragen beantworten müsste, geht aus der Synchro nicht hervor. Review: Nachdem man sich bisher in der Staffel nur rudimentär mit der Verschwörung rund um den Tod von Präsident Santiago befasst hat, rückt dieser Teil des Handlungsrahmens in "Der Arzt des Präsidenten" nun zum ersten Mal in den Mittelpunkt. Am Ende von "Alarm in Sektor 92" hat Sheridan seine Kollegen in seinen Geheimauftrag eingeweiht, nun ist er zum ersten Mal auf ihre Hilfe angewiesen. Der Kampf einer kleinen Schar von aufrechten Offizieren der Erdstreitkräfte gegen das Komplott, an dem möglicherweise auch der Vizepräsident und das Psi-Corps beteiligt waren, besitzt jenen David gegen Goliath-Charakter, von dem schon viele Serien und Filme gezehrt haben (wie z.B. die alte Star Wars-Trilogie). In "Der Arzt des Präsidenten" ist die Ausgangssituation noch dazu denkbar ungünstig, muss es doch irgendwie gelingen, den Arzt zu finden – und zu verstecken – ehe er von den Sicherheitskräften gefunden wird. Um so überraschender ist das für Babylon 5-Verhältnisse doch ein wenig untypische Friede Freude Eierkuchen-Ende, dass den "Guten" einen Sieg auf der ganzen Linie beschert: Jacob und die vertraulichen Daten rund um die angebliche Erkrankung von Nun-Präsident Clark sind in Sicherheit, der Spürhund der Erdstreitkräfte ohne jeden Verdacht wieder abgereist. Besser hätte es doch für Sheridan und Co. gar nicht laufen können…
Doch bevor es soweit ist und man Dr. Jacobs und die Daten in Sicherheit bringen kann, gilt es erst ihn ausfindig zu machen. Wie sich Garibaldi inkognito – inklusive Fedora-Hut! – in Marlowe-Manier gemeinsam mit Dr. Franklin in die unteren Ebenen begibt um Nachforschungen anzustellen, ist schon spaßig mit anzusehen – wenn man auch hier wieder anmerken muss, dass seine Ermittlungsarbeit nicht gerade Sherlock Holmes Konkurrenz macht. Immerhin macht es Spaß ihm und dem Doc bei ihren Nachforschungen zuzusehen, und vor allem jene Szene als Garibaldi den Dieb davon überzeugen kann, dass es seiner Gesundheit sehr zuträglich wäre den Datenkristall herauszurücken, weiß zu gefallen. Kurz zuvor gibt es auch noch einen sehr netten Dialog zwischen Garibaldi und Dr. Franklin, wo die beiden sich über das Leben austauschen und man den Eindruck gewinnt, dass sich die in den letzten Episoden langsam entstandene Freundschaft zwischen den beiden weiter festigt. Ein weiterer interessanter Aspekt der Folge ist die Geschichte rund um Kosh's Schiff bzw. die Annäherung zwischen ihm und Captain Sheridan. Endlich erfahren wir ein bisschen mehr über den geheimnisvollen Botschafter der Vorlonen, und schon allein sein plötzliches großes Interesse für die Menschheit im Allgemeinen und Sheridan im Speziellen ist eine äußerst interessante Wendung, die viele offene Fragen mit sich bringt. Der letzte große Pluspunkt ist, dass Kontinuität bei dieser Folge (wie bei "Babylon 5" üblich) wieder einmal groß geschrieben wird. Nicht nur, dass Sheridan auf die Ereignisse aus "Alarm in Sektor 92" Bezug nimmt, bei der Suche nach Dr. Jacobs stolpert der Agent über die Möglichkeit, die internen Sensoren auf die Energiequelle die der Doktor in sich trägt auszurichten, wie das zuvor so ähnlich bereits im Pilotfilm und der Folge "Freiheit für den Mars" gemacht wurde. Gerade auch als in dieser Hinsicht etwas enttäuschter Star Trek-Fan (wo in einer Folge eine technische Lösung gefunden wird die in späteren Episoden bei ähnlichen Problemen auf einmal wieder in Vergessenheit gerät) fällt einem so etwas als sehr löblich auf. Weniger löblich sind einige logische Schwächen, insbesondere rund um Garibaldi. So muss man sich schon die Frage stellen, wie er sich während einer solch wichtigen Untersuchung einfach so davonstehlen kann, ohne dass es jemandem auffällt. Weder von einem seiner Leute noch von Agent Cranston wird seine Abwesenheit bzw. seine mangelnde Beteiligung an der Suche thematisiert. Das wirkt dann schon ein bisschen unglaubwürdig.
