The Guest
Dan Stevens als Hausgast des Schreckens Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 04 Oktober 2015
 
Halloween-SPECiAL

 
The Guest
Originaltitel: The Guest
Produktionsland/jahr: USA 2014
Bewertung:
Studio/Verleih: HanWay Films/Splendid Film
Regie: Adam Wingard
Produzenten: U.a. Keith Calder, Jessica Wu & Simon Barrett
Drehbuch: Simon Barrett
Filmmusik: Steve Moore
Kamera: Robby Baumgartner
Schnitt: Adam Wingard
Genre: Thriller/Komödie
DVD-Premiere Deutschland: 24. April 2015
Kinostart USA: 17. September 2014
Laufzeit: 100 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 18
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Dan Stevens, Maika Monroe, Brendan Meyer, Sheila Kelley, Leland Orser, Lance Reddick, Tabatha Shaun, Chase Williamson, Joel David Moore u.a.


Kurzinhalt: Die Familie Peterson erhält Besuch von einem jungen Soldaten, der soeben von seinem Einsatz zurückgekehrt ist, und der behauptet, ein guter Freund ihres gefallenen Sohnes zu sein. Natürlich bieten sie ihm an, für ein paar Tage bei ihm unterzukommen, bis er sich eine eigene Bleibe und einen Job besorgt hat. Doch nur kurz nach seiner Ankunft beginnt David, sich in das Leben der Familie einzumischen – sehr zum Missfallen von ihrer Tochter Anna, die ihm zunehmend mit Misstrauen begegnet. Dafür gelingt es ihm umso besser, die Eltern selbst, wie auch ihren Sohn Luke, um den Finger zu wickeln. Doch was genau führt David denn eigentlich im Schilde?

Review: Szenenbild. "The Guest" war zweifellos einer der ganz großen Publikumsrenner beim heurigen /slash ½-Filmfestival, dass wieder im Mai dieses Jahres stattgefunden hatte. Und auch wenn er mich ebenfalls gut unterhalten hat, gab es – wie schon bei ihrem vorangegangenen Film "You're Next – auch wieder ein paar Aspekte, die mir weniger gut gefallen haben. Mein Hauptkritikpunkt dabei ist, dass für mich der Bruch bzw. Schwenk von einer Komödie hin zu einem Thriller irgendwie nicht funktioniert hat – wobei man zugegebenermaßen darüber diskutieren kann, inwiefern ein solcher denn überhaupt angedacht war. So gab es auch danach noch einige Szenen – wie z.B. wenn sich David bei seinen Opfern entschuldigt – wo es mir schwer fiel einzuschätzen, ob dies nun lustig, tragisch oder gar verstörend gemeint war. Ich weiß nur, dass einige im Kinosaal bei diesen Szenen fleißig gelacht haben, während ich mich zu einem eben solchen – trotz eines zweifellos vorhandenen Hangs zu schwarzem Humor – irgendwie nicht durchringen konnte. Eben diese Momente haben für mich daher irgendwie nicht so recht funktioniert.

Auch mit der einen oder anderen Aktion der Protagonisten hatte ich so meine Probleme, wobei mir vor allem Sohnemann Luke teilweise mächtig auf den Senkel ging. Ja, ich weiß, er ist nur ein dummer, naiver Teenager, aber teilweise ließ er sich für meinen Geschmack von David viel zu leicht manipulieren. Eher enttäuscht war ich auch vom Showdown. Alles rund um das Labyrinth bzw. "Geisterhaus" in der Schule wirkte auf mich sehr verkrampft und aufgesetzt, und generell wollte sich bei mir irgendwie keine richtige Spannung einstellen. Vielleicht liegt's daran, dass ich recht früh meinte zu wissen, wer überleben und wer sterben würde – und sich meine entsprechende Prognose als 100%ig richtig erweisen sollte. Aber woran auch immer es lag, ich fand das Finale einfach nicht besonders mitreißend. Und vor allem eine Aktion am Ende hat mich dann mächtig geärgert. Wir schreiben einfach mittlerweile das Jahr 2015, und ich habe (wenn ich auch zugegebenermaßen vergleichsweise spät in meinem Leben angefangen habe) ganz einfach schon zu viele Horrorfilme gesehen, um es ertragen bzw. hinnehmen zu können, wenn Figuren zu blöd sind, [Achtung, Spoiler!] um auf Nummer sicher zu gehen um den verrückten Killer einen Kopfschuss zu verpassen [Spoiler Ende]. All diese Kritikpunkte sollen jetzt aber nicht bedeuten, dass mir der Film überhaupt nicht gefallen hätte. Vor allem die erste Hälfte fand ich teilweise richtiggehend phantastisch. Wie sich David bei ihnen einnistet, wie er es versteht, andere manipuliert und auf seine Seite zu ziehen – das war alles schon verdammt gut gemacht und vor allem auch gespielt.

