| Verloren in der Zeit |
Episodennummer: 1x20 Bewertung: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Erstausstrahlung USA: 10.08.1994 Erstausstrahlung D: 03.12.1995 (Pro7) Drehbuch: J. Michael Straczinsky Regie: Jim Johnston Hauptdarsteller: Michael O'Hare als Cmdr. Jeffrey Sinclair, Claudia Christian als Lt. Comdr. S. Ivanova, Jerry Doyle als Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Andrea Thompson als Talia Winters, Stephen Furst als Vir Cotto, Bill Mumy als Lennier, Andreas Katsulas als G'Kar, Peter Jurasik als Londo Mollari Gastdarsteller: Ken Broadhurst als Major Krantz, Tim Choate als Zathras, Denise Gentile als Lise Hampton Denkwürdige Zitate: „I tried to warn them. But it all happened...just the way I remember it.“ (Wieder einmal werfen düstere Ereignisse ihre Schatten voraus.) Kurzinhalt: So plötzlich wie sie verschwand, taucht Babylon 4 auf einmal wieder auf. Doch die Rückkehr bringt einige Fragen mit sich: Der Pilot, der die Station entdeckt hat, ist auf dem Rückweg nach Babylon 5 an Altersschwäche gestorben. Major Krantz, der die Leitung über Babylon 4 hat, behauptet, die Station soeben erst in Betrieb genommen zu haben. Garibaldi und Sinclair fliegen los, um das Geheimnis zu lüften. An Bord von Babylon 4 erfahren sie schließlich unglaubliches: Die Station ist verloren in der Zeit. Immer wieder erleben ihre Besatzungsmitglieder Sprünge in die Zukunft oder in die Vergangenheit, so wie auch die gesamte Station einige Jahre in die Zukunft gesprungen ist. Ein mysteriöses Alien, dass auf der Station aufgegriffen wurde, könnte Licht in die seltsamen Vorkommnisse bringen. Zathras, so nennt sich das Wesen, behauptet, dass Babylon 4 in einem großen Krieg gebraucht wird, um den Sieg gegen dunkle Mächte zu erringen. Daher soll die Station quasi entführt und durch die Zeit transportiert werden. Sinclair und Garibaldi bleibt nicht lange Zeit, darüber nachzudenken ob sie ihm glauben schenken wollen: Die Station wird in kürze wieder durch die Zeit reisen, weshalb sie alles daran setzen die Besatzung rechtzeitig zu evakuieren. Doch wer ist der Mann im blauen Raumanzug, der immer wieder erscheint?
Synchro-Fehler: Grundsätzlich ist festzuhalten, dass man bei "Verloren in der Zeit" einen deutlichen Qualitätssprung entdeckt. Fast wirkt es so, als hätten die Verantwortlichen hier endlich begriffen, dass das keine dieser trashigen SF-Kinderserien ist, sondern eine, die sich an Erwachsene richtet. Schon allein die Sprache, die in dieser Folge gesprochen wird, ist deutlich gehobener als bei den Synchronisationen davor. Und: Die Übersetzung ist auch exakter und nimmt sich weniger Freiheiten. Generell merkt man, dass man sich gerade auch bei dieser Folge besonders viel Mühe gegeben hat - mit einer riesigen Ausnahme. Denn in "Verloren in der Zeit" gibt es wohl den größten und schwerwiegendsten Synchrofehler der gesamten Serie: Dass die Frau, die neben Sinclair steht und ihm den Arm auf die Schultern legt, Delenn ist, geht in der Synchro aufgrund dieser völlig fremden Stimme verloren. Ich weiß ja nicht, vielleicht haben die Verantwortlichen zu wenig Informationen bekommen, und ihn ihrem Dialogbuch stand nicht, dass es sich um Delenn handelt, aber das ist halt wirklich ein mehr als nur ärgerlicher Fehler... Davon abgesehen sind mir noch die folgenden Dinge aufgefallen: Review:
"Verloren in der Zeit" ist ganz klar eines der Highlights der ersten Staffel. Einfach herrlich, wie hier ein Mysterium aufgebaut wird - jedoch ohne es auch gleich aufzulösen. Als ich die Folge das erste mal sah, war ich einfach nur hin und weg, wenn man sie jedoch öfters sieht – und schon die ganze Serie kennt – fallen einem halt im direkten Vergleich doch der Mangel an Dramatik und insbesondere Tempo auf. Trotz der bevorstehenden Reise durch die Zeit gelingt es nicht wirklich, ein Gefühl der Dringlichkeit aufzubauen und so richtig Spannung zu erzeugen. Was jedoch nicht heißen soll, "Verloren in der Zeit" wäre langweilig, ganz im Gegenteil. Bereits im Pilotfilm wurde das erste Mal darauf hingewiesen, dass Babylon 4 auf unerklärliche Weise verschwunden ist – etwas, worauf auch innerhalb der ersten Staffel mehrmals bezug genommen wurde. Nachdem man sich in "Gefangen im Cybernetz" Sinclairs Erinnerungslücke während der letzten Schlacht des Erd-Minbari-Krieges zugewandt hat, ist hier also nun die zweite große Frage aus dem Pilotfilm dran. Und wie schon bei der Folge zuvor werden auch in "Verloren in der Zeit" zwar einige der offenen Fragen beantwortet – jedoch nur um im gleichen Atemzug auch gleich wieder neue, nicht minder interessante Fragen aufzuwerfen.
