| Der unsichtbare Feind |
Episodennummer: 2x05 Bewertung: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Erstausstrahlung USA: 30.11.1994 Erstausstrahlung D: 28.01.1996 (Pro7) Drehbuch: Scott Frost Regie: Mario DiLeo Hauptdarsteller: Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan, Claudia Christian als Lt. Comdr. Susan Ivanova, Jerry Doyle als Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Andrea Thompson als Talia Winters, Stephen Furst als Vir Cotto, Bill Mumy als Lennier, Robert Rusler als Warren Keffer, Andreas Katsulas als G'Kar, Peter Jurasik als Londo Mollari Gastdarsteller: Dwight Schultz als Amis, Anne-Marie Johnson als Mariah Denkwürdige Zitate: „Not that I know, but I may have missed a staff meeting.“ (Garibaldi auf die Frage von Amis, ob der von ihm angekündigte Weltuntergang gekommen sei.) Kurzinhalt: Babylon 5 empfängt das Signal eines alten Raumschiffs der Erde, dass vor mehr als 100 Jahren gestartet ist. Damals hatten die Menschen noch keine Kenntnis von der Hyperraum-Technologie, weshalb man Raumschiffe mit Menschen in Kryostase ausgeschickt hat. Die Raumschiffe waren dabei so programmiert, dass sie auf jedes Signal reagieren und es ansteuern sollten – nur hatte dabei natürlich nie jemand vermutet, dieses Signal könnte eines Tages von den Menschen selbst stammen. Man bringt das Schiff, die Copernicus, auf die Station, und als man an Bord geht entdeckt man, dass eine der Stasiskapseln offenbar eine Fehlfunktion hatte, doch die zweite ist noch in Betrieb. Die junge Frau, die sich darin befindet, wird aus ihrem eisigen Gefängnis befreit und wiederbelebt. Mariah muss nun nicht nur damit fertig werden, dass ihr Mann während des Fluges ums Leben gekommen ist, sondern auch damit, dass sie mehr als 100 Jahre in der Zukunft gelandet ist. Zudem zeigt die Autopsie der Leiche, dass ihr Mann keinesfalls eines natürlichen Todes gestorben ist – vielmehr wurden ihm sämtliche Organe entnommen. Da Mariah die einzige andere Person an Bord war, ist sie die Hauptverdächtige – nur wie könnte sie so eine Tat begangen haben? In den düsteren Prophezeiungen von Amis, einem Bewohner der unteren Ebene, glaubt Garibaldi darauf die Antwort finden zu können: Dieser berichtet von einem Soldaten der Finsternis, der einst während des Erd-Minbari-Krieges Amis' gesamtes Bataillon vernichtet hat. Amis ist davon überzeugt, dass dieses dunkle und bösartige Geschöpf mit der Copernicus an Bord der Station gelangt ist…
Synchro-Fehler: Review: Es gibt Babylon 5-Folgen, die man erst beim mehrmaligen Sehen wirklich zu schätzen lernt, und dann gibt es jene, die man nur beim ersten Mal so richtig genießen kann, und die bei jeder weiteren Sichtung mehr und mehr abbauen. "Der unsichtbare Feind" gehört für mich ganz klar in die letztere Kategorie. Wenn man die Episode zum ersten Mal sieht, versteht es das im Mittelpunkt stehende Mysterium rund um die Angriffe noch richtig zu packen. Wer ist der Angreifer? Hat ev. doch Mariah etwas damit zu tun? Wie soll es gelingen, diesen mächtigen Feind aufzuhalten? Wenn man des Rätsels Lösung bzw. die Antwort auf diese Fragen aber schon kennt, fallen einem die Schwächen dieser Episode, die man beim ersten Mal eventuell noch übersehen oder zumindest nicht so deutlich als solche erkannt hat, um so stärker auf. Doch zuerst zum Positiven: Die größte Stärke von "Der unsichtbare Feind" ist für mich seine leichte Verknüpfung zum größeren Story-Arc und die gemeinsamen Szenen zwischen Garibaldi und Amis. Seine Schilderung des Angriffs dieses furchterregenden Wesens, wie sich die beiden aufgrund ihrer Infanterie-Erfahrung verbunden fühlen, wie Garibaldi ihm als erster und einziger glauben schenkt… diese beiden Szenen allein verhindern schon, dass ich "Der unsichtbare Feind" zu schlecht bewerten kann, sind sie doch großartig geschrieben und gespielt.
