| Das Werkzeug der Vergeltung |
Episodennummer: 4x19 Bewertung: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Erstausstrahlung USA: 06. Oktober 1997 Erstausstrahlung D: 26. September 1998 Drehbuch: J. Michael Straczynski Regie: David Eagle Hauptdarsteller: Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan, Claudia Christian als Commander Susan Ivanova, Jerry Doyle als Security Chief Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Richard Biggs als Doctor Stephen Franklin, Bill Mumy als Lennier, Stephen Furst als Vir Cotto, Jason Carter als Marcus Cole, Jeff Conaway als Zack Allan, Patricia Tallman als Lyta Alexander, Peter Jurasik als Londo, Andreas Katsulas als G'Kar. Gastdarsteller: Marc Gomes als Eisensen, Marjorie Monaghan als Number One, Bruce Gray als Interrogator, David Purdham als Captain James, Musetta Vander als Felicia, Greg Poland als Guard, J. P. Hubbel als Evan, James Laing als First Guard, Anneliza Scott als Assistanz u.a. Kurzinhalt: Mit Hilfe seiner Kontakte auf dem Mars gelingt es Michael Garibaldi, den Widerstand ausfindig zu machen. Nummer Eins will ihn sofort erschießen lassen, aber Dr. Franklin möchte zuerst seine Version der Ereignisse erzählen. Ursprünglich glaubt man ihm nicht, dass er von Bester manipuliert wurde, doch glücklicherweise ist auch Lyta Alexander anwesend, welche seine Behauptung schließlich bestätigen kann. Solcherarts rehabilitiert, gilt es nun, einen Plan zu Sheridans Befreiung auszuarbeiten. Die Tatsache, dass Garibaldi von ISN als Held gefeiert wurde, weil er Sheridan verraten hat, kommt ihnen dabei zu Gute. Doch Sheridan wird nach wie vor einem harten Verhör unterzogen, und verliert zunehmend jegliches Gefühl für Realität. Werden seine Befreier noch rechtzeitig kommen? Währenddessen setzt Commander Ivanova den Krieg gegen die Erdstreitkräfte ungehindert fort. Von einem Deserteur erfährt sie schließlich von einer neuen Schiffsklasse, die auf der Erde entwickelt wurde, und deren Besatzungen loyal zu Präsident Clark stehen. Um zu verhindern, dass ihnen diese Schiffe bei der bevorstehenden Offensive in den Rücken fallen, fliegt Ivanova mit der Flotte Weißer Stern-Schiffe voraus, um sich ihnen entgegenzustellen. Doch nie neuen Erdkreuzer wurden mit Schattentechnologie ausgestattet, und erweisen sich als überaus harte Gegner… Denkwürdige Zitate: "This damn better be worth it, because if this story of yours turns out to be bogus, I'm gonna kill you twice." (Franklin geht für Garibaldi ein großes Risiko ein.) "Michael, if I do a deep scan, it could damage you." "And if you don't, they're gonna kill me. Now, a headache I can get over. I'm not sure I'm gonna get over being dead any time soon." (Garibaldis Logik ist nichts entgegenzusetzen.) "Politics and morality on the same side? That doesn't happen every day, Delenn." (Da hat Vir recht.) "Why can't we ever go anyplace nice?" (Franklin zur versammelten Mannschaft, als sie durch die unterirdischen Gänge spazieren.) "I don't watch TV. It's a cultural wasteland filled with inappropriate metaphors and an unrealistic portrayal of life created by the liberal media elite." (Tja, was soll man da noch sagen…) "This is the White Star fleet. Negative on surrender. We will not stand down." "Who is this? Identify yourself." "Who am I? I am Susan Ivanova, Commander, daughter of Andrei and Sophie Ivanov. I am the right hand of vengeance and the boot that's going to kick your sorry ass all the way back to earth. I am Death Incarnate, and the last living thing you're ever going to see. God sent me." (Ivanovas wohl stärkster Moment der gesamten Serie.) "I'm sorry, Susan." "Don't be. It's okay. You've carried so much guilt in your life. Don't carry any more for me… or I'll come back and kick your ass." (Sheridan und Ivanova nach ihrer schweren Verletzung.) Review:
"Das Werkzeug der Vergeltung" mag zwar nicht so außergewöhnlich sein wie die Episode davor, dafür legt sie jedoch von Anfang an ein beachtliches Erzähltempo vor – ehe sich di Ereignisse zuletzt förmlich überschlagen. Tatsächlich wäre das Einzige, was man als negativ ins Feld führen könnte, dass die Episode da und dort schon fast etwas zu sehr durch die Handlung hastet. Gerade auch nach Sheridans Befreiung – und seinem "Anfall", als er den Wächter mehrmals erschießt – hätte ein kurzer Moment vielleicht gut getan. Und generell geht die Befreiungsaktion etwas gar schnell und fast schon wieder zu leicht vonstatten. Ich würde zwar nicht sagen, dass es wie ein Spaziergang wirkt, aber bei so einem prominenten und wichtigen Gefangenen hätte ich doch etwas mehr Gegenwehr bzw. Sicherheitsvorkehrungen erwartet. Letztendlich sind dies jedoch Spitzfindigkeiten, die auf meinen Eindruck von und meine Meinung zur Folge keine nennenswerten Auswirkungen hatte.