Dass trotzdem kein Frust entsteht, sondern man ganz im Gegenteil schon wieder der Auflösung dieser Episode entgegenfiebert, ist eine ihrer größten Stärken. Denn im Vergleich zu "Akte X" ist es nicht so, dass man ständig vertröstet wird und nie etwas neues erfährt. Tatsächlich beantwortet "Verloren in der Zeit" mindestens genau so viele Fragen, wie sie aufwirft. So erfahren wir, was mit Babylon 4 passiert ist – und die Antwort ist sehr interessant und zugleich aber auch mysteriös. Im großen und ganzen kann man sagen: Die Episode erklärt das "Was?", lässt jedoch die genaueren Hintergründe und insbesondere das "Warum?" offen. Auch weitere interessante Fragen werden aufgeworfen, insbesondere was Sinclairs Blick in die Zukunft betrifft: Gegen wen kämpft die Station? Wird es Garibaldi noch gelingen, zu entkommen? Und steht dieser Angriff im unmittelbaren Zusammenhang mit Lady Adira's "Vision des Schreckens"? Auch der unbekannte Außerirdische mit dem Namen Zathras trägt mit seiner schrägen Art sehr zum Gelingen der Folge bei. Durch ihn erfahren wir dann auch, was das ganze eigentlich soll, und dass Babylon 4 für einen großen Krieg gegen finstere Mächte gebraucht wird. Eine Mission, die ihm so wichtig ist, dass er dafür sogar sein eigenes Leben geben würde. Kurz vor dem Ende erlebt dann auch Garibaldi noch einen Zeitsprung. Wie man hier den Bogen zur vorangegangenen Episode spannt, in dem man uns seine Trennung von Lise zeigt, ist wirklich geschickt und clever gemacht. Der absolute Hammer ist dann aber natürlich das Ende, als man uns offenbart wer im blauen Raumanzug steckt. Es mag einige geben, die es zu diesem Zeitpunkt bereits vermutet hatten, aber als ich die Episode zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich nicht einmal den geringsten Verdacht in diese Richtung – weshalb es mich richtiggehend aus den Latschen gehauen hat, als der mysteriöse Eine dann plötzlich seinen Helm abnimmt und sich als Sinclair zu erkennen gibt. Höchst ärgerlich allerdings der wohl größte Synchrofehler der gesamten Serie, den ich, obwohl oben bereits erwähnt, auch hier noch einmal hervorheben muss. Denn in der deutschen Fassung fragt man sich unwillkürlich, was das wohl für seine Frau an Sinclairs Seite ist, während man im O-Ton Delenn ganz klar erkennen kann. Ein Fehler, dessen Schaden über reine Peinlichkeit oder Sinnentstellung hinausgeht, sondern diese Wendung zu einem gewissen Teil ruiniert. Was jedoch – Gott sei Dank – auch in der deutschen Synchronisation nicht an Wirkung verliert, ist Sinclairs Aussage, dass er die "alte" Crew von Babylon 5 vor bevorstehenden Ereignissen warnen wollte. Hier wird (gemeinsam mit der düsteren Vorausblende) wieder einmal Spannung für mögliche düstere Entwicklungen in der Zukunft aufgebaut.