Die Leistungen beider Gastdarsteller reichen je nach Szene von sehr gut bis hin zu ausgezeichnet. Auf den ersten Blick mag der Charakter des Amis für Dwight "Murdock" Schultz wie auf den Leib geschneidert und nicht gerade wie eine große Herausforderung erscheinen, aber es ist ein meilenweiter unterschied zwischen lustig-verrückt und beängstigend-verrückt. Schultz wandelt auf dem schmalen Grad zum Overacting - und stellenweise leider auch darüber hinaus (insbesondere in den Cassandra-Szenen) - aber im Großen und Ganzen gelingt ihm eine sehr überzeugende Performance, wobei ich vor allem die Leistung in den stilleren Szenen mit Garibaldi beachtlich finde. Doch auch Anne-Marie Johnson macht ihre Sache mindestens so gut wie sie aussieht. Das Drehbuch verlangte nach einer wunderschönen Frau, und hin und wieder gibt es ja in Filmen oder Serien so einen Moment wo allen (männlichen) Figuren der Mund offen stehen bleibt so als wäre da grad Venus persönlich in den Raum geschritten, und man ertappt sich dabei den weiblichen Neuankömmling anzusehen und sich zu denken "Wie, DIE soll hübsch sein?". Aber hier wurde wirklich gut gewählt. Anne-Marie Johnson überzeugt aber nicht nur optisch, sondern gibt ihrer Figur genau die richtige Mischung aus geheimnisvoll und verletzlich. Wie Richard Biggs tut sie ihr bestes, um die Romanze zwischen Doktor und Patientin glaubwürdig erscheinen zu lassen – dass es ihr nicht gelingt, liegt in erster Linie am Drehbuch. Womit wir auch schon bei den Schwächen dieser Episode wären, denn besagte Lovestory ist eine der größten Probleme dieser Episode. Grundsätzlich gut gespielt, halte ich ihr Techtelmechtel angesichts der Tatsache, dass die gute Frau aus ihrer Sicht ihrem Mann gerade erst vor wenigen Stunden verloren hat, für völlig unglaubwürdig. Auch wenn man sich mit der Szene im Raumschiff (die nachträglich ins Drehbuch eingefügt wurde) bemüht hat, dieses Verhalten zu erklären und verständlich zu machen, ist es für mich einfach viel zu überhastet und absolut nicht glaubhaft. Besonders schade ist diese Schwäche auch insofern, als dass sie völlig unnötig war. Die Episode hätte nichts verloren – ganz im Gegenteil! – wenn man auf diesen Subplot verzichtet hätte. Die zweite große Schwäche ist für mich der Showdown, wo B5 wirklich einmal unter dem niedrigen Budget leidet. Das war ja eigentlich schon beim ersten Ansehen enttäuschend, und wird für mich vom Mal zu Mal schlimmer. Auch abseits des Budgets und der mageren Effekte ist der Kampf am Ende kein Highlight. Zuerst hat man das Gefühl Sheridan würde versuchen taktisch vorzugehen, und dann läuft es erst recht auf ein "ballert wild drauflos und gebt der Bestie alles was ihr habt" hinaus. In Anlehnung an den Spruch "Never apply a star trek solution to a babylon 5 problem": Das war die Kirk-Lösung.
