| Der Feind meines Feindes |
Episodennummer: 3x14 Bewertung: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Erstausstrahlung USA: 29. April 1996 Erstausstrahlung D: 22. Dezember 1996 Drehbuch: J. Michael Straczynski Regie: Mike Vejar Hauptdarsteller: Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan, Claudia Christian als Commander Susan Ivanova, Jerry Doyle als Security Chief Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Richard Biggs als Doctor Stephen Franklin, Bill Mumy als Lennier, Stephen Furst als Vir Cotto, Jason Carter als Marcus Cole, Jeff Conaway als Zack Allaln, Peter Jurasik als Londo, Andreas Katsulas als G'Kar. Gastdarsteller: Walter Koenig als Bester, Joan McMutrey als Carolyn, Diana Morgan als Alison, Debra Sharkey als Med Tech u.a. Kurzinhalt: Der Psi-Polizist Bester kommt auf die Station. Er erzählt der Kommandocrew, dass das Psi-Corps von den Schatten und ihren Verbündeten übernommen wurden, und sie in diesen einen gemeinsamen Feind hätten. Er hat von einer Waffenlieferung an die Schatten erfahren, die in Kürze erfolgen soll, und braucht die Hilfe von Sheridan und seinen Leuten, um diese abzufangen. Zwar ist man skeptisch, ob man Bester trauen kann, letztendlich beschließt man aber, den Transporter abzufangen. Der Angriff auf den Konvoi gelingt – nicht zuletzt, da sich sehr zu ihrer Überraschung ein Schiff der Schatten statt sie anzugreifen vielmehr zurückzieht. Als man die Ladung des Transporters an Bord holt, staunt man nicht schlecht, als sich diese als in Kryostasis-Kapseln eingefrorene Telepathen offenbaren. Doch was genau soll das mit Waffenkomponenten zu tun haben? Eine Antwort darauf bekommen sie, als sie eine der Telepathen aufwecken – und sie versucht, sich mit der Station zu verbinden. Delenn hat indes mit einer eigenen, persönlicheren Krise zu kämpfen. G'Kar will sich nicht länger hinhalten lassen, und in die Allianz gegen die Schatten aufgenommen werden. Dies bedeutet aber zugleich, dass er davon erfährt, dass die Minbari schon seit langem von der Rückkehr der Schatten wussten, und trotzdem geschwiegen haben – was dann auch zum Angriff auf die Heimatwelt der Narn führte… Denkwürdige Zitate: "Give me one good reason why I shouldn't just blow you out of the sky." "Because you're curious. Kill me and you'll never know what brought me all the way out here. I think if you weigh that against the brief satisfaction of blowing me out of the sky, you'll do the right thing." … "Captain?" "I'm thinking it over." (Bester hat Glück, dass er von Sheridan abgeholt wird, und nicht von Ivanova!) "So how did you find out about all of this?" "I'm a telepath! Sort it out…" (Da hat er allerdings recht.) "'Some must be sacrificed if all are to be saved.' At first I accepted that as a revelation for the future; now I see that it is asmuch about how we got here, as where we are going. I think that one sentence is the greatest burden I have ever known." (G'Kars ergreifende Erkenntis bei seinem Gespräch mit Delenn.) "Do not thump the Book of G'Quan!" (G'Kar am Ende der Episode zu Garibaldi.) Review:
Nach drei überwiegenden Einzelepisoden bringt uns "Der Feind meines Feindes" wieder zum großen, die komplette Serie umspannenden Handlungsrahmen zurück – und läutet damit eine Reihe ungemein starker Episoden und damit den mit Abstand bisher stärksten Lauf der Serie ein. Eingeleitet wird er von der Rückkehr einer der besten und interessantesten Nebenfiguren, die "Babylon 5" zu bieten hat: Alfred Bester. Bei seinen beiden Auftritten in den ersten beiden Staffeln war er recht eindeutig als Antagonist gezeichnet. In "Der Selbstversuch" begann man dies zum ersten Mal aufzuweichen, in dem er mit Garibaldi zusammen gegen eine Bedrohung an Bord der Station kämpfen durfte. Und nun erweist er sich sogar als Verbündeter von Sheridan & Co. im Kampf gegen die Schatten, getreu dem von Bester in der Episode zitierten und den deutschen Episodentitel beisteuernden Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund". Zudem darf er mit seiner Liebe für Carolyn eine bisher unbekannte Seite seiner Figur zeigen, die ihn menschlicher erscheinen lässt. Szenen wie sein Kommentar in Richtung Ivanova bezüglich der Augen ihrer Mutter sorgen dabei aber dafür, dass er uns auch nicht zu sympathisch wird. Jedenfalls wird die Figur durch diese neuen Erkenntnisse facettenreicher; zumal damit auch neuerlich eine reine schwarz/weiß-Zeichnung vermieden wird.
Um den einen größeren Kritikpunkt (neben den etwas zu dick aufgetragenen ISN-Szenen; vor allem das mit der "extremely popular martial law declaration" war dann doch etwas zu viel des Guten) an "Der Feind meines Feindes" aus der Welt zu schaffen: Ja, dass Dr. Franklin von all den Telepathen just Besters Geliebte auswählt, um sie aufzuwecken, ist schon ein gar großer – und bequemer – Zufall. Es ist eine billige dramaturgische Abkürzung, die ich verzeihen kann, weil sich "Babylon 5" einer solchen üblicherweise nicht bedient, und es ihnen daher ausnahmsweise durchgehen lassen will – die aber wohl eben genau deshalb auch so negativ hervorsticht. Und, weil sie in meinen Augen völlig unnötig war. Bester hätte einfach nur dabei sein müssen, wie man die Kryokapseln hereinbringt und seine Geliebte darunter entdecken müssen. Dann hätten sie Carolyn nicht zufällig, sondern absichtlich ausgewählt. Oder es hätte sich überhaupt aufgeklärt, dass Bester nicht einfach nur wusste, was der Frachter geladen hat, sondern auch, dass sie unter den Telepathen dort sein würde – was seine Motivation eigennütziger und zwielichtiger gemacht hätte. Stattdessen gibt es diesen Zufall aus narrativer Notwendigkeit heraus; etwas, dass "Babylon 5" sonst nicht nötig hat, und was vor allem auch deshalb so störend auffällt, als der Rest der Episode großartig ausgebaut und herausgearbeitet ist. So macht sich die Bester-Handlung die große Änderung des Status Quo von vor ein paar Episoden zuvor zunutze. Während Sheridan & Co. noch im geheimen gegen Präsident Clark gearbeitet haben, hätte man diese Geschichte so nicht erzählen können, da sie das Risiko, von Bester gescannt und verraten zu werden, nicht hätten eingehen können. Nun ist die Katze aus dem Sack, und sie mögen zwar immer noch nicht sonderlich darauf erpicht sein, dass Bester ihre Geheimnisse erfährt, aber bis auf die Bedrohung durch die Schatten, von der er ohnehin auch selbst weiß, gibt es eigentlich nicht mehr viel, mit dem er ihnen Schaden könnte.
Auch die Art und Weise, wie wir als Zuschauer den neuen Besprechungsraum kennenlernen, war großartig gemacht. Anstatt ihn uns einfach ohne Vorankündigung zu zeigen, oder bei seiner "Eröffnung" dabei zu sein, schauen wir praktisch G'Kar über die Schultern, als er in die Armee des Lichts aufgenommen wird. Der Raum selbst scheint schon seit längerem in Verwendung zu sein, doch so wie G'Kar sehen wir ihn hier zum ersten Mal. Auch die Offenbarung rund um die Telepathen war großartig vorbereitet. Als G'Kar Garibaldi das Buch G'Quan gegeben hat, dürften das die meisten Zuschauer als Verdeutlichung ihrer wachsenden Freundschaft interpretiert haben. Nun stellt sich heraus, dass mehr dahintersteckt, und damit die Erkenntnis vorbereitet wurde, dass die Telepathen im Kampf gegen die Schatten eingesetzt werden können. Tatsächlich geht diese Wendung aber natürlich noch viel weiter zurück, nämlich bis zum Pilotfilm, wo wir zum ersten Mal erfahren haben, dass die Narn über keine Telepathen (mehr) verfügen. Damals konnte man noch nicht erahnen, welche Bedeutung dieser Randbemerkung von G'Kar jemals zukommen würde - umso genialer wirkt es nun.
Eine weitere, etwas subtilere Verknüpfung, lässt sich bei Carolyns "kill to protect" erkennen – was stark an die ikarranische Waffe aus "Ein unheimlicher Fund" erinnert. Am wichtigsten ist aber natürlich die Erkenntnis, endlich eine Waffe gegen die Schatten gefunden zu haben – doch anstatt uns mit dieser optimistisch stimmenden Wendung zu entlassen, erfahren wir, dass der Krieg eskaliert. Was man bei anderen Serien vielleicht in Erwartung von actionreichen Weltraumkämpfen wohlwollend zur Kenntnis nehmen würde, ist bei "Babylon 5" vielmehr eine traurige, düstere, unheilverkündende Angelegenheit. Auch der Schwerpunkt der Episode überrascht mich immer wieder. Viele anderen Serien, insbesondere "Star Trek", hätten Carolyn schon viel früher aus der Stasis geholt, und sich danach auf das technologische Problem konzentriert, dass sie die Station übernimmt. Stattdessen ist dieser Teil der Handlung erstaunlich schnell vorbei, was ich höchst erfrischend finde. Neben der Handlung an sich weiß auch die Inszenierung zu gefallen. Vor allem die Szenen mit Carolyn, die sich unbedingt mit der Station verbinden will, sind herrlich düster, und lassen in die Serie wieder einmal leichte Horrorelemente einfließen. Als Teenager und überwiegende Horror-Jungfrau fand ich das damals jedenfalls durchaus erschreckend, und zumindest der Gedanke dahinter verfehlt auch heute seine Wirkung nicht. Davon abgesehen gibt es noch ein paar weitere phantastische Szenen, die hervorstechen. Eine Kleinigkeit, die ich immer sehr schön und amüsant finde, ist, wie Bester im Weißen Stern auf Sheridans Sessel Platz nimmt – und damit Chekov endlich auch einmal im "Captain's Chair" hocken darf. Die mit Abstand beste Szene der Episode gibt es aber nicht in der starken Handlung rund um Bester, seine Geliebte sowie die "Waffensysteme" der Schatten zu begutachten. Vielmehr ist es eine vergleichsweise stille, kleine Szene: Nämlich als Delenn G'Kar anvertraut, dass die Minbari von der Rückkehr der Schatten wussten.
