| Der Gral |
Episodennummer: 1x15 Bewertung: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Erstausstrahlung USA: 06.07.1994 Erstausstrahlung D: 12.12.1995 (Pro7) Drehbuch: Christy Marx Regie: Richard Compton Hauptdarsteller: Michael O'Hare als Cmdr. Jeffrey Sinclair, Claudia Christian als Lt. Comdr. S. Ivanova, Jerry Doyle als Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Andrea Thompson als Talia Winters, Stephen Furst als Vir Cotto, Bill Mumy als Lennier, Andreas Katsulas als G'Kar, Peter Jurasik als Londo Mollari Gastdarsteller: David Warner als Aldous Gajic, Tom Booker als Jinxo, William Sanderson als Deuce Denkwürdige Zitate: Ivanova: „You never did tell me what you thought about that curse.“ Sinclair: „What curse?“ Garibaldi: „You know, that bit about if he leaves Babylon 5, the same thing that did happen to Babylons 1, 2, 3 and 4 would happen us?“ Sinclair: „Oh, that curse. You're not taking it seriously, are you?“ Garibaldi: „Me? No, of course not. You?“ Sinclair: „Nah.“ Garibaldi: „So, how long until he hit's jump?“ Ivanova: „Oh. Right about… now!“ (Gespanntes warten…) Garibaldi (vorsichtig): „No boom?“ Sinclair (erleichtert): „No boom.“ Ivanova: „No boom today. Boom tomorrow. There's always a boom tomorrow. “ (Garibaldi und Sinclair verlassen kopfschüttelnd die Kommandozentrale.) Ivanova: „What? Look, somebody's gotta have some damn perspective around here. Boom. Sooner or later: Boom!“ Kurzinhalt: Ein Mann namens Aldous Gajic kommt auf die Station, um nach dem heiligen Gral zu suchen. Während Sinclair und Garibaldi ihn für einen Spinner halten, verehren ihn die Minbari als Suchenden, und bieten ihm ihre volle Unterstützung an. Währenddessen erhält Jinxo, der in den unteren Ebenen von Babylon 5 lebt, unerwünschten Besuch vom Unterweltboss Deuce, der ihm eine letzte Zahlungsfrist für seine Schulden gibt. In seiner Verzweiflung beginnt Jinxo, relativ ungeschickt Geld von Touristen zu stehlen – u.a. auch von Aldous Gajic. Doch dieser setzt sich vor Gericht sogar für ihn ein und bietet ihm an, ihn unter seine Fittiche zu nehmen. Er erkennt in Jinxo eine gepeinigte Seele, und hofft, ihm helfen zu können. Langsam beginnt sich Jinxo ihm zu öffnen, und erklärt ihm, warum er die Station nicht verlassen will. Auch Aldous offenbart Jinxo den Grund für seine Suche nach dem Gral. Doch über der sich langsam entwickelnden Freundschaft zwischen den beiden schwebt ein bedrohlicher Schatten – denn zahlt Jinxo seine Schulden nicht rechtzeitig, will Deuce ihn einem Monster zum Fraß vorwerfen: Botschafter Kosh!
