| Angriff auf G´Kar |
Episodennummer: 1x05 Bewertung: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Erstausstrahlung USA: 23.02.1994 Erstausstrahlung D: 03.09.1995 (Pro7) Drehbuch: J. Michael Straczynski Regie: Jim Johnston Hauptdarsteller: Michael O'Hare als Cmdr. Jeffrey Sinclair, Claudia Christian als Lt. Comdr. S. Ivanova, Jerry Doyle als Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Andrea Thompson als Talia Winters, Stephen Furst als Vir Cotto, Bill Mumy als Lennier, Andreas Katsulas als G'Kar, Peter Jurasik als Londo Mollari Gastdarsteller: Julie Caitlin-Brown als Na'Toth, Julia Nickson als Catherine Sakai, Thomas Kopache als Tu'Pari Denkwürdige Zitate: „But in purple, I'm STUNNING.“ Dieser Gag, der zu den bekanntesten und beliebtesten der gesamten Serie gehört, wurde mit "Aber wenn ich erst mal richtig in Stimmung komme, bin ich umwerfend!" sogar halbwegs erfolgreich ins Deutsche gerettet. Der nachfolgende Dialog zwischen Vir und Garibaldi ist allerdings auch nicht zu verachten: „Ah, he has become one with his inner self“ „He passed out!“ „That too...“ Na'Toth auf die Frage, wie die Todesblume in G'Kars Bett gelangen konnte: „Ambassador, it's not my place to speculate how ANYTHING get's into your bed“ Kurzinhalt: G'Kar ist gerade dabei, sich ein köstliches Abendessen vorzubereiten, da wird er von der Türklingel rüde unterbrochen. Ein Kurier bittet um Einlass, da er eine wichtige Mitteilung von der Heimatwelt überbringt: Du'Rog, ein alter Feind von G'Kar, ist gestorben - in seiner letzten Videobotschaft schwört er seinem Erzfeind allerdings bittere Rache dafür, dass er ihn einst um seinen Platz im Rat der Narn gebracht hat. Binnen 48 Stunden, so versichert Du'Rog ihm, wird auch G'Kar sein Leben verlieren. Nach diesen nicht gerade rosigen Aussichten ist G'Kar vorerst sein Appetit vergangen. Ihm ist bewusst, dass der Attentäter jederzeit auf ihn lauern könnte. Um so skeptischer ist er, als sich Na'Toth als seine neue Assistentin vorstellt. Doch als sich schließlich der wahre Attentäter offenbart, ist sie seine einzige Chance auf Rettung. In der Zwischenzeit trifft Catherine Sakai auf der Station ein, eine Ex-Freundin von Commander Sinclair. Anfangs versucht er, ihr aus dem Weg zu gehen, doch schließlich sucht er sie auf, und man beschließt, gemeinsam Abendessen zu gehen. Schließlich finden die beiden trotz ihrer Unsicherheit und Skepsis wieder zueinander. Und als wäre all das nicht schon genug, sorgen auch noch einige religiöse Zeremonien für Aufregung auf der Station: Jede auf Babylon 5 vertretene Zivilisation ist aufgefordert, ein Ritual ihrer dominierenden Glaubensrichtung zu präsentieren. Nach der pompösen Feier der Centauri und der erhabenen Zeremonie der Minbari versucht Sinclair verzweifelt, einen ähnlich beeindruckenden Weg zu finden, um die Religionen der Menschen vorzustellen... Erwähnenswerte Synchro-Fehler: Diesmal ausnahmsweise nichts weltbewegendes - allerdings frage ich mich, warum man den Attentäter am Ende der Folge unbedingt bis in die Andromeda-Galaxie schicken musste; oder warum die Xon in der deutschen Synchro nur aus dem gleichen Sonnensystem, nicht aber vom gleichen Planeten wie die Centauri stammen. Zugegeben, das sind Kleinigkeiten - aber ärgerlich ist so etwas schon, wenn das Synchronstudio hier unbedingt meint, willkürlich Änderungen vornehmen zu müssen... Review:
Trotz der Morddrohung gegen G'Kar dominiert bei dieser Folge eindeutig wieder der Humor. Es gibt viele witzige Momente, z.B. wie G'Kar neben der Todesblume erwacht oder als Garibaldi das Höschen entdeckt. Auch die Spannungen mit Na'Toth tragen dank einiger amüsanter Dialoge einiges zum Humor der Folge bei. Die witzigste Szene ist aber ohne jeden Zweifel die pompöse Zeremonie der Centauri. Das Setting allein lädt ja schon zum Schmunzeln ein, aber dann auch noch die gelassene Stimmung, die Witze über die Xon und der entfesselte Londo, der völlig betrunken auf den Tisch krabbelt - einfach nur