Ein bewegender Moment, der zudem wieder einmal aufzeigt, wie sehr sich die Figuren – in diesem Fall vor allem G'Kar – in den letzten zweieinhalb Staffeln verändert haben. Der intrigierende, von Hass zerfressene, rachsüchtige G'Kar ist in dieser Figur jedenfalls nicht wiederzuerkennen, und doch ist die Entwicklung glaubhaft. Zudem hätten die meisten anderen Serien G'Kar wohl einfach in der Armee des Lichts begrüßt, und gehofft, dass der Zuschauer nicht mehr daran denkt, dass die Minbari im Prinzip die Narn sich selbst überlassen haben. Bei "Babylon 5" wird dies vielmehr offen thematisiert und zu einer der effektivsten, berührendsten und kraftvollsten Szenen der Serie gemacht, die mir auch beim x-ten Ansehen noch einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Keine Spannung im klassischen Sinne. Keine Action. Keine Bedrohung. Sondern einfach nur zwei Leute, ihre gegenseitige Vergangenheit, ein moralischer Konflikt, und die schrecklichen Konsequenzen einer Entscheidung. Mehr braucht "Babylon 5" nicht, um großartige und absolut denkwürdige TV-Unterhaltung zu bieten. Und da frage mich nochmal jemand, warum ich sie für die beste Serie aller Zeiten halte…
Fazit: Auf dem ersten Blick ist "Der Feind meines Feindes" eine vergleichsweise ruhige Folge; es gibt keine Bedrohung, keine Weltraumkämpfe, und auch sonst keine Action. Und doch tut sich genau genommen, wenn auch im Stillen, so einiges. "Der Feind meines Feindes" greift nach einigen Einzelepisoden die fortlaufende Handlung wieder auf, und präsentiert uns zahlreiche interessante Wendungen. In Bester – der uns in dieser Episode eine völlig neue Seite von sich zeigen darf und von Walter Koenig wieder einmal grandios gespielt wird – erhält die Armee des Lichts einen unerwarteten Verbündeten. Die Aufklärung der "Waffensysteme" die transportiert werden kommt durchaus überraschend, und leitet schließlich die Offenbarung ein, dass die Schatten vor Telepathen Angst haben, da diese ihre zentrale Steuerkomponente – lebende Wesen – blockieren können. Eine Erkenntnis, die auf das Buch von Q'Guan zurückgeht, und sogar bis zum Pilotfilm, in dem G'Kar bereits davon berichtet hat, dass sein Volk keine Telepathen (mehr) hat, zurückgeht. Doch anstatt uns mit dieser hoffnungsvollen Neuigkeit zu entlassen, erfahren wir am Ende, dass die Schatten nun offen andere Völker angreifen, und der lang gefürchtete Krieg gegen die Schatten damit nun endlich ausgebrochen ist. Die mit Abstand beste Szene der Folge ist jedoch jener stille, aber ungemein kraftvolle und berührende Moment, als Delenn gegenüber G'Kar ihr Geständnis ablegt. Dass es der Episode gelingt, lediglich mit zwei Protagonisten in einem Raum, die nichts weiter tun als sich zu unterhalten, eine derartige Intensität zu verströmen, legt auf beeindruckende Art und Weise Zeugnis über die Ausnahmequalität der Serie ab. Wertung: 4.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
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Quelle: "Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 3: Point Of No Return" Vom Skript zur Folge: Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 7" Kommentare von JMS
Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 7"
Jawohl, sie hätten ihm eine Liste bringen können… und er hätte den Namen sofort entdeckt, und seine eigene gleichgültige Haltung blips gegenüber hätte ihn nicht mitten ins Gesicht geschlagen… außerdem musste sie zu diesem Zeitpunkt bereits aufgetaut sein, und man kann sie nicht alle auf einmal auftauen. Ja, es war ein Zufall. Zeitliches Zusammentreffen/Simultaneität. Sowas passiert. In dieser Serie passiert das nicht häufig, fast nie. Ich stellte mir vor, sie war eine der letzten, die hineingebracht wurden, und deshalb die erste, die herausgebracht wurde. Simultaneität und Zufälle passieren nun mal. Wie oft hast Du nach dem Telefon gegriffen, um jemanden anzurufen, das Telefon klingelt, und Du stellst fest, dass dieser Jemand am anderen Ende der Leitung ist? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ödipus seinen Vater tötet und seine Mutter heiratet, wenn man bedenkt, wieviel Königreiche es gibt, die in Frage kommen? Solange sowas nicht übermäßig oft vorkommt, mache ich mir darüber keine Gedanken. Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5
Zusammengestellt von Christian Siegel
(Bilder © Warner Bros.)
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