Erwähnenswerte Synchro-Fehler: Der beim Zitat angeführte Dialog ist wirklich witzig, und einer der besten der ersten Staffel. Zumindest im englischen Original, denn in der Synchro ist dank intensiver Humorkastration nicht mehr viel davon übrig geblieben: Garibaldi: „Und nun?“ Sinclair: „Wir leben noch.“ Ivanova: „Heute ist nichts passiert. Vielleicht morgen. Es kann immer irgend etwas passieren. ... Was ist denn? Wenigstens einer von uns muss sich doch Sorgen machen. Plötzlich passiert es, und das war's dann: Bumm!“ Review: "Der Gral" ist eine etwas durchwachsene Angelegenheit. Es gibt gute Elemente, aber leider auch Dinge, die wenig bis gar nicht gelungen sind. Eine der Stärken der Episode ist David Warner als Gralsuchender Aldous Gajic. Allein mit seiner Anwesenheit wertet er die Folge auf, und verleiht diesem Charakter, der unter wenigen fähigen Händen schnell zu einer Witzfigur hätte werden können, Gewicht und Würde. Besonders gut ist seine Performance in jener Szene als er Jinxo erklärt warum er sich auf die Gralssuche begeben hat. Andere Schauspieler hätten hier vielleicht übertrieben, doch er spielt es sehr still und zurückgenommen, und schafft es dabei doch, die Emotion der Szene zu vermitteln. Ebenfalls gut gefallen hat mir Jinxo – wobei ich in diesem Fall weniger den Schauspieler meine als die Figur an sich. Nicht, dass die Leistung von Tom Booker schlecht wäre, und er zieht "Der Gral" auch keinesfalls runter, aber im Gegensatz zu Aldous Gajic, wo David Warner meines Erachtens alles aus der Rolle herausgeholt hat was rauszuholen war, hätte ein besserer Schauspieler mit dieser Figur sicher um einiges mehr machen können. Was mir bei Jinxo aka Thomas allerdings gefällt, ist die Idee hinter der Figur: Ein Mann, der bei der Konstruktion aller fünf Babylon-Stationen dabei war, doch immer genau dann als er sie verlassen hat passierte etwas schlimmes – entweder sie explodierten oder verschwanden. Deshalb bleibt Thomas auf der Station, selbst wenn es ihm nicht gelingt dort ein neues Leben aufzubauen und er es anderswo besser haben könnte. Und sogar als er von Deuce mit dem Leben bedroht wird, denkt er gar nicht daran, Babylon 5 den Rücken zu kehren um seine eigene Haut zu retten. Lieber bleibt er an Bord und lässt sich umbringen, als dass der Station erneut etwas zustößt. Aldous hat schon völlig recht, wenn er ihn als Helden bezeichnet – und auch die Art und Weise, wie dieser feststellt dass er nicht von einem Fluch befallen ist, sondern es im Gegenteil ein Segen und großes Glück war, diesen Katastrophen entkommen zu sein, ist gelungen. Generell gehören bestimmte Einzelszenen zu den großen Stärken von "Der Gral" – die meisten davon humorvoll. Die Gerichtsverhandlung, in der ein Mensch ein Alien verklagt, weil dessen Vorfahren seinen Urgroßvater entführt haben (und das Alien zur Verständigung ein den Kornkreisen sehr ähnliches Zeichen hochhält), Londo's Furcht vor dem Fresser und wie er sich in seinem Quartier davor verschanzt, und insbesondere natürlich der geniale Dialog am Ende (siehe Zitat zur Folge).
Leider vermag mich das Gesamtpaket nicht einmal ansatzweise ähnlich zu überzeugen wie diese kurzen, gelungenen Momente zwischendurch. Deuce soll dieser große Unterweltboss sein, er wirkt aber wie ein unter Größenwahn leidender Kleinkrimineller, ein Al Capone für Arme. Normalerweise sehe ich William Sanderson ("Blade Runner", "Deadwood") ja wirklich gerne, aber in dieser Rolle hat er mich nicht überzeugt – wobei es mir schwer fällt zu beurteilen, ob das nun an seiner Leistung oder am Drehbuch lag. Das Schlimmste an seiner Figur war jedoch die Wendung, den Richter zu entführen – das ist doch mit Verlaub völlig bescheuert. Es gab keine Zeugen, die Verhandlung wurde vertagt, warum sollte er sich also selbst in Gefahr bringen und möglicherweise neues belastendes Beweismaterial schaffen in dem er den Richter angreift? Auch die ganze Geschichte mit dem angeblichen Kosh... schon beim ersten Mal als ich die Folge gesehen habe bin ich darauf nicht hereingefallen. Und Aldous Tod... die Sterbeszene ist von David Warner ja wirklich gut gespielt, und irgendwie musste es ja so kommen (weshalb es leider auch nicht wirklich überraschend war), aber ersten fand ich den Moment leider nicht im geringsten berührend (hier hat Christopher Franke meines Erachtens mal nicht den richtigen Ton getroffen), und vor allem erschien es mir völlig unlogisch. Ich meine, er wurde gerade mal in der Schulter getroffen! Dass er davon gleich stirbt, wirkt auf mich wenig überzeugend. Ein weiterer großer Schwachpunkt ist der Nakaleen-Fresser. Irgendwie kann ich es ja lobend anerkennen, dass man sich an die Schaffung der ersten CGI-Kreatur fürs Fernsehen gewagt hat – ein nobles Unterfangen, mit dem man aber meines Erachtens leider gescheitert ist. Sicherlich, um zu erkennen, wo die Grenzen liegen muss man diese erst ausloten und teilweise auch überschreiten – bei diesem Effekt hat man sich meines Erachtens jedenfalls definitiv übernommen. Er sah und sieht nicht realistisch aus, und vor allem die Bewegungen wirken auf mich sehr unnatürlich. Das reißt mich jedes Mal aufs neue aus der Illusion heraus. Die letzte große Schwäche ist die Inszenierung der Episode. Es war – Gott sei Dank – Richard Comptons letzte Arbeit für die Serie, und so wie all seine anderen Folgen fehlt es an Tempo, Spannung und vor allem Dramatik. Er hat nicht das geringste Gefühl dafür, Stimmung aufzubauen. Insofern kann man nur dankbar sein, dass nach ihm einige deutlich talentiertere Personen (allen voran Janet Greek und Mike Vejar) auf dem Regiestuhl Platz genommen haben.
Fazit: Es ist nicht so, dass "Der Gral" nicht seine Stärken hätte: Mir gefällt die Grundidee der Gralssuche, David Warner würde die Folge selbst dann noch aufwerten wenn er eine Leiche spielen würde, und Jinxo ist eine der interessantesten Gastfiguren (= 1 Auftritt), die für Babylon 5 jemals geschaffen wurden. In erster Linie sind es aber die witzigen Momente zwischendurch, die "Der Gral" noch halbwegs zu retten vermögen. Schade, dass der Rest dazwischen so schwach ausgefallen ist, dass selbst die Stärken für mich keinen ausreichenden Grund darstellen, mir die Folge wieder einmal ansehen zu müssen... Wertung: 2 von 5 Punkten Christian Siegel
Produktionsnotizen: Vom Skript zur Folge: Es gibt ein paar interessante Momente im Drehbuch, die es nicht in die fertige Episode geschafft haben. So sagt Aldous Gajic in einer Szene zu Garibaldi: „Als ich noch sehr jung war, dachte ich ich wüsste alles. Je älter ich wurde, desto unsicherer wurde ich mir darüber, was ich weiß. Jetzt bin ich so alt, dass ich mir nicht sicher bin ob ich überhaupt etwas weiß.“ Darüber hinaus gibt es noch eine Szene, in der Garibaldi sich einen Spaß auf G'Kars Kosten erlaubt, als er ihm von den Kräften des Grals vorschwärmt, und dann beiläufig erwähnt, dass er glaubt dass Londo gerade dabei ist mit Aldous einen Deal abzuschließen. Auch das Ende gestaltet sich anders: Aldous stellt sich hier dem Fresser nicht gegenüber, stattdessen wird dieser durch einen Schuss auf den Druckanzug, der eigentlich Aldous gegolten hätte, befreit. Garibaldi schießt später Deuce nieder, und Sinclair wird in letzter Sekunde durch Kosh vor dem Fresser gerettet, der sein Eingreifen mit den Worten „Bestimmte Dinge erlauben wir nicht“ erklärt. Interessanter als jene Momente die in der fertigen Episode nicht enthalten waren sind aber jene Szenen, die man zwar in der Folge gesehen hat, die hier in Christy Marx' Erstentwurf jedoch noch fehlen: Die witzige Gerichtsszene, Aldous Erläuterung warum er nach dem Gral sucht, die witzige Szene zwischen Garibaldi und Londo am Ende der Folge, und insbesondere der geniale Dialog in der Kommandozentrale zwischen Sinclair, Garibaldi und Ivanova, als das Raumschiff mit Jinxo an Bord gerade die Station verlässt. Wäre man gemein könnte man sagen: Alle wirklich guten Momente aus der Folge fehlen hier noch, und wurden erst von JMS hinzugefügt...
„Quelle: „Babylon 5 Scripts: Other Voices - Volume 1” Hintergründe zur Produktion der Episode: „Quellen: „Babylon 5 Scripts: Other Voices - Volume 1” „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents” Das sagen die Schauspieler und die Drehbuchautorin: John C. Flinn III über seinen ersten und einzigen Auftritt in der Serie: „Es war so witzig. Ich las das Drehbuch und auf einmal stand da "Mr. Flinn", und ich dachte mir "Das ist ja lustig, Joe hat es sogar richtig buchstabiert! Ich ging also in sein Büro und fragte "Joe, wer spielt eigentlich diesen Flinn-Typen?" und er sagte "Du." Ich antwortete darauf "Joe, nein. Ich hab hier zwei Seiten Dialog! Es ist zwanzig Jahre her dass ich geschauspielert habe. Vielleicht sollte ich besser vorsprechen..." und er sagte nur "Lern deinen Text." Ich steckte fest da sich die Sache da schon herumgesprochen hatte und jeder wusste, dass ich es tun würde. Ich kam da nicht mehr heraus, keine Chance. Er hatte mich ausgewählt, und jetzt musste ich es machen. Also tat ich es, und die Crew war so großartig zu mir. Sie hatten einen Stuhl mit Kaffee und Doughnuts und diesem ganzen Zeug – sie haben nichts ausgelassen! Ich muss gestehen, ich war ein bisschen nervös weil ich so lange nicht mehr geschauspielert hatte. Es hat Spaß gemacht, aber ich war auch sehr froh als ich es hinter mir hatte.“ Christy Marx über die Probleme bei den Dreharbeiten: „Es gibt wundervolle Erinnerungen wie die Gespräche mit David Warner, aber leider werden diese vom Ärger überschattet. Die Produktionsfirma hatte entschieden, Richard Compton zu feuern, aber sie gaben ihm noch meine Episode zum Drehen bevor er sich verabschiedete. Compton war verständlicherweise sauer. Anstatt irgendwelche Anweisungen zu erteilen, verbrachte er seine Zeit auf dem Set damit, vor Wut kochend im Sessel zu sitzen. Die Schauspieler und auch alle anderen waren ziemlich auf sich allein gestellt, und das merkt man. Der kleine Teil an Regieanweisungen die es gab waren zum größten Teil auf den Kameramann John Flinn zurückzuführen, der versucht hat die Lücke zu füllen. Es war keine angenehme Situation, und die Qualität der Episode hat darunter enorm gelitten. “Quellen: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents” „Babylon 5 Scripts: Other Voices - Volume 1” Kommentare von JMS Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents” Ich lache immer noch. Der schwierigste Teil ist immer, Kosh zu schreiben, weil man sehr vorsichtig sein muß, wie oft man ihn einsetzt und was er sagt. Zu viel und er verliert seine Mystik und man will nicht, daß er Glückskeks-Weisheiten herunterrasselt. Er hat eine sehr bedachte Art zu sprechen, in der alles, jede noch so kleine Nuance und Modulation etwas bedeutet, aber manchmal nicht das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Oder es kommt von einem völlig anderen Standpunkt als ein normales Gespräch. Also bleibe ich so minimalistisch wie nur möglich und versuche den Inhalt in so wenigen Worten wie nur möglich unterzubringen. Und in einer Szene, einer von nur zweien in denen er vorkommt, hab ich ihn auf ein Wort reduziert. Und dieses eine Wort - und es ist an sich ein völlig neutrales, harmloses Wort - sollte jeden zu Tode erschrecken. Ich liebe diese Show... Wir sind ein kranker Haufen, aber wir sind lustig. Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5 Zusammengestellt von Christian Siegel
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