Stranger Things - 3x08: Die Schlacht von Starcourt
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Episodenbild (c) Netflix

Originaltitel: The Battle of Starcourt
Episodennummer: 3x08
Bewertung:
Weltweite Internet-VÖ: 04. Juli 2019 (Netflix)
Drehbuch: The Duffer Brothers
Regie: The Duffer Brothers
Hauptdarsteller: Winona Ryder als Joyce Byers, David Harbour als Jim Hopper, Finn Wolfhard als Mike Wheeler, Millie Bobby Brown als Eleven, Gaten Matarazzo als Dustin Henderson, Caleb McLaughlin als Lucas Sinclair, Noah Schnapp als Will Byers, Sadie Sink als Max Mayfield, Natalia Dyer als Nancy Wheeler, Charlie Heaton als Jonathan Byers, Joe Keery als Steve Harrington, Dacre Montgomery als Billy Hargrove, Maya Hawke als Robin Buckleyn.
Gastdarsteller: Priah Ferguson als Erica Sinclair, Cara Buono als Karen Wheeler, Cary Elwes als Mayor Larry Kline, Brett Gelman als Murray Bauman, Andrey Ivchenko als Grigori, Gabriella Pizzolo als Suzie, Paul Reiser als Dr. Sam Owens u.a.

Kurzinhalt: Nacheinander finden sich Eleven, Mike, Will, Max, Dustin, Steve, Robin, Lucas, Erica, Nancy, Jonathan, Joyce, Hopper und auch Murray im Starcourt-Einkaufszentrum ein – im Wissen, dass die aus Leichenteilen bestehende Bestie auf dem Weg dorthin ist, um Eleven ein für alle Mal zu töten. Diese hat aufgrund der jüngsten Anstrengungen, und wohl auch bedingt durch den zuletzt erhaltenen Biss des Monsters, ihre Kräfte verloren. Dementsprechend muss die Gruppe diesmal ohne ihre Hilfe auskommen. Während Steve, Robin, Dustin und Erica zum Transmitter aufbrechen, um mit Suzie in Kontakt zu treten und von ihr die Pläne der Lüftungsschächte der russischen Basis zu erhalten, brechen Murray, Joyce und Hopper in eben diese unterirdische Basis auf, wo sie das Portal schließen wollen. Da das Monster über kein eigenes Gehirn verfügt, sondern aus der Schattenwelt aus vom Gedankenschinder gesteuert wird, hoffen sie, ihm so Einhalt gebieten zu können. Doch bis sie die Station erreichen und das Portal schließen können, gilt es für die verbleibenden Kinder im Einkaufszentrum, die Stellung zu halten, und vor allem auch, El zu beschützen…


Spoiler-Warnung! Diesmal ist es keine Frage von "kann Spoiler enthalten". Vielmehr enthält die nachfolgende Episodenbesprechung definitiv Spoiler. Falls ihr sie noch nicht gesehen haben solltet, und das in absehbarer Zeit so unvorbereitet wie möglich tun wollt, empfehle ich daher, das Review zu überspringen, und erst bei Fazit weiterzulesen.

Review: Episodenbild (c) Netflix "Die Schlacht von Starcourt" war für mich das bislang schwächste Staffelfinale von "Stranger Things". Es gab doch einiges was mich nicht so recht überzeugt, ein bisschen enttäuscht, und/oder einfach nicht so recht funktioniert hat. Bevor wir zu diesen Punkten kommen sei aber erst das hervorgehoben, was für mich prima funktioniert hat. Der Höhepunkt der Folge war für mich zweifellos die hier nun erfolgreiche Kontaktaufnahme mit Suzie (ist es zu viel, zu hoffen, dass sich diese in Season 4 unseren Helden in Hawkins – oder wo auch immer – anschließen wird?), die dann zur köstlich-schwungvollen "Neverending Story"-Performance führte. Das war einfach nur cool, und vor allem auch ungemein süß (da verzeiht man auch, dass letztendlich wohl genau diese verschwendeten drei Minuten zu Hoppers – vermeintlichem – Tod führten, aber dazu dann später noch ausführlich), und hat bei mir auch Lust darauf geweckt, mir diesen Fantasy-Klassiker endlich mal wieder anzuschauen. Generell war die Musikauswahl (ev. von der Wiederholung von "Heroes" abgesehen, aber auch dazu kommen wir später noch) wieder klasse, und sorgte für so manche schwungvoll-mitreißende Momente.