Szenenbild. Ich persönlich bin ja 100% hetero, aber ich denke fast, nach "The Guest" sind's dann doch nur mehr 98% - weil Dan Stevens… wow. Definitiv ein wunderschöner Mann mit ungemein erotischer und anziehender Ausstrahlung. Insofern erweist er sich als David auch als perfekte Besetzung, da man aufgrund seines Charmes und Charismas durchaus verstehen kann, dass bzw. wie es ihm gelingt, alle in seiner Nähe um den Finger zu wickeln. Und doch schwelt da unter der immer freundlichen Fassade eine Bedrohlichkeit und ein Wahnsinn, den er ebenfalls auf bestechende Art und Weise zur Geltung bringt. Zweifellos eine phantastische Performance, mit der er – nachdem ich kein "Downtown Abbey"-Gucker bin – auf meinem Radar gelandet ist. Aber auch die anderen SchauspielerInnen zeigen sehr gute Leistungen, wobei für mich neben Stevens in erster Linie noch Maika Monroe (die mit "It Follows" wohl nun endgültig den Durchbruch geschafft haben dürfte) hervorstach. Ich mochte die bedrohliche Atmosphäre, die sich in der ersten Hälfte aufgebaut hatte, und die es wirklich verstand, es zu packen. Und es gab auch ein paar wirklich witzige Szenen (wie der "Cola-Mann 2.0"), die dafür sorgten, dass ich mich bestens unterhalten fühlte. Die zweite Hälfte konnte nur halt leider in meinen Augen an diesen verheißungsvollen Einstieg dann nicht mehr so recht anknüpfen.

Fazit: Im Gegensatz zur Mehrheit der Besucher des heurigen /slash ½-Filmfestivals – so war zumindest mein Eindruck – hat "The Guest" für mich leider nicht vollständig funktioniert. Sehr gut gefallen konnte mir das Setup. Die Grundidee ist zweifellos eine faszinierende, und in der ersten Hälfte baut "The Guest" eine enorme Spannung und düster-bedrohliche Atmosphäre auf. Zudem gibt es zahlreiche Gags und lustige Szenen, die für beste Unterhaltung sorgten. Und Dan Stevens erweist sich als großartige Besetzung für diesen ungemein charmanten, attraktiven aber auch undurchschaubaren Hausgast. In meinem Fall hat aber leider der Schwenk von einer Komödie zu einem waschechten Horror-Thriller im letzten Drittel nicht so recht funktioniert. Es gab einige Momente, wo ich jetzt nicht wusste, ob sie lustig oder traurig gemeint waren, beim Showdown im Gruselkabinett kam für mich irgendwie überhaupt keine Spannung auf, und auch der viel zu genretypische Ausgang des Geschehens stieß mir sauer auf. Letztendlich hätte ich wohl so etwas wie "The Voices" vorgezogen – eine bitterböse, pechschwarze Komödie, die es aber trotz aller Gags und Lacher schafft, mich zu fesseln und zu verstören. "The Guest" gelang es hingegen leider "nur", mich gut zu unterhalten.

Wertung:6 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2015 Splendid Film)


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Weiterführende Links:
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