In der B-Handlung erscheint Delenn nach langer Zeit wieder einmal im grauen Rat. Im Vergleich zur spannenden und sehr interessanten Hauptstory kann diese Geschichte natürlich deutlich weniger begeistern, nichtsdestotrotz sind die Einblicke die uns hier in die Kultur der Minbari gewährt werden – vor allem natürlich bei der ersten Sichtung – durchaus interessant. Dies gilt insbesondere für Delenns Entscheidung, die deutlich macht, dass sie ihre Arbeit auf der Station noch lange nicht als erfüllt ansieht – was wieder einmal die Frage aufwirft: Was genau ist denn eigentlich ihre Aufgabe auf Babylon 5? Trotz dieser interessanten Aspekte hält sich die B-Handlung aber insgesamt betrachtet doch eher im Hintergrund, und macht der mysteriösen Geschichte rund um Babylon 4 Platz. Trotz aller Ereignisse, offenen Fragen und interessanten Mysterien bleibt JMS aber auch hier wieder genug Zeit für kleine Details, die die Figuren irgendwie lebendiger und realer machen, wie das Gespräch zwischen Sinclair und Garibaldi im Shuttle. Ja, es ist völlig belanglos (und leider nicht allzu gelungen übersetzt), aber es sind genau solche Kleinigkeiten (wie auch Garibald's Vorliebe für Duck Dogders oder Londo's Verwunderung über den "Hokey Pokey", die "Babylon 5" und vor allem auch die Figuren für mich irgendwie echter machen. Zum Abschluss aber noch ein kleiner Kritikpunkt: Der Angriff auf Garibaldi und Sinclair kurz nach ihrer Ankunft auf der Station wirkt sehr unnötig und wie der verkrampfte Versuch, die 42 Minuten voll zu bekommen und auch noch ein bisschen Action reinzubringen. Das hätte man sich aus meiner Sicht sparen sollen... Fazit: "Verloren in der Zeit" ist eine sehr mysteriöse und unheimlich faszinierende Folge, die es einerseits versteht, einige der bisher aufgeworfenen Fragen über das Schicksal von Babylon 4 zu beantworten, und dabei gleich wieder zahlreiche neue zu stellen – und das ganz, ohne dass beim Zuschauer Frust entstehen würde. Und dennoch wird es wohl wenige geben, die nach dieser Episode nicht schon die Auflösung sehnlichst erwarten... Wertung: 4.5 von 5 Punkten Christian Siegel
Produktionsnotizen: Vom Skript zur Folge: Wie für Drehbücher von JMS eigentlich üblich, halten sich die Unterschiede sehr in Grenzen. Bevor Sinclair die Piloten unterweist gibt es im Drehbuch noch einen kurzen Dialog mit Garibaldi, in dem dieser darauf besteht mit dem Commander mitzukommen. Nachdem sie mit Zathras gesprochen haben reden Sinclair und Major Krantz kurz über die Quelle des Zeitsprungs. Krantz weist dabei darauf hin, dass was immer die Zeitverschiebung verursacht nicht auf der Station ist, sondern von außen kommt. Und ganz am Ende weist Delenn ihr Shuttle an, wo es sie hinbringen soll: "Nach Hause. Das einzige zu Hause dass ich jetzt noch habe. Babylon 5."
„Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 2” Hintergründe zur Produktion der Episode: Der Raumanzug, den Sinclair trägt, mag einigen SF-Kennern bekannt vorkommen: Dieser fand bereits in 2001 bzw. 2010 Verwendung. Hier handelt es sich allerdings um keine absichtliche Anspielung, sondern vielmehr um Notwendigkeit: Man brauchte einen Raumanzug, und dieses Überbleibsel von den Dreharbeiten zu "2010 – das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen" war das beste, was man finden konnte. Man schraubte zwar noch daran herum und versuchte ihn zu verändern, trotzdem ist die Herkunft des Anzugs noch recht offensichtlich. JMS mag darüber nicht allzu glücklich gewesen sein, aber ich muss gestehen... den Raumanzug aus einem höchst mysteriösen Film in einer mysteriösen Episode einzusetzen, hat dieses Gefühl für mich unbewusst sogar noch einmal verstärkt und hat somit aus meiner Sicht perfekt funktioniert – auch wenn es nur eine Notlösung gewesen sein mag.„Quellen: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 2” „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 3” Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5 Verpatzte Szenen: Ausnahmsweise mal eine verpatzte Szene, die sogar in der ursprünglichen Ausstrahlung der Episode zu sehen war: Einer der Effektkünstler leistete sich während er darauf gewartet hat dass eine andere Szene fertig gerendert wird einen kleinen Spaß, und verpasste Garibaldi in einem einzigen Bild der Vorausblende leuchtend weiße Augen. Dieses hat er dann unabsichtlich auch gespeichert, und der Fehler wurde erst nach der Erstausstrahlung im amerikanischen Fernsehen entdeckt. Ein Bild dieser Szene findet ihr hier.
Das sagen die Schauspieler: Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents” Kommentare von JMS Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents” „Bei "Verloren in der Zeit" gab es keine Frage dass auf der anderen Seite der Geschichte etwas wichtiges passieren würde, mit einem Sinclair aus der Zukunft, der zurückkommt um Babylon 4 für eine noch nicht näher erläuterte Mission zu stehlen. Deshalb fragten Warner Bros. – durchaus verständlich – wie lange es dauern würde bis wir die andere Seite dieser Geschichte sehen und die aufgeworfenen Fragen beantworten würden. Sie vermuteten dass die Lücke nur ein paar Episoden betragen würde und wir die Antworten spätestens zum Staffelfinale erfahren würden. Nachdem ich in meinen Aufzeichnungen nachgesehen hatte, antwortete ich mit "Ungefähr vier Jahre."Sie taten so als hätten sie das nicht gehört. Ich tat so als hätte ich das nie gesagt. Und wir machten weiter... “ Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 2“ Niemand hat das bemerkt, bis es schon gesendet wurde. Wir haben miteinander gesprochen. “ Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5
Zusammengestellt von Christian Siegel
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