Die zweite wesentliche Stärke, nach der "Neverending Story"-Einlage, war der Showdown zwischen El und Billy. Zum wiederholten Mal räumt "Stranger Things" hier mit unserem bislang von einer Figur gewonnenen, doch eher negativen, Eindruck auf (was ja in Wahrheit bereits bei "E Pluribus Unum" begann, wo man versuchte, Billys Verhalten zu erklären). Stimmt schon, es gibt auf der Welt natürlich auch unverbesserliche Arschlöcher, bei denen Hopfen und Malz verloren ist. Nach dem anfänglich nicht unbedingt sympathisch auftretenden, sich danach jedoch rehabilitierenden Steve, macht man auch bei Billy wieder deutlich, dass niemand von uns als "Monster" geboren wird. Und so schließt man hier nun seinen Wiedergutmachungs-Arc ab, in dem er sich opfert, um Elevens Leben zu retten. Das fand ich wirklich spitze. Generell gefiel mir die Idee, dass Elevens Kräfte vor Erschöpfung (oder auch der Infektion durch den Teil des Monsters; was uns übrigens gleich zu Beginn eine sehr effektive "Body Horror"-Einlage bescherte) versiegen. Sie war in der Vergangenheit ja doch oftmals aufgrund ihrer Kräfte ein bisschen was wie eine Deus Ex Machina, welche die anderen aus den brenzligsten Situationen gerettet wird. Der Gedanke, dass sie hier nun kurzzeitig (!!!; auch dazu gleich) ihre Kräfte verliert, und daher mal die anderen daran sind, vielmehr sie zu beschützen und zu retten, gefiel mir. Zumal dies auch die Spannung deutlich erhöhte, da sich nicht nur die Figuren, sondern auch die Zuschauer mittlerweile daran gewöhnt haben, dass es El schon richten wird. Diesmal eben nicht. Generell war der Ablauf der Schlacht durchaus spannend (wenn auch vielleicht nicht ganz so spektakulär, wie ich mir das im Vorfeld erwartet und erhofft hatte), und gelang es den Duffer-Brüdern vor allem auch wieder sehr gut, allen etwas zu tun und jedem von ihnen mindestens einen Moment im Rampenlicht zu gönnen.

Episodenbild (c) Netflix ABER. Hoppers Tod verfehlte die gewünschte emotionale Wirkung bei mir komplett. Einerseits, weil mich die Figur in der dritten Staffel teilweise so genervt hat, dass sie leider viel an Sympathie bei mir eingebüßt hat (die Rehabilitation durch seine Notizen fürs Gespräch mit El kamen ja leider erst nach dieser Wendung, und damit zu spät, um daran in dem Moment etwas zu ändern). Vor allem aber, weil ich getreu dem Motto "ohne Leiche kein Todesfall" einfach nicht daran glaube, dass er wirklich tot ist. Ich vermute mal, es ist ihm gelungen, ins Upside Down zu fliehen, und von dort aus ist er dann nach Russland gelangt, wo er eben jener "Amerikaner" ist, der in der – in einem russischen Gulag angesiedelten – Mid-Credits-Szene erwähnt wird. Dabei kann ich mir durchaus vorstellen, dass es den Duffer-Brüdern hier in erster Linie darum ging, auf Nummer sicher zu gehen. Falls David Harbour – z.B. wegen eines Erfolgs seines "Hellboy"-Films für die vierte Staffel nicht mehr zur Verfügung gestanden wäre, hätte man ihn entweder wirklich tot sein lassen oder halt nur für einen Mini-Auftritt am Ende zurückholen können. Da ich diese Gefahr jedoch nach dem verdienten "Hellboy"-Flop nicht sehe, darf man wohl davon ausgehen, dass er überlebt hat – und Eleven & Co. somit umsonst trauern.

