Star Trek - Myriad Universes: Infinity's Prism
Drei Geschichten aus alternativen Universen Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 10 März 2014
 
Cover (c) PocketBooks
Titel: "Star Trek - Myriad Universes: Infinity's Prism"
Bewertung:
Autoren: William Leisner, Christopher L. Bennett & James Swallow
Übersetzung: -
Umfang: 512 Seiten
Verlag: Pocket Books
Veröffentlicht: 22. Juli 2008
ISBN: 978-1-4165-7180-3
Kaufen: Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: A Less Perfect Union: John Frederick Paxtons Angriff auf die Sternenflotte war erfolgreich. Damit gelingt es der Terrorbewegung Terra Prime, die Gründung der Föderation zu verhindern. 90 Jahre später versucht T'Pol, die Kräfte der interstellaren Allianz davon zu überzeugen, die Menschheit aufzunehmen. Eine entsprechende Konferenz soll auf Babel stattfinden. Die S.S. Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike wird damit beauftragt, die Delegationen zu eskortieren. Doch einige – unter anderem auch Pikes Nummer Eins, Commander James T. Kirk, der bei einem Angriff der Vulkanier seine Familie verlor – sind gegenüber diesen Plänen skeptisch, und versuchen die Aufnahme der Menschen in die Koalition zu verhindern…

Places of Exile: Kathryn Janeway steht vor einer schwierigen Wahl: Versucht sie, eine Allianz mit den Borg zu schmieden, und gibt ihnen dafür jene Waffe, mit der sich die Spezies 8472 vernichten lässt? Auf anraten von Commander Chakotway beschließt sie letztendlich, dass dieser Pfad zu viele Gefahren birgt. Wenig später wird die U.S.S. Voyager von einem Schiff von Spezies 8472 angegriffen und fast vernichtet. Unter anderem verliert man eine Warpgondel. Mit knapper Not gelingt es, einen Raumbereich zu erreichen, der von der sogenannten Delta-Koalition kontrolliert wird – ein loser Verbund verschiedenster Völker, der Föderation nicht unähnlich. Die Crew der Voyager beantragt Asyl und nimmt innerhalb der Koalition teilweise neue Aufgaben an. Doch als Spezies 8472 die Borg besiegt hat und beginnt, weitere Raumbereiche anzugreifen, steht die Koalition vor der Vernichtung…

Seeds of Dissent: Khan Noonien Singh hat die eugenischen Kriege gewonnen. Jahrhunderte später hat die genetisch optimierte Menschheit den gesamten Alphaquadranten erobert. Doch es gibt Rebellen, die versuchen, das Imperium zu stürzen. Captain Bashir, Kommandant des Raumschiffs Defiance, gelingt es eine der aktivsten Widerstandszellen unter dem Kommando der Bajoranerin Kira Nerys aufzuspüren. Kurz darauf entdeckt man einen alten Frachter von der Erde, die Bottany Bay, die seit Jahrhunderten durchs All treibt. Als Bashir die Crew des Schiffes, die sich im Hyperschlaf befindet, aufwecken lässt, erfährt er, dass viele Legenden die er über Khan gehört haben – und von deren Wahrheitsgehalt er fest überzeugt ist – nicht der Wahrheit entsprechen, und sein Glauben ans Imperium wird erschüttert…


Review: "Myriad Universes" ist eine Art Fortführung der "Mirror Universe"-Saga, doch statt sich des bekanntesten und beliebtesten Paralleluniversums anzunehmen, stellten sich die Autoren vielmehr die Frage, was für andere wesentliche Ereignisse es in der Geschichte von "Star Trek" gegeben hat – und wie sich diese entwickelt hätte, wenn das ganze anders ausgegangen wäre und/oder man eine andere Entscheidung getroffen hätte. Damit kann die – bislang – aus drei Novellensammlungen bestehende "Myriad Universes"-Reihe als eine Art konzeptueller Bruder zu den "Star Wars – Infinities" angesehen werden. Für die Geschichten des ersten Bandes zeichnen sich William Leisner, Christopher L. Bennett und James Swallow verantwortlich.

