| One Way Trip |
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3D-Horror aus der Schweiz
Kategorie:
Filme -
Autor: Christian Siegel - Datum:
Montag, 10 Oktober 2011 |
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Kurzinhalt: Eine Gruppe von jungen Erwachsenen kommt für einen Wochenendausflug der besonderen Art zusammen: Gemeinsam will man sich in ein abgelegenes Gebiet in den Schweizer Alpen begeben, wo ganz besondere Pilze wachsen, die den ultimativen Trip versprechen. Doch bereits der Weg dorthin verläuft nicht problemlos, hat man doch eine Reifenpanne – im Zuge derer man auch auf einem bedrohlich wirkenden Förster und seine nicht minder seltsame Tochter trifft. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der nächstgelegenen Tankstelle, wo man noch ein ebenfalls pannenbedingt gestrandetes Pärchen aufgabelt, erreicht man dann aber schließlich die gewünschte Lichtung. Kurz darauf befinden sich alle im Drogenrausch – doch als einer von ihnen mit blutüberströmtem Gesicht aus dem Wald hervortorkelt, wird aus dem drogenberauschten Spaß tödlicher Ernst. Man beschließt, ihn in das nächstgelegene Dorf zu bringen, um ihn dort besser behandeln zu können. Als sie sich in einem scheinbar verlassenen Haus niederlassen, kommt es kurz darauf zum ersten Todesopfer, und ihnen wird klar: Jemand hat es auf sie abgesehen! Review: "One Way Trip" ist ein durch und durch kommerzieller Horrorfilm – beweist jedoch auch, dass solche nicht unbedingt schlecht sein müssen. Im Gegensatz zu anderen Filmen des Genres geht es ihm nicht unbedingt darum, den Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen, oder gar, ihn zum Nachdenken anzuregen. Nein: "One Way Trip" möchte einfach nur gut unterhalten – und das gelingt ihm über weite Strecken des Films auch. Zugegeben, die Einleitung ist noch sehr gemächlich, und schafft es dennoch nur teilweise, uns die Figuren vorzustellen und sympathisch zu machen, doch wenn die Pilze dann mal verschlungen und man mit dem ersten blutüberströmten Opfer das nahegelegene Dorf aufsucht, steigern sich Spannung und Unterhaltungswert stetig. Die Filmtode sind gut platziert, ebenso gut inszeniert, und durchaus abwechslungsreich gestaltet. Sehr positiv auch, dass Regisseur Markus Welter auch bei den Schockmomenten (die bei einem solchen "Achterbahn"-Horrorfilm ja zum guten Ton gehören) angenehm fair bleibt und darauf verzichtet, die Lautstärke auf kurz vor Hörsturz anzuheben.
Generell ist die Inszenierung definitiv gelungen. Zu Beginn fängt der Regisseur die Schönheit der Landschaft gekonnt ein – hier wirkt "One Way Trip" fast wie ein Werbevideo des schweizer Tourismusverbandes. Nachdem das große Sterben beginnt, behält er ein konstant hohes Tempo bei, jedoch ohne durch den Film zu hetzen – er lässt nach wie vor den Figuren Luft zum Atmen und dem Schrecken genug Zeit, um beim Zuschauer einzusacken. Vor allem im späteren Verlauf gibt es einige atmosphärisch sehr dichte Szenen, welche für einiges an Spannung sorgen. Vor allem aber fand ich "One Way Trip" ungemein abwechslungsreich. Mal wird ein Filmtod herausgezögert und damit die Spannung gesteigert, dann kommt er wieder plötzlich und sehr überraschend. Mal ist der Film angenehm brutal, dann überlässt Welter die Details wieder dem Zuschauer. Mal findet der Überlebenskampf im finsteren statt, ein andermal sind wir an vorderster Front dabei und können mit den Figuren mitfiebern. Auch der immer wieder eingestreute Humor trägt viel zum Gelingen des Films bei. Was den 3D-Effekt betrifft: Vor allem der Einstieg profitiert von der zusätzlichen Tiefe des Bildes, darüber hinaus sind es aber in erster Linie die sporadisch eingestreuten "in your face"-Momente, die überzeugen können. Neben einem diesbezüglichen, eher witzigen Moment während des Drogenrauschs bleibt vor allem jener während eines Filmtodes in Erinnerung. Mehr sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Für die Besetzung hat man eine gute Mischung aus schweizer und österreichischen DarstellerInnen gewählt. Als Aushängeschild dient dabei vor allem hierzulande Sabrina Reiter, die sich mit ihren beiden Auftritten in der "In 3 Tagen bist du tot"-Duologie ihren Platz in der "Hall of Fame" der "leading horror ladies" bereits hochverdient hat, und einer der Hauptgründe war, dass ich diesem "Trip" überhaupt eine Chance gegeben habe. Martin Loos ist dem österreichischen Horror-Fan ebenfalls aus dieser Reihe (genauer gesagt Teil 2) bekannt, während Tanja Raunig vor allem aus dem empfehlenswerten, schwarzhumorigen TV-Zweiteiler "Die Aufschneider" bekannt ist. Aus der Riege der schweizer DarstellerInnen war zumindest mir bisher lediglich Melanie Winiger ein Begriff, die zuletzt in der (definitiv nicht empfehlenswerten) deutschen Komödie "Resturlaub" zu sehen war; doch auch die mir bisher unbekannten Gesichter lieferten allesamt Leistungen ab, die ich deutlich über dem Durchschnitt der handelsüblichen Teenie-Slasher aus Hollywood einordnen würde. In erster Linie stach für mich aber wieder einmal Sabrina Reiter hervor – wenn sie hier auch drehbuchbedingt nicht an ihre grandiose Leistung aus "In 3 Tagen bist du tot 2" herankommen mag.