köstlich. Zusätzlichen Unterhaltungswert erhält diese Szene durch die unterschiedlichen Reaktionen der Anwesenden, die immer perfekt zur jeweiligen Figur passen. Während sich z.B. Ivanova nicht mehr einkriegt vor Lachen (achtet man genau auf sie, wenn Londo schließlich ohnmächtig zusammenbricht - einfach nur köstlich!), zeigt sich Delenn eher schockiert und verständnislos über die Exzesse der Centauri. Doch auch nach dieser Zeremonie gibt es noch einige amüsante Szenen, z.B. wie G'Kar und Na'Toth den Attentäter verabschieden - mit den gleichen Worten die er zuvor gebraucht hat, als er G'Kar gefoltert hat: "You will know fear, you will know pain, and then you will die." Hier wird thematisch wieder etwas aufgegriffen, das G'Kar in der 1. Folge zu Londo gesagt hat: "The wheel turns, doesn't it?". Auch bei der eher ernsten Zeremonie der Minbari gibt es durchaus einige amüsante Momente - z.B. wie sie alle mit ihren Früchten umgehen, und natürlich, das Delenn gerade bei G'Kar sagt "This is your death". Interessant auch die Hintergründe der Wiederbelebungszeremonie: man darf annehmen dass hier nur kurz angedeuteten Hochzeitszeremonie mehr Bedeutung zugekommen wäre, wenn Sinclair der Commander von Babylon 5 geblieben wäre. Dass es auch bei der Produktion dieser Folge recht amüsant zuging, zeigen die zahlreichen, teilweise zum Schreien komischen "verpatzten" Szenen, die für diese Folge existieren (einige davon findet ihr weiter unten in den Produktionsnotizen). Es ist vermutlich dieser Spaß, den die Schauspieler bei den Dreharbeiten hatten, der sich im Endeffekt auch auf die Zuschauer überträgt. Die B-Handlung beschäftigt sich mit dem Wiedersehen zwischen Commander Sinclair und seiner alten Liebe Catherine Sakai, mit der ihn eine durchaus bewegte Geschichte verbindet. Und obwohl sich beide angesichts ihrer bisherigen zahlreichen Trennungen eigentlich sicher sind, dass es nicht lange gut gehen kann, versuchen sie es dann doch erst recht wieder miteinander. Diese sehr eigenwillige romantische Beziehung der beiden unterscheidet sich stark vom üblichen Liebesgeplänkel aus Film und Fernsehen und weiß durchaus zu gefallen. Zudem werden die jeweiligen Szenen von Michael O'Hare und Julia Nickson sehr überzeugend gespielt. Besonders angetan hat es mir ihr kurzer, resignierender Blick vor dem ersten Kuss.Was gibt es sonst noch erwähnenswertes? Nun, die Einstellung vom Restaurant kurz bevor sich Sinclair und Sakai dort treffen, war wirklich gut gemacht. Beim Treffen von Sakai mit den Geschäftsleuten gibt es vermutlich die schlechteste schauspielerische Leistung der gesamten Serie zu sehen ("You hit the big time") - zumindest im englischen Original, wo der entsprechende Satz einfach nur grauenhaft rübergebracht wird. Lennier wirkt bei seinem ersten Auftritt mit seiner unterwürfigen Art zwar recht nett, bekommt aber in dieser ersten Episode noch zu wenig zu tun, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Julie-Caitlin Brown erweist sich indes bereits in ihrer ersten Episode als wahrer Glücksgriff, zeigt sie doch schon in ihrer allerersten Szene deutlich mehr Ausstrahlung als ihre "Vorgängerin" Mary Woronov als Ko'Dath. Unbedingt erwähnt werden muss auch die großartige letzte Szene dieser Episode: Um das dominante Glaubenssystem der Erde vorzustellen, hat Sinclair Repräsentanten aller Religionen und Glaubensrichtungen nach Babylon 5 gebracht, und stellt jeden einzeln vor. Während alle Botschafter ihnen nacheinander die Hand schütteln, fährt die Kamera nach hinten, und offenbart eine immer länger werdenden Schlange von wartenden Menschen. Besonders aussagekräftig daran: Sehr bewusst hat JMS einen Juden neben einen Moslem platziert. Damit symbolisiert er einerseits eine friedliche Koexistenz, und andererseits die Vielfältigkeit der menschlichen Glaubensrichtungen. Eine ungemein bewegende, gänsehauterzeugende Szene voller Stil und Klasse, die mich bei jeder Sichtung der Episode aufs neue begeistern kann...
Fazit: "Angriff auf G'Kar" ist insbesondere dank zahlreicher amüsanter Szenen eine sehr unterhaltsame Episode, doch selbst die bewegende Szene am Ende kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Babylon 5" zu diesem doch relativ frühen Zeitpunkt noch nicht ihren richtigen Ton und Stil gefunden hat. Zudem fehlte es bei allem Unterhaltungswert doch ein wenig an Spannung und Dramatik. Insgesamt ist "Angriff auf G'Kar" zwar eine sehr gute Folge mit großartigem Ausklang, zum allerbesten, was die Serie zu bieten hat, würde ich sie aber nicht zählen. Wertung: 4 von 5 Punkten
Christian Siegel
Produktionsnotizen: Vom Skript zur Folge: Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 1” Verpatzte Szenen In einem nicht verwendeten Take gestaltet sich die Szene zwischen Garibaldi und G'Kar in dessen Quartier ein wenig anders. Als Garibaldi das Höschen hochhebt und G'Kar fragt "Ihrer?", antwortet G'Kar "Nein, von ihrer Mutter!"Anekdoten zur Produktion der Episode Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 1” Das sagen die Schauspieler Michael O'Hare über seine Rolle: „Eines der Probleme die ich mit der Rolle hatte war, dass ich so viel Hintergrundinformationen liefern musste. Es ging um diesen Typen der die ganze Zeit herumgeht und Probleme löst. Ich versuchte ihn was Frauen betrifft so verwundbar als möglich darzustellen. Eine Idee, die ich mir von den alten John Wayne-Filmen abgeschaut habe, wo John Wayne all diese heroischen Dinge tut und alle Probleme beseitigt, und sobald er sich mit einer Frau trifft fehlen ihm die Worte, und er weiß nicht was er tun soll.“Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents” Kommentare von JMS Diese Zusammenkunft all unserer Glaubenssysteme zu betrachten, die sich zur selben Zeit am selben Ort eingefunden hatten, war ein erhebendes Gefühl. Man fühlte sich leichter, stärker, und stolz, ein Mensch zu sein. Es war so als hätten wir unbewusst etwas tief in der menschlichen Seele verborgenes freigesetzt, und das wir als wir alle Glaubenssysteme des Planeten zusammenbrachten eine Art kritische, kirchliche Masse erreicht hatten, die leise und sanft ins Bewusstsein rief, dass die Unterschiede in unserem Glauben nicht das Problem ist, von dem wir glauben dass es das sei, sondern im Gegenteil sogar die LÖSUNG, und dass diese Unterschiede begrüßt und nicht deswegen gekämpft werden sollte. Was auch immer der Grund gewesen sein mag, das Gefühl am Set war greifbar, und wurde von allen geteilt die an diesem Tag dabei waren, und es fällt mir jetzt noch genau so schwer es zu erklären wie damals. Ich weiß nicht was es war, nur DAS es war. Ich habe so etwas weder davor noch danach erlebt. Es war ein wirklich phantastischer Tag.“Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 1” „Ich habe gerade erfahren, daß Babylon 5 einen Emmy für das Makeup Design in "Angriff auf G'Kar" gewonnen hat. Das ist jetzt unser zweiter Emmy insgesamt und unser erster für die Serie. Ich bin dazu entschlossen, im nächsten Jahr Preise für Schauspiel und andere Kategorien über dem Strich abräumen. Auf jeden Fall meine Glückwünsche an unsere Leute vom Makeup Design.“Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5
Zusammengestellt von Christian Siegel
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