"A Less Perfect Union" hat zwar ein Ereignis aus "Enterprise" zum Ausgangspunkt, erzählt darauf aufbauend jedoch eine Geschichte aus der "TOS"-Ära; nur halt eben in einem alternativen Paralleluniversum. Für mich persönlich war die erste Erzählung auch gleich das absolute Highlight dieser Sammlung. Seine beiden Romane "Den Frieden verlieren" und "The Shocks of Adversity" haben mich ja nicht 100%ig überzeugt, aber hier liefert William Leisner auf 150 Seiten eine von der ersten bis zur letzten Seite faszinierende "Was wäre wenn?"-Geschichte, die mich in ihren Bann zog. "A Less Perfect Union" sprudelt nur so über vor originellen Einfällen, interessanten Wendungen sowie spannenden Momenten. Schon allein, die Babel-Konferenz als Ausgangspunkt zu nehmen, nur das dort diesmal über das Beitrittsgesuch der Erde verhandelt wird, war genial. Doch auch darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Anspielungen auf Episoden der klassischen "Star Trek"-Serie – wobei ich an dieser Stelle keine davon vorwegnehmen will. Ein toller, vielversprechender Start, der mich schon auf die anderen beiden hier versammelten Geschichten neugierig gemacht hat. Mein einziger Kritikpunkt – der übrigens auch für "Seeds of Dissent" gilt ("Places of Exile" hat das Problem nicht, da wir dort die Abspaltung von der uns bekannten Zeitlinie praktisch "live" miterleben): Ich hätte es vorgezogen, wenn man zu Beginn der Geschichte, quasi als Einleitung/Vorwort, uns kurz den "Aufhänger" der Story geschildert hätte, so dass man gleich weiß, wie es zu diesem unterschiedlichen Geschichtsverlauf kam. Denn so mussten diese Hintergrundinformationen teilweise doch etwas verkrampft in die Erzählung eingebaut werden. Davon abgesehen aber eine faszinierende, packende und ungemein unterhaltsame Geschichte. 4.5/5

Eben diese konnten jedoch an den vielversprechenden, faszinierenden Einstieg nicht mehr ganz anknüpfen. Noch vergleichsweise wacker schlägt sich "Places of Exile" von Christopher L. Bennett, das sich der Frage annimmt, wie die Geschichte der Voyager wohl weitergegangen wäre, wenn sich Captain Janeway nicht auf die gefährliche Allianz mit den Borg eingelassen hätte. Am besten gefiel mir an dieser Geschichte alles rund um die Delta-Koalition, wie die Crew der Voyager von ihr als Flüchtlinge aufgenommen wird, und sie in weiterer Folge die Koalition in vielerlei Hinsicht voranbringen. Dann bringt er jedoch zunehmend Spezies 8472 ins Spiel, und die Geschichte wird zu einer recht gewöhnlichen "Das Universum retten"-Story. Äußerst skeptisch stehe ich auch seinem Versuch gegenüber, die Geschichte mit den uns aus der Serie bekannten Ereignissen zu verknüpfen, und dabei mit "Ein Jahr Hölle" auch gleich noch eine dritte Zeitlinie mit hineinzunehmen. Nicht nur macht es dies teilweise etwas sehr komplex, ich fand diese Verbindung zudem gänzlich unnötig. Es geht hier um Paralleluniversum, um "was wäre wenn?"-Geschichten. Darin liegt für mich der Reize. Ich brauche – und will eigentlich auch – keine Verbindung zum uns bekannten Ablauf. Jedenfalls hätte sich das Christopher L. Bennett in meinen Augen sparen sollen, da es doch irgendwie verkrampft wirkte. Aufgrund des packenden, düsteren Einstiegs – mit der Fast-Zerstörung der Voyager – und dem faszinierenden Mittelteil rund um die Delta-Koalition, und wie die Crew hier langsam aber sicher ein neues zu Hause findet, aber trotzdem noch 3.5/5.