Das Highlight des Films war für mich der gut inszenierte Showdown, zuerst neben, dann in einer Grube. Begeistert war ich auch von einer tollen Kamerafahrt gegen Ende hin – wenn ihr es seht, werdet ihr wissen, was ich meine. Weniger gut gefallen hat mir hingegen das in letzter Zeit etwas zu sehr in Mode gekommene Stilmittel, eine Szene aus dem weiteren Verlauf des Films an den Anfang zu stellen. Nicht nur, dass mir dieser inszenatorische Kniff in letzter Zeit einfach etwas zu inflationär Verwendung findet – gerade auch im Horror-Genre – nimmt es dem danach folgenden Geschehen auch etwas an Spannung. Der größte Kritikpunkt ist jedoch ein absolut entbehrlicher Twist in letzter Sekunde. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir nicht sicher bin, ob das logi(sti)sch gesehen denn überhaupt Sinn macht (zwar werden uns einige erklärende Szenen gezeigt, aber ich wage es zu bezweifeln, dass diese Erklärung wirklich für jede einzelne Szene des Films funktioniert), bin ich es einfach Leid, dass mittlerweile jeder Horrorfilm meint, mit einem überraschenden Twist am Ende auffahren zu müssen. Da kommt man ja fast in Versuchung, den Erfolg des – auch abseits des Schlussgags grandiosen – "Sixth Sense" zu verfluchen. Die aufdringliche "Keine Macht den Drogen!"-Message, die hier mit dem Zaunpfahl eingeprügelt wird, gibt dieser Wendung am Ende schließlich den Rest, und sorgt für einen enttäuschend-unversöhnlichen Ausklang eines bis dahin wirklich unterhaltsamen und gelungenen Horrorfilms. Fazit: Zugegeben, überschäumende Originalität kann man diesem schweizer Horrorfilm nicht bescheinigen – dennoch hat sich aus meiner Sicht der "Trip" ins Kino durchaus gelohnt. "One Way Trip" ist ein spaßiger, unterhaltsamer Horrorfilm, der vor allem mit einer guten Mischung aus gelungen in Szene gesetzten Filmtoden, einer dichten Atmosphäre sowie dem einen oder anderen (angenehm fair und gehörgangschonend umgesetzten) Schockmoment besticht. Dabei ist wichtig zu bedenken, dass es sich hier nicht um einen jener Horrorfilme handelt, welche die Zuschauer in Angst und Schrecken versetzen wollen – vielmehr möchte er in erster Linie gut unterhalten. Ein "Achterbahn"-Horrorfilm also, in dem man in einem Moment die Luft anhält, um im nächsten erleichtert loszulachen. Neben der gelungenen Inszenierung durch Markus Welter erweist sich dabei vor allem das überzeugende Ensemble als wichtiger Stützpfeiler, wobei für mich erneut vor allem Sabrina Reiter mit einer gefälligen Performance hervorstach. Die gelegentlich eingestreuten 3D-Effekte sind dann schließlich das Tüpfelchen auf dem (Tr)"i"(p). Einzig die Wendung in letzter Sekunde – aufdringliche Message inklusive – hätte man sich meines Erachtens sparen sollen; davon abgesehen ist "One Way Trip 3D" aber ein (überraschend?) brauchbarer schweizerischer Eintrag ins Horror-Genre.
Wertung:6 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © Thim Film)
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