Auch die Szene, als Zack kurz davorsteht, Dr. Jacobs ausfindig zu machen, wurde ziemlich ungeschickt inszeniert, so dass man den Eindruck bekam er könne ihn doch eigentlich gar nicht übersehen. Zumindest war das wieder mal ein Moment, wo man an der Kompetenz des Babylon 5-Sicherheitsteams ernstlich zweifeln musste. Der letzte erwähnenswerte Kritikpunkt ist dann das fehlen einer Nebenhandlung. Hier fällt dann doch auf, dass "Babylon 5" was das betrifft bisher noch etwas unausgewogen agiert: In einer Episode gibt es gleich vier parallel verlaufende Handlungen (man nehme nur die nächste Folge "Minbari lügen nicht"), dann wieder nur eine. Letzteres muss für sich genommen zwar noch kein Beinbruch sein, solange die Folge interessant ist, "Im Arzt des Präsidenten" hätte eine B-Story aber sicherlich gut getan, da man dann zugleich auch das Tempo in der Haupthandlung hätte anziehen müssen. So entwickelt sich die Handlung doch etwas schleppend, zumal die Geschichte rund um die Entführung und Geiselnahme durch die Schmalspurganoven wie ein Lückenfüller wirkt, der nichts wesentliches zur Episode beiträgt (von einem weiteren Logikfehler mal abgesehen, denn man sollte meinen, dass Agent Cranston dieser Spur vehementer nachgeht; zumal es ein deutliches Indiz dafür ist, dass Dr. Jacobs die Station doch erreicht hat). Und so erinnert "Der Arzt des Präsidenten" dann auch ein bisschen an die durchschnittlicheren Folgen aus der ersten Staffel: Nicht schlecht, einige gute Ansätze, aber halt auch nicht überragend, und ohne das nötige Maß an Tempo und Dramatik… Fazit: Auch wenn die "David gegen Goliath"-Entwicklung rund um die Verschwörung durchaus interessant war, es Spaß gemacht hat zu sehen, wie sich Garibaldi im Phillip Marlow-artigen Trenchcoat auf die Suche nach dem verschollenen Arzt macht, und die Folge insgesamt durchaus unterhaltsam war, so kann "Der Arzt des Präsidenten" aufgrund einiger logischer Schwächen sowie dem Mangel an Tempo und Dramatik dennoch nicht 100%ig überzeugen. Bewertung: Spannung: 2.5/5 | Action: 1.5/5 | Humor: 3/5 | Dramatik: 2.5/5 | Inhalt: 3/5 | Gesamteindruck: 2.5/5
Christian Siegel
Mitreden! Sagt uns eure Meinung zu "Der Arzt des Präsidenten" in der SF-Community!Produktionsnotizen: Vom Skript zur Folge: Erneut so gut wie keine Abweichungen; lediglich ein kurzer Dialog, nachdem Cranston erfolgreich ausgetrickst wurde und sie auf dem Weg zur Landebucht sind, erscheint mir erwähnenswert:Garibaldi: "Jetzt wo Cranston weg ist, hatten Sie schon Gelegenheit, sich mit Kosh zu treffen?“ Sheridan: "Ja, vor ein paar Minuten. Ich dankte ihm für seine Hilfe.“ Ivanova: "Und was hat er darauf geantwortet?“ Sheridan: ""Alle Dinge haben ein Ende. Wenige Dinge haben einen Anfang."“ Ivanova: "Natürlich, warum bin ich da nicht selber drauf gekommen?“ „Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 4” Hintergründe zur Produktion der Episode: „Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 4” Das sagen die Schauspieler: Jerry Doyle über seine Probleme mit einem Requisit: „Ah, die Müsliriegel-Episode. Ich bekam die verdammten Riegel einfach nicht aus der Verpackung. Ich schwöre, die müssen sie darin festgeklebt haben, weil die bereits aufgeschnitten waren und alles was du tun musstest war, sie herauszuschütteln, sie in deiner Hand zu halten und den Dialog zu beenden. Und ich sitze da und schüttle sie, und ich dachte nur "Jetzt geh schon auf, verdammt!"“Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 2: The Coming of Shadows” Kommentare von JMS Die Anfangsszene mit Sheridan und Ivanova, die vor Kosh's Schiff stehen, war nie ganz das was es sein sollte. Die CGI, die damals für das Fernsehen noch sehr neu war, gab diesen Szenen nie die gewünschte Tiefe und Realismus. Wir drehten die Schauspieler vor einer grünen Leinwand, es war also für sie nichts da auf das sie visuell reagieren konnten, das würde alles erst später hinzugefügt werden. Daher sind einige der schauspielerischen Leistungen etwas daneben, und fügten sich nicht so gelungen in die CGI ein wie ich das gern gehabt hätte. Als die Schrift der Vorlonen auf dem Schiff erscheint, sieht das irgendwie flach aus, fast wie draufgemalt, und die Waffe die hervortritt ist nicht viel besser. Das gleiche gilt für die Nachricht am Ende, die auf der Schiffshülle kaum erkennbar ist… und wenn ihr bei der letzten Szene an diesem Schauplatz genau aufpasst, werdet ihr bemerken, dass die Figuren auf einer breiten Plattform stehen die sich links und rechts bis zum Rand des Bildes erstreckt, aber im umgekehrten Winkel mit der CGI stehen sie auf einer schmalen Plattform, die auf beiden Seiten aufhört. Im Fernsehproduzentenjargon ist die offizielle Bezeichnung für so etwas ein "Upsie"… Die Wahrheit über diese Episode ist, dass sie, so sehr sie auch dabei hilft Sheridan's Figur und seine Verbindung sowohl mit Kosh als auch den aufkommenden Mysterien der Serie zu stärken… was die Handlung betrifft ist sie das, was TV-Schreiberlinge oftmals als "lauf und spring"-Episode bezeichnen, da sie viel laufen und springen beinhaltet. Sie hat all die typischen Zutaten: Ein Gegenstand oder eine Person nach der jemand sucht (in diesem Fall beides), ein Detektiv der den Fall übernimmt, eine Verschwörung, viele Verhöre und Drohungen und Faustkämpfe um die Tatsache zu verschleiern, dass die Geschichte dünner ist als Spinnweben: Person A kommt nach B, und Person C muss ihn finden bevor das Person D gelingt. Das war's auch schon. Daher ist diese Episode selbst wenn es darin einige Dinge gibt die gelungen sind eine jener, die mir am wenigsten gefallen. Sie fühlt sich sehr konventionell an, und das ist etwas dass ich bei dieser Serie eigentlich immer verzweifelt versucht habe, zu vermeiden. Daran trägt niemand anderer Schuld als der Autor…
Was die Episode aber davor rettet zu einer jener zu werden, die ich am liebsten mit Zementschuhen im Fluss versenkt hätte, ist die Szene in der unteren Ebene zwischen Richard Biggs und Jerry Doyle, wo sie über die Zukunft philosophieren. Es hat nichts mit Komplotts oder Verschwörungen zu tun, sondern beschäftigt sich nur mit schlichter Menschlichkeit, mit den Dingen nach denen wir uns sehnen und nie bekommen, und die Zukunft die uns allen versprochen wurde, die sich aber nie so recht eingestellt hat. Ich liebe diese Szene. Weshalb wir auch deren Ende nicht erwähnen wollen, in der Franklin Superman's Augen brauchen würde um die Innschrift von Dr. Jacobs Uhr von dieser Entfernung erkennen zu können. Ein weiterer Fehler des Autors. Dieser Bastard. Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 4” Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 2: The Coming of Shadows” Es ist eine Taschenlampe, und er hat auch eine. Da habt ihr einen klitzekleinen Fehler entdeckt. Eigentlich sollte er rauskommen, zweimal damit blinken, um das Signal zu geben, dann hätte sie das gleiche getan, und dann wäre sie aus dem Schatten getreten und hätte ihre Lampe neben sich gestellt. Das dauerte jedoch zu lange, eine halbe Ewigkeit, und so haben wir die Szene rausgeschnitten… und gehofft, niemandem würde die herumstehende Taschenlampe auffallen. Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5
Zusammengestellt von Christian Siegel
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