Am wenigsten hat mich die letzte Geschichte, "Seeds of Dissent" von James Swallow, überzeugt. Einerseits wäre es mir – wenn man schon eine "Khan hat triumphiert"-Geschichte erzählt, irgendwie lieber gewesen, man hätte sich mit der Frage beschäftigt was passiert wäre, wenn Khan Kirk und die Crew der Enterprise ausgeschaltet hätte (z.B. weil Lt. Givers ihm treu geblieben ist, statt den Captain zu retten). Das hätte ich irgendwie faszinierender gefunden. Zudem ergibt sich das Problem, dass "Seeds of Dissent" mit dem düsteren terranischen Imperium teilweise sehr stark an das Spiegeluniversum erinnert – nur halt mit genetisch optimierten Menschen. Dadurch fehlte die Originalität und Eigenständigkeit der anderen Geschichten. James Swallow bemüht sich zwar, die Parallelen nicht zu offensichtlich werden zu lassen, doch so nett die Idee, die Halsbänder aus "Meister der Sklaven" einzubauen auch sein mag, im Prinzip sind diese auch nur eine Abwandlung der "Agonizer" (wie hießen die nochmal schnell auf deutsch? Schmerzerzeuger?) aus "Ein Parallel-Universum". Auch die Idee, DS9 und TOS miteinander zu verknüpfen (wenn dies auch zugegebenermaßen nicht neu ist, man denke nur an "Neuer Ärger mit den Tribbles"), fand ich nicht so überzeugend. Und zugegebenermaßen dürfte auch die Tatsache, dass ich nicht der größte "Deep Space Nine"-Fan bin, hier mitspielen. Insgesamt ist auch "Seeds of Dissent" nicht schlecht, und offeriert dem geneigten Leser ein paar interessante Ideen und nette Momente, aber mehr als durchschnittlich fand ich die Geschichte leider nicht. 2.5/5

Fazit: Wie für solche Sammlungen nicht unüblich, schwankt die Qualität der einzelnen Geschichten ein wenig. Am besten hat mir "A Less Perfect Union" gefallen, das eine höchst interessante, faszinierende "Was wäre wenn?"-Geschichte aus der Zeit der klassischen Serie erzählt, und mich zahlreichen originellen Einfällen, einer spannenden Handlung, einer sehr guten Figurenbeschreibung sowie zahlreichen gelungenen Anspielungen auf TOS-Episoden besticht. Bei "Places of Exile" gefiel mir vor allem die Ausgangssituation – sind wir doch im Gegensatz zu den anderen Geschichten aus dieser Sammlung beim das Parallel-Universum auslösenden Ereignis quasi "live" dabei – sowie alles rund um die Delta-Koalition. Gegen Ende hin wurde mir das Ganze aber mit einer klassischen "Das Universum retten"-Geschichte etwas zu klischeehaft, und die Versuche von Christopher L. Bennett auch auf die Kontinuität der Serie zurückzugreifen und die einzelnen Parallel-Universum miteinander zu verbinden, empfand ich als verkrampft und absolut unnötig. Am schlechtesten hat mir persönlich aber die letzte Geschichte, "Seeds of Dissent" gefallen. Ich finde, aus der Idee eines triumphierenden Khan hätte man mehr machen können, und auch wenn es auf dem ersten Blick logisch erscheinen mag, den genetisch aufgewerteten Bashir in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, fand ich, das James Swallow aus dem interessanten Konzept nur relativ wenig herausholen konnte. Zudem waren mir die Parallelen zum Spiegel-Universum teilweise zu groß. Dennoch war auch diese Geschichte nicht schlecht, und insgesamt fand ich "Infinity's Prism" durchaus interessant und faszinierend.

Bewertung: 3.5/5 Punkten
Christian Siegel


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Weiterführende Links:
Review zu "Star Trek - Voyager: The Eternal Tide"





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