Mein größter Kritikpunkt ist aber der Epilog. Dieser machte auf mich einen extrem artifiziellen und kalkulierten Eindruck. Das beginnt schon beim Umzug, der auf mich sehr konstruiert wirkte. Ja, ich weiß, es wurde im Verlauf der Staffel mal angesprochen. Und wenn man uns erklärt hätte, dass dieser unbedingt notwendig ist, weil Joyce irgendwo ein Jobangebot erhalten hat, von mir aus. So hingegen stellt sich mir die Frage, welche Rabenmutter ihren Sohn, der ohnehin ja schon eine schwere Kindheit hinter sich hatte, grundlos aus seiner gewohnten Umgebung und damit auch von seinen Freunden wegreißt. Es will für mich zur bisherigen Darstellung von Joyce einfach überhaupt nicht passen, und wirkt eben konstruiert – weil die Duffer-Brüder unbedingt ein über Hoppers (vermeintlichen) Tod hinausgehendes, düster-trauriges Ende haben wollten. Dann ist da die Tatsache, dass Eleven ihre Kräfte immer noch nicht hat. Sorry, aber das gefällt mir überhaupt nicht. Sie sind mit das, was sie als Figur so auszeichnen und interessant machen. Ich verstehe, dass es auf Dauer für Serienmacher eine Herausforderung ist, eine derart mächtige Figur im Ensemble zu haben, aber: Pech. Das hättet ihr euch halt vorher überlegen müssen/sollen. Wenn sie uns denn zumindest einen Magneto-artigen Moment gegönnt hätten, wo sich die Kiste zumindest leicht bewegt hätte, aber nein. Meh. Vor allem aber hat mich der Zettel gestört, den Joyce hier nun findet, und den Hopper damals für sein Gespräch mit El (und Mike?) geschrieben hat. Solche Einlagen gabs in den letzten Jahren ja öfter, und es wirkt auf mich irgendwie immer sehr künstlich und aufgesetzt. In diesem Fall umso mehr, als man "Heroes" wiederholt, in der Hoffnung, damit an die emotionale Wirkung des Finales der dritten Folge anknüpfen zu können. Mir war das alles einfach zu kalkuliert, nach dem Motto: "Bitte weinen sie JETZT!". Und so erreichte man damit in meinem Fall leider eher das genaue Gegenteil.

Fazit: Episodenbild (c) Netflix "Die Schlacht von Starcourt" war keineswegs eine schlechte Folge, konnte aber meine – zugegebenermaßen hohen – Erwartungen im Hinblick auf diese im Titel schon angeteaserte Auseinandersetzung dann leider nicht ganz erfüllen, und ist nicht zuletzt aufgrund einzelner Kritikpunkte – eine bestimmte Wendung, welche die gewünschte emotionale Wirkung bei mir nicht so recht entfalten wollte, sowie der übertrieben dramatische und auch irgendwie künstlich auf die Tränendrüse drückende Epilog, mit dem man bei mir letztendlich das genaue Gegenteil erreichte; mir war erschien das einfach zu kalkuliert – für mich das mit Abstand bisher schwächste Staffelfinale von "Stranger Things", welches auch meine Vorfreude auf eine Rückkehr der Serie leider ein bisschen gedämpft hat. Positiv fand ich in erster Linie die saucoole, mitreißende und vor allem auch zuckersüße "Neverending Story"-Einlage, sowie Billys Rehabilitierung. Aber auch, dass man sich diesmal eben nicht darauf verlassen konnte, dass Eleven schon alles richten würde, sondern diesmal vielmehr (ausnahmsweise mal) sie auf Hilfe angewiesen war, gefiel mir. Und sowohl optisch als auch musikalisch war "Die Schlacht von Starcourt" schon auch wieder fein. Was die zuvor erwähnten Schönheitsfehler halt umso bedauerlicher macht.

Wertung: 3.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2019 Netflix)







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