Bereits der Beginn konnte mir dabei sehr gut gefallen. Bei der Erstsichtung war ich anfangs echt verwirrt, weil Sheridan scheinbar wieder auf der Station zurück war, und ich dachte nur: Hab ich da was verpasst? Letztendlich erweist es sich jedoch nur als Teil des Verhörs, und macht deutlich, wie sehr es bereits gelungen ist, seinen Sinn für Realität zu brechen. Die Szene selbst ist dabei genial inszeniert, mit den ständig wechselnden Sets – mal der Verhörraum, dann wieder Babylon 5 – sowie den gleichermaßen wechselnden Darstellern – mal Dr. Franklin, dann der Verhörende – und das in ständig wechselnder Konstellation. Hier gelingt es auf bestechende und überzeugende Art und Weise, den Zuschauer in Sheridans Haut zu stecken und durch diese surrealen Momente auch unseren Sinn für Realität durcheinanderzubringen. Das war sehr gut gemacht. Als überaus packend erweist sich dann der Moment, als sich Garibaldi dem Mars-Widerstand stellt. Dass sie ihn einfach so standrechtlich erschießen würde, hatte ich zwar nicht unbedingt erwartet – es wäre auch eine ziemliche Verschwendung an dramaturgischem Potentials gewesen – dennoch war ich schon sehr gespannt, wie er aus dieser Nummer wohl wieder herauskommen würde. Insofern kann er sehr froh sein – bzw. war es natürlich genau genommen sehr praktisch – dass neben dem zu Besonnenheit gemahnenden Dr. Franklin auch Lyta Alexander vor Ort war, die seine Geschichte bestätigen konnte. Die Befreiungsaktion selbst mag mich dann zwar etwas enttäuscht haben, hatte aber durchaus ebenfalls ihre Momente, wobei für mich vor allem der auflockernde Humor hervorstach, der mir nach den letzten recht düsteren Episoden durchaus willkommen war. Wichtig war wohl auch, dass Garibaldi verletzt wird und so für seine – wenn auch unfreiwilligen – Taten auch körperlich ein bisschen Buße tut. Zudem macht es für den Zuschauer deutlich, welchen Preis er für Sheridans Befreiung zu zahlen bereit ist, und hilft somit zusätzlich bei seiner Rehabilitierung.
So wichtig und packend die Handlung auf dem Mars auch war, das Herzstück von "Das Werkzeug der Vergeltung" liegt in den Szenen rund um Ivanova. Zuerst gibt es noch ein paar nette, kurze und teilweise auch romantische Momente zwischen ihr und Marcus, die eine eventuelle zukünftige Romanze andeuten würde, da Ivanova – als sie ihm gegenüber zugibt, zu wissen, was er ihr vor ein paar Wochen gesagt hat, nun zu verstehen – zum ersten Mal andeutet, an ihm ebenfalls Interesse zu haben. Und unmittelbar auf diesen wunderschönen Moment, der den beiden eine potentiell rosige Zukunft bescheinigen würde, kommt die Watsche. Es ist ein durchaus furchteinflößender Moment, als sich rund um die Flotte überall Sprungfenster öffnen und die neuen, mit Schattentechnologie ausgestatteten Erdkreuzer ins System springen. Was nun folgt, ist wohl Ivanovas Sternstunde: Angetrieben von ihrem Zorn ob Sheridans Gefangennahme – von seiner Befreiung weiß sie noch nichts – stürzt sie sich, nach einer der stärksten und denkwürdigsten Monologe der gesamten Serie, der mir auch beim x-ten Ansehen noch eine Gänsehaut beschert, furchtlos ins Gemetzel. Das war schon sehr beeindruckend.
Die nachfolgende Raumschlacht war gewohnt packend inszeniert, wenn ich sie auch nicht zu den allerbesten der Serie zählen würde. Was dann aber natürlich hervorsticht, ist ihr Ausgang: Ohne Rücksicht auf Verluste lässt Ivanova den Weißen Stern weiterfeuern, um das fremde Schiff unbedingt und mit allen Mitteln zu vernichten. Zwar gelingt dies gerade noch so, ehe man mit diesem kollidiert wäre, doch dann trifft ein Trümmerstück genau die Brücke des Weißen Sterns, und hinterlässt ein Bild der Verwüstung. Mein zweiter marginaler Kritikpunkt an "Das Werkzeug der Vergeltung" ist, dass der Schnitt vom kollidierenden Weißen Stern zur völlig zerstörten Brücke etwas gar zu schnell und plötzlich kommt. Aber auch hier gilt wieder: Keine große Sache. Zumal uns diese Wendung zum Ende der Folge hin – nach dem schönen, emotionalen und erfreulichen Wiedersehen zwischen Sheridan und Delenn – noch einmal einen ordentlichen Schlag in die Magengrube beschert. Denn Ivanova ist nicht einfach nur schwer verletzt, sondern liegt vielmehr im Sterben. Die entsprechende Szene ist unheimlich emotional. Neben der stillen Inszenierung des Moments und den phantastischen schauspielerischen Leistung, gerade auch in dieser Szene, verdankt sie dies natürlich einerseits der Tatsache, dass es mit Ivanova einer der absoluten Lieblingsfiguren aus der Serie trifft, die uns zudem seit der ersten Staffel begleitet hat. Und andererseits traut man JMS eine solche Wendung, im Vergleich zu seinen Kollegen bei "Star Trek", eben auch wirklich zu. Weshalb man dem nun anstehenden Endspiel im Krieg gegen die Erde mit mindestens so viel Bestürzung, Furcht und Grauen wie Vorfreude entgegensieht. Fazit:
Je näher wir dem Ende der Staffel kommen, desto deutlich wird, dass JMS doch ein bisschen durch die Handlung hasten musste, um den Erdbürgerkrieg noch in Season 4 zum Abschluss zu führen. Dementsprechend mag das eine oder andere zwar ein bisschen überhastet sein – andererseits sorgt jedoch auch für ein beeindruckendes, ungemein hohes Erzähltempo, und den Eindruck, dass sich die Ereignisse förmlich überschlagen. Dementsprechend unterhaltsam ist das Ganze dann auch. Darüber hinaus kann "Das Werkzeug der Vergeltung" mit einigen dramatischen Momenten – wie Garibaldis Kapitulation – einer packenden Raumschlacht, einem ungemein starken Moment für Susan Ivanova, sowie mit einem unglaublichen Schlag in die Magengrube aufwarten, als diese tödlich verletzt wird. Eben diese Wendung sorgte dann auch für einen ungemein emotionalen Ausklang einer rasanten und abwechslungsreichen Episode.
Wertung: 5 von 5 Punkten
Christian Siegel
Mitreden! Sagt uns eure Meinung zu "Das Werkzeug der Vergeltung" im SpacePub! Vom Skript zur Folge: Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 10" Stimmen zur Episode:
Quelle: "Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 4: No Surrender, No Retreat" Kommentare von JMS
Rückwirkend betrachtet denke ich, dass die Reaktion auf diese Szene die wir alle hatten zu einem Großteil darauf zurückzuführen ist. Das, und dass sich mittlerweile herumgesprochen hatte, dass dies aller Wahrscheinlichkeit nach unsere letzte Staffel war. Sie verabschiedeten sich daher von mehr als nur Ivanova… aber sie bekam quasi ein Symbol für diesen Abschied. Ein Abschied der, am Ende dieser Episode, Sheridan wieder an den Anfang zurückbrachte, zu seinen Anfängen als Captain der Agamemnon, für den letzten Ritt von was wir nun alle glauben wäre die letzte Staffel von Babylon 5. Aber, so wie immer, hatte das Universum noch ein paar Überraschungen für uns auf Lager… Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 10"
Naja, wenn Du Dir nochmal anhörst, was in der Episode gesagt wird: Marcus ruft, dass das Navigationssystem beschädigt wurde und sie versuchten, es zu reparieren, als das große Trümmerstück sie erwischte. Aus diesem Grund konnten sie nicht ausweichen. Sie ist eine latente Telepathin. In etwa P1. Dies wurde schon früher in der Serie erwähnt. Das gibt ihr in vielen Gebieten einen leichten Vorteil. Außerdem bedeutet ein eidetisches Gedächtnis nicht gleichzeitig ein Talent für Sprachen. Ich selbst habe ein etwas eidetisches Gedächtnis. Ich kann mich normalerweise an optische Eindrücke und Dinge, die man zu mir gesagt hat, mit extremer Klarheit erinnern (außer wenn ich zu diesem Zeitpunkt im Convention-Modus bin, da geht das den Bach runter). Aber ich habe ein echtes Problem damit, Sprachen zu lernen, weil es nicht nur Auswendiglernen, sondern auch *Übersetzen* erfordert, eine Fähigkeit oder ein Talent, daß einige haben, und andere wiederum nicht (Spanisch hat sich mir völlig entzogen, aber aus irgendeinem Grund habe ich ein Talent für die deutsche Sprache, obwohl mein Vokabular inzwischen zum Teufel ist). Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5
Zusammengestellt und überarbeitet von Christian Siegel
(Bilder © Warner Bros.)
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