| Frankenstein |
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Einer DER Horrorklassiker schlechthin in der Kritik
Kategorie:
Filme -
Autor: Björn Flügel - Datum:
Freitag, 31 Oktober 2008 |
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Kurzinhalt: Der junge Wissenschaftler Dr. Henry Frankenstein ist besessen von der Idee, nach dem Ursprung des Lebens zu forschen. Er erschafft aus Leichenteilen ein Geschöpf, zu dessen Vollendung er ein Gehirn aus der Präparatensammlung seines Professors entwenden lässt. Das Gehirn stammt jedoch von einem hingerichteten Mörder. Durch einen Blitzschlag wird das Geschöpf tatsächlich zum Leben erweckt. Allerdings gerät es außer Kontrolle und entkommt schließlich. Nachdem es auf seiner Flucht mehrere Menschen umgebracht hat, nehmen die Dorfbewohner die Jagd auf. Review: Ich war vielleicht 15 oder 16 Jahre alt, als ich James Whales "Frankenstein" erstmals zu Gesicht bekam. Und es war dieser Film, der meine Vorliebe für klassische Horror- und SF-Filme initiierte. So wie "Frankenstein" über 60 Jahre zuvor den Grundstein für die überaus erfolgreichen Horrorfilmproduktionen der Universal Studios gelegt hatte, so beeinflusste dieser Film nun auch mich. Es gibt viele Gründe, die "Frankenstein" zu einem ausgezeichneten Horrorfilm und weiterhin zu einem Meilenstein der Filmgeschichte überhaupt machen. Fangen wir mit der hervorragenden Besetzung an. Boris Karloff ist als "Monster" omnipräsent, auch wenn er nur in weniger als der Hälfte der Szenen in Erscheinung tritt. Die Kreatur ist der Angelpunkt der Geschichte. Sie agiert, sie bestimmt alles Handeln, während die restlichen Charaktere lediglich reagieren und dabei die Opferrolle einnehmen. Selbst ihr Schöpfer, Dr. Frankenstein (Colin Clive), verliert zunehmend die Kontrolle - sowohl über seine Schöpfung als auch sich selbst - und ist am Ende dem Mob, den namenlosen Dorfbewohnern, die das Wesen hetzen, gleichgestellt.
Eine Verurteilung der Kreatur als mörderisches Unwesen fällt schwer. Signifikant ist die rührselige Szene, in der die Kreatur gemeinsam mit einem kleinen Mädchen Blumen in den Fluss wirft. Hier wird der naive, gewissermaßen unschuldige Charakter des Wesens unterstrichen. Karloff agiert hier mit einer bemerkenswerten Feinfühligkeit, und fast empfindet man schon eine Sympathie, doch umgehend wird dem Zuschauer wieder der Schrecken in Erinnerung gerufen, als er das Mädchen ins Wasser wirft und hofft, es würde ebenso schön wie die Blumen an der Oberfläche treiben. Insgesamt liegt es im Ermessen des Zuschauers, inwieweit die Kreatur grausam ist, ob es wirklich ein Monster ist. Es ist nicht die Lust am Morden, die das Wesen leitet, sondern vielmehr die Sehnsucht nach Anerkennung, die Suche nach seiner Bedeutung und der Wunsch, frei zu sein. Es sind diese menschlichen Grundbedürfnisse, welche die Kreatur vorantreiben. Doch gleichzeitig wird deutlich, welche Voraussetzungen dem Wesen fehlen, um als "Mensch" gelten zu können. Als James Whales "Frankenstein" 1931 veröffentlicht wurde, betrat er gerade im elementaren Bereich Neuland. Der Film präsentiert für damalige Verhältnisse revolutionäre Ton-, Kamera- und Schnitttechniken. Gerade die Bildsprache (mit ihren Schattenspielen) lehnt sich am deutschen Expressionismus an - Was durchaus schlüssig ist, spielt der Film (ebenso wie die Romanvorlage) in Deutschland. So ergeben sich nicht nur inhaltliche, sondern auch stilistische Parallelen zu "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920) und "Der Golem, wie er in die Welt kam" (1920). Die Machart in Bild und Ton beeinflussten wesentlich das Genre und wurden in zahlreichen Produktionen rezitiert und erneut in "Van Helsing" (2004) aufgegriffen.
Fazit: James Whales "Frankenstein" ist aus heutiger Sicht sicher kein Horrorschocker, sondern ein filmhistorisches Dokument, das ein gesamtes Filmgenre etabliert hat. Bedeutsam sind seine existenziellen Grundfragen und die stilistischen Elemente, die selbst heute, 77 Jahre später, zu einem Filmerlebnis der besonderen Art einladen. Wertung:9 von 10 Punkten Hintergrundinformationen:
Björn Flügel
(Bilder © Universal Pictures)
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