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No Country for Old Men Drucken E-Mail
Blutige Literaturverfilmung der Coen-Brüder Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 23 Februar 2008
 

No Country for Old Men
No Country for Old Men
(No Country for Old Men, USA 2007)
 
Studio/Verleih: Paramount Vantage
Regie: Ethan & Joel Coen
Produzenten: U.a. Ethan & Joel Coen, Robert Graf und Mark Roybal
Drehbuch: Ethan & Joel Coen, nach dem Roman von Cormac McCarthy
Musik: Carter Burwell
Kamera: Roger Deakins
Genre: Thriller/Drama
Kino-Start (Deutschland): 28. Februar 2008
Kino-Start (USA): 21. November 2007
Laufzeit: 122 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Homepage: klick
Trailer: klick
Film kaufen: DVD
Mit:Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones, Woody Harrelson, Kelly Macdonald, Garret Dillahunt u.a.


Kurzinhalt: ImageDer gemeinsam mit seiner Frau in einem Wohnwagen lebende Llewelyn Moss stolpert bei seinem Streifzug durch die Wüste zufällig auf den Schauplatz eines Verbrechens: Mehrere Menschen sind offenbar Opfer eines Bandenkrieges bzw. eines missglückten Drogendeals geworden. Bei einem der Leichen findet Llewelyn schließlich einen Koffer, in dem sich 20 Millionen Dollar befinden. Ohne lange zu Fackeln schnappt er sich den Koffer und eilt nach Hause. Doch in der Nacht plagen ihn Schuldgefühle, war doch einer der Männer noch am Leben, und bat ihn um Wasser. Und so kehrt er mitten in der Nacht zum Tatort zurück – vergeblich, denn der Mann ist mittlerweile verstorben. Gerade als er wieder nach Hause zurückkehren will, kommen zwei andere Männer zum Schauplatz des Verbrechens. Mit letzter Not gelingt es ihm, zu fliehen, doch er weiß nun, dass sie seine Fährte aufgenommen haben. Seine Frau schickt er zu deren Mutter, damit sie in Sicherheit ist, und er selbst quartiert sich in einem Motel ein. Er hofft, dass die Gangster die Suche aufgeben, wenn er nur lange genug untertaucht. Doch mittlerweile hat sich ein rücksichtsloser Killer, der keine Gnade kennt und über kein Gewissen zu verfügen scheint, an seine Fersen geheftet...

Review: Nach ein paar schwächeren Filmen wie "Ladykillers" und "Ein unmöglicher Härtefall" haben die Coens mit "No Country for Old Men" zu alter Stärke zurückgefunden, und ihren bisher wohl pessimistischsten Film abgeliefert. Im Gegensatz zum ironisch-schwarzhumorigen "Fargo" ist "No Country for Old Men" ungemein düster und ernst. Eigentlich besteht ab dem Moment, wo Llewelyn Moss über den Geldkoffer stolpert und ihn mitnimmt kein Zweifel daran, dass diese Entscheidung fatale Folgen für ihn haben wird. Trotzdem kommt man nicht umhin, diesen schlichten aber aufrechten Mann sympathisch zu finden und ihm zu wünschen, dass er aus diesem Schlamassel, in das er sich selbst gebracht hat, auch heil wieder herauskommt. Er ist ein einfacher Mann, der im Geldkoffer die Chance seines Lebens sieht, und sich erst zu spät bewusst wird, welche Konsequenzen damit einhergehen. Trotzdem beschließt er, sich seinem Schicksal nicht einfach zu ergeben sondern zu kämpfen. Dass er dabei den ganzen Film über zu glauben scheint, dass er doch tatsächlich siegreich sein könnte, macht ihn als Figur nur um so tragischer – und sein absehbares Scheitern um so berührender.

ImageAuch wenn Llewelyn in gewisser weise die Hauptfigur ist, die tragende und handlungsbestimmende Figur ist definitiv Anton Chigurh. Er ist es, der den Film vorantreibt und beim Zuschauer auch den größten Eindruck hinterlässt. Angesichts der vielen Serienkiller, welche die Filmwelt bereits hervorgebracht hat, könnte man ja meinen, dass es keine entsprechende originelle Figur mehr geben könnte, aber Anton ist ganz anders als jeder Bösewicht, der bisher über die Leinwand wandelte. Er ist zwar eher still, aber auch nicht übertrieben wortkarg – er sagt halt einfach nur dann etwas, wenn es auch wirklich etwas zu sagen gibt. Er mordet völlig kaltblütig und erbarmungslos, ohne das geringste Gewissen zu zeigen und ohne auch nur einen Hauch von Reue oder Mitleid. Am ehesten könnte man ihn wohl noch mit dem Terminator vergleichen: Ein skrupelloser Killer, mit dem man nicht verhandeln kann, und der sich durch nichts davon abbringen lassen wird, dich zu töten. Was ihn jedoch fast noch eine Spur beängstigender macht, ist dass er im Gegensatz zum Terminator, der nur ein bestimmtes Ziel verfolgt, teilweise völlig wahl- und grundlos mordet. Ein menschenverachtender Psychopath, dem man besser nicht in die Quere kommt.

Angesichts dieser den Film überragenden und bestimmenden Präsenz treten alle anderen Figuren in den Hintergrund – auch Sheriff Ed Tom Bell, der versucht, Llewelyn ausfindig zu machen und den Killer rechtzeitig zu stoppen. Doch auch bei ihm handelt es sich um eine durchaus interessante Figur. Er scheint in seinem Leben bzw. in seinem Beruf schon so viel Blut, Gewalt und Leichen gesehen zu haben, dass ihm nichts mehr wirklich aus der Ruhe zu bringen scheint. Vermutlich ist es auch diese Gleichgültigkeit, die ihn am Ende dazu bewegt, seinen Job an den Nagel zu hängen – aber das ist nur meine Interpretation, und der Film lässt bestimmt auch andere Schlüsse zu. Ebenfalls noch eine nicht unwichtige Rolle spielt Llewelyns Frau Carla. Sie ist an den Geschehnissen völlig unschuldig, dennoch wird auch ihr Leben durch Llewelyns Tat völlig aus der Bahn geworfen. Von allen handelnden Figuren ist sie sicher diejenige, die ihr Schicksal am wenigsten verdient.

ImageDas Casting für "No Country for old Men" ist wirklich sehr gut gelungen. Alle Schauspieler passen wie die Faust aufs Auge in ihre Rollen und füllen diese perfekt aus. Josh Brolin spielt Llewelyn genau so wie er sein soll, nämlich als einfachen, aber auch entschlossenen Mann, der zu spät erkennt, in welches Schlamassel er sich da hineinmanövriert hat, und sich mit der Unausweichlichkeit seines Schicksals partout nicht abfinden will. Letzteres ist wohl auch das einzige, dass man der Figur ernstlich vorwerfen kann - zumal er mit seiner Entscheidung, ein Angebot des Killers auszuschlagen, auch das Leben von anderen Personen ruiniert - nicht absichtlich, versteht sich, aber aufgrund seines zwanghaften Optimismusses und seiner Überzeugung, siegreich aus diesem Duell mit einem Profikiller hervorgehen zu können. Egal ob dieser naive Optimismus, die Paranoia und Verzweiflung oder auch seine Beharrlichkeit, Josh Brolin vermittelt die Gefühle seiner Figur stets perfekt. Tommy Lee Jones leidet darunter, dass er schon viele ähnliche Rollen gespielt hat, weshalb es ihm nicht ganz so gelingt zu glänzen. Kelly Macdonald meistert ihre zwar unscheinbare, aber nichtsdestotