Star Trek: Eine Flagge voller Sterne
Enttäuschende Fortsetzung der "Lost Years"-Saga Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 16 Dezember 2013
 
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Titel: "Star Trek: Eine Flagge voller Sterne"
Originaltitel: "Star Trek: A Flag Full of Stars"
Bewertung:
Autorin: Brad Ferguson
Übersetzung: Ronald M. Hahn
Umfang: 266 Seiten
Verlag: Heyne
Veröffentlicht: 1995 (D) bzw. 1991 (USA)
ISBN: 978-3-45308-595-4
Kaufen: Taschenbuch (D), Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Nachdem Admiral Kirk den Umbau der Enterprise geleitet hat, wird er von Admiral Nogura als neuer Verbindungsoffizier zur Presse eingesetzt. Dadurch lernt er den im Exil lebenden Klingonen G'dath kennen, der als Lehrer an einer High School tätig ist, und – als gelernter Physiker – in der Freizeit an einer neuen Antriebstechnologie arbeitet. Was ihm nicht bewusst ist: Er steht unter ständiger Bewachung von zwei klingonischen Agenten. Als G'dath seinen ersten Prototypen fertig stellt, gelingt es den Spionen, ihn zu stehlen. Ihr erster Versuch, auch G'dath zu ergreifen, scheitert zwar, dann beamen sie sich jedoch in die High School und nehmen die Kinder als Geiseln. Daraufhin stimmt der Klingone zu, sie zu begleiten. Als Kirks Adjutant Kevin Riley von dem Vorfall erfährt, beamt er sich in die Schule, um die Lage zu entspannen. Kirk befindet sich indes auf einem Testflug mit dem Space Shuttle Enterprise, dass im Zuge der 300-Jahr-Feier der ersten Mondlandung umgebaut und mit einem Impulstriebwerk ausgestattet wurde, um doch noch ins All vorzustoßen. Als die Klingonen – mit G'dath, Kevin Riley, einer jungen Reporterin und einem Schüler als Geiseln – mit einem Shuttle von der Erde fliegen, müssen die historische und die immer noch im Umbau befindliche Enterprise zusammenarbeiten, um sie aufzuhalten…

Review: Ich weiß schon… der "Die verlorenen Jahre"-Zyklus war Ende der 80er/Anfang der 90er der erste Versuch der "Star Trek"-Romane, in den Kanonbereich vorzudringen und nicht einfach nur ein unabhängiges weiteres Abenteuer, sondern vielmehr die bekannte Geschichte weiterzuerzählen, und im vorliegenden Fall die Lücke zwischen TV-Serie und erstem Film zu schließen. In den darauffolgenden mehr als 20 Jahren hat sich im Bereich der "Star Trek"-Literatur viel getan. So war man damals z.B. noch eher auf Romane fixiert, deren Handlung sich in einem relativ kurzen Zeitraum abspielen. Der erste Band des Zyklus hat hier eh schon ansatzweise mit dieser Tradition gebrochen, erlebten wir doch zuerst die Ereignisse unmittelbar nach der Rückkehr der Enterprise zur Erde, um danach sechs Monate in die Zukunft zu springen. Leider nur halte ich den hier gewählten Zugang für eher ungeeignet – gerade auch angesichts des Anspruchs der Reihe, die Lücke zwischen TV-Serie und "Star Trek - Der Film" zu schließen. Ein Eindruck, der leider auch von "Eine Flagge voller Sterne" voll und ganz bestätigt wird.

Im zweiten Roman der Reihe machen wir einen neuerlichen Zeitsprung, ehe sich die Handlung dann in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum von nur wenigen Tagen abspielt. Hierbei ergibt sich einerseits Problem, dass uns Autor Brad Ferguson teilweise – meines Erachtens – widersprüchliche Daten nennt, wie viel Zeit denn nun eigentlich seit "Die verlorenen Jahre" vergangen ist. Das hängt natürlich davon ab, ob er sich auf Ereignisse bezieht, die im ersten Teil des Romans oder dann nach dem Zeitsprung von sechs Monaten spielen. Schon klar. Aber wenn ich nicht schon langsam aber sicher verkalkt und das Ganze nach weniger als einer Woche schon falsch in Erinnerung hatte, bezieht er sich mehrmals auf Ereignisse aus dem zweiten Teil (also nach dem Zeitsprung), und behauptet einmal, das wäre ein Jahr her, dann sind's wieder nur sechs Monate, und um die Verwirrung komplett zu machen, wirft er zwischendurch auch noch acht Monate in den Ring. Mit der Zeit kannte ich mich da echt nicht mehr aus – ich bleibe aber dabei, dass die hier genannten Daten nicht 100%ig mit dem Vorgänger übereinstimmen. Und angesichts der Tatsache, dass er sich nicht darum schert, dass "Die verlorenen Jahre" im Jahr 2170 angesiedelt war, und "Eine Flagge voller Sterne" nun 2169 ansiedelt, nur um das 300jährige Jubiläum der ersten Apollo-Mission unterbringen zu können, hält sich mein Vertrauen in seine chronologische Akkuranz in recht engen Grenzen.

Dann ergibt sich noch das Problem, dass dieser Zyklus ja eigentlich dazu gedacht ist, eine Lücke zu füllen – weshalb ich es schon irgendwie kontraproduktiv halte, wenn die Autoren wiederum zwischen ihren Romanen neue Lücken entstehen lassen. So lernten sich Kirk und Lori Ciana in "Die verlorenen Jahre" gerade erst mal ein paar Tage kennen. Hier erfahren wir nun, dass sie mittlerweile – 6 oder 8 oder vielleicht doch 12 Monate später, je nachdem, welcher Zeitangabe von Ferguson man Vertrauen schenken will – nicht nur verheiratet sind, sondern sich auch schon wieder so sehr auseinandergelebt haben, dass sie sich zu Beginn dieses Romans wieder trennen. Komisch auch alles rund um Kirk. Ende des letzten Romans war er noch ein Teil dieser diplomatischen Feuerwehr die Admiral Nogura eingerichtet hat. Nun erfahren wir plötzlich, dass er die letzten Monate für den Umbau der Enterprise verantwortlich war. Wann, wie und vor allem warum zum Spock ist das denn passiert? Ich glaube, dieser Zyklus könnte einen Roman mit dem Titel "Die verlorenen Monate" gebrauchen! Weitere Inkonsistenzen: Wollte sich Kirk nicht eigentlich wieder um ein neues Kommando bemühen? Warum scheint er seine Meinung auf einmal geändert zu haben? Außerdem meine ich, mich erinnern zu können, dass das Gespräch zwischen Kirk und Decker auf das sich Ferguson hier zu beziehen scheint von Angesichts zu Angesicht stattgefunden hat und nicht, wie von ihm hier behauptet, über "Funk".

Dann gibt es noch ein paar Einfälle von Ferguson, mit denen ich nicht so recht etwas anfangen konnte. So hält sich der Roman recht lang mit G'dath und insbesondere auch seiner Schulklasse auf; zumindest ich fand die betreffenden Passagen sehr öde. Erschwerend kommt nun noch die ungemein klischeehafte und hanebüchene (oder sollte ich besser heynebüchene schreiben?) Geschichte rund um seinen unzufriedenen Schüler, der Klingonen hasst und im Verlauf des Romans natürlich wie könnte es auch anders sein geläutert wird, dazu. Plumper und ungeschickter wurde der moralische Hammer bei "Star Trek" selten geschwungen. Nicht nur dieser Toleranz-predigende Subplot drängte in mir den Verdacht auf, dass sich "Eine Flagge voller Sterne" eher an jüngere Leser richtet – so als würde Brad Ferguson "Star Trek" für Kinderkram halten. So gibt es auch einen Moment, in dem G'dath seiner Katze (!!) das Konzept des Gleichgewichts der Kräfte erklärt. Was natürlich nur dazu da ist, damit der Autor dem Leser eben dieses vermitteln kann. Erstens einmal: Da hätte sich doch wohl eine weniger erzwungene Möglichkeit finden lassen, wenn Brad Ferguson dies unbedingt für nötig hielt. Und zweitens und viel schwerwiegender: Ich bin nicht so blöd, wie mich Ferguson scheinbar hält, und fühlte mich an dieser Stelle offen gestanden schon ein wenig veräppelt.

Was ich auch nicht ganz verstanden habe ist, warum McCoy immer noch auf Kirk sauer sein soll. Ist da etwa immer noch weil er seinem Rat nicht gefolgt ist und die Beförderung akzeptiert hat? Sorry, aber da wäre mir ein viel zu schwacher Grund. Erstens ist das immer noch Kirks Entscheidung, und selbst wenn McCoy damit nicht übereinstimmen mag – was wäre das denn bitte für ein Freund, wenn er ihn deshalb hängen lässt? Mit der Darstellung ihrer Freundschaft wie ich sie aus der Serie kenne würde sich das für mich nicht in Einklang bringen lassen. Oder ist es wegen dem Tod seiner jungen Kollegin? Für den kann halt nur Kirk herzlich wenig. Jedenfalls: Wenn man mit der "Verlorenen Jahre"-Saga unter anderem erklären wollte, warum das Verhältnis zwischen Kirk und McCoy zu Beginn des ersten "Star Trek"-Films so angespannt war, ist man aus meiner Sicht – zumindest bislang – damit gescheitert. Last but not least störte mich auch die Offenbarung, dass Kevin Riley auf Tarsus IV von Kirk vor Kodos' Schergen gerettet wurde. Solche "Zufälle" lassen das Universum für mich immer kleiner werden, statt größer, wenn jeder jeden schon irgendwie zufällig von früher kannte. Gefällt mir gar nicht.

Gibt es überhaupt irgendetwas Positives über "Eine Flagge voller Sterne" zu berichten? Nun, es kommt selten Langeweile auf – nur die ersten paar Momente in der Schule ziehen sich, davon abgesehen entwickelt sich die Story recht flott weiter. Von den Inkonsistenzen und offen bleibenden Fragen abgesehen fand ich den Blick in Kirks Persönlichkeit recht gelungen, und ihn selbst auch durchaus stimmig geschrieben. Besonders gut gefielen mir auch seine gemeinsamen Szenen mit K'dath. Und die Idee, das Space Shuttle Enterprise zu einer "modernen" Raumfähre umzubauen und auf ihre erste Mission ins All zu schicken – wo sie sogleich eine wichtige Rolle spielt – hatte auch etwas. Insgesamt überwiegen für mich aber leider bei weitem jene Aspekte, die mich gestört haben oder mich zumindest nicht so recht überzeugen konnten. Ich hoffe sehr, mit "Ein Sumpf von Intrigen" geht es wieder aufwärts!

Fazit: Mit Brad Fergusons Fortsetzung zu "Die verlorenen Jahre" konnte ich leider noch weniger anfangen als mit dem ohnehin schon nicht überragenden Vorgänger. Für eine Reihe die eigentlich Lücken schließen will blieben mir viel zu viele – teils auch neue – Fragen offen. Unklar war mir auch, wie viel Zeit denn nun eigentlich seit dem ersten Teil der Reihe vergangen sein soll – meinte ich doch diesbezüglich widersprüchliche Aussagen auszumachen. Alles rund um K'daths Schulklasse fand ich entbehrlich, und vor allem die Wandlung des einen Schülers war ungemein klischeehaft; hier wurde die Moral von der Geschicht wieder mal mit dem Holzhammer serviert. Und das ist nur die Spitze– unter diesen befindet sich noch ein ganzer Eisberg an Kritikpunkten, die den Roman insgesamt für mich zu einer teilweise sehr frustrierenden Leseerfahrung gemacht haben. Einzelne gute Szenen sowie die Tatsache, dass echte Langeweile zum Glück nur sporadisch aufkommt, verhindern zwar den Totalabsturz. Aber bislang ist diese Reihe für mich leider eine ziemliche Enttäuschung.
Christian Siegel

Bewertung: 1.5/5 Punkten


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