Fazit: "Der unsichtbare Feind" ist inhaltlich und insbesondere tonal eine sehr ungewöhnliche Babylon 5-Episode. Eben dieser Aspekt, der viele abschrecken wird, ist genau das, was mir gefällt. Die Einflüsse von Alien mögen unübersehbar und die große Inspirationsquelle in keiner Sekunde auch nur ansatzweise erreicht werden, dennoch empfinde ich diese Episode immer wieder als nette Abwechslung mit guten bis tollen schauspielerischen Leistungen und einigen großartigen Einzelszenen. Dass es ihr trotzdem nicht gelingt, sich deutlich über die Durchschnittlichkeit zu erheben, liegt vor allem an der unglaubwürdigen Liebesgeschichte und dem enttäuschenden Showdown. Bewertung: Spannung: 3.5/5 | Action: 2.5/5 | Humor: 2/5 | Dramatik: 2.5/5 | Inhalt: 3.5/5 | Gesamteindruck: 3/5
Christian Siegel
Mitreden! Sagt uns eure Meinung zu "Der unsichtbare Feind" in der SF-Community!Produktionsnotizen: Vom Skript zur Folge: Wenn man bedenkt, dass dieses Drehbuch von einem Babylon 5-Neuling stammt, halten sich die Änderungen erstaunlich in Grenzen - vor allem auch was die Sprache betrifft. Eigentlich würde man sich ja erwarten, dass ein Neuling nicht den richtigen Ton trifft und die Figuren nicht so sprechen wie man das gewohnt ist, aber vieles in dieser Episode das typisch Ivanova (z.B. wie sie auf die Konsole schlägt, um diese zu aktivieren) oder typisch Garibaldi wirkt (wie das Zitat zur Folge), ist hier schon enthalten. Auch so eigenwilliger Babylon 5-Humor wie das Essen, dass mit Hilfe von Tentakeln versucht dem Drazi zu entkommen. Ein paar kleine Änderungen gibt es aber doch:
Garibaldi: "Vertrauen sie ihr?“ Franklin nickt Garibaldi: "Wenn Amis noch am Leben ist, ist sie vielleicht die Einzige die dafür sorgen kann dass es auch so bleibt.“ Franklin: "Sie haben den Captain gehört. Wir warten… lassen es zu uns kommen.“ Garibaldi: "Ja, ich habe ihn gehört.“ Diese Antwort macht klar, dass sich Garibaldi nicht an Sheridans Befehl halten will. Eben darauf geht Sheridan später noch einmal ein, als er Garibaldi zur Rede stellt: "Ich dachte ich hätte ihnen den direkten Befehl gegeben dieses Ding nicht anzugreifen.“ Garibaldi erklärt sein Verhalten daraufhin so: "Nun, das war auch nicht der Plan. Ich wollte nur herausfinden wo es steckt und dann die Kavallerie holen. Aber ich fand es als es gerade Techniker angriff, und musste einfach etwas tun.“ Amis: "Raus hier!“ Garibaldi: "Das kann ich nicht.“ Amis: "Das hier ist mein Kampf!“ Garibaldi: "Ja, und im Moment verlierst du ihn.“ „Quelle: „Babylon 5: Other Voices - Volume 2” Hintergründe zur Episode: „Quelle: „Babylon 5: Other Voices - Volume 2” Das sagen die Schauspieler und der Regisseur: Richard Biggs über die Liebesbeziehung zu Mariah: „Ich wusste nicht so recht wie ich das angehen soll. Ob der Doktor sich zu ihr hingezogen fühlte, oder ob Franklin Schuldgefühle hatte weil er sich zu ihr hingezogen fühlte, oder ob er es bei einer reinen Doktor-Patient Beziehung belassen wollte. Ich war mir auch nicht sicher ob sie sich zu ihm hingezogen gefühlt oder einfach nur um ihren Ehemann getrauert hat. Ich wusste einfach nicht wie das gemeint war, und ich sprach mit Joe und sagte ihm dass ich damit ein Problem hatte, und Joe sagte dass es da eine schmale Grenze gab und er wollte dass sich die Zuschauer fragen ob Franklin's Gefühle drohten, ihm dabei im Weg zu stehen, der Arzt für einen Patienten zu sein. Und das war, was ich zu spielen versuchte.“Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 2: The Coming of Shadows” Kommentare von JMS Ich denke die Episode war vom Autor ziemlich gut geschrieben. Wo sie für mich in sich zusammenfällt ist der Effekt am Ende. Wir hatten etwas deutlich substantielleres und surrealeres geplant als das, was wir dann bekommen haben. Es wäre nett gewesen das zu bekommen was wir uns vorgestellt hatten, weil so hast du diesen großen Aufbau und die Auflösung ist nicht das was sie hätte sein können.Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 2: The Coming of Shadows”
Zusammengestellt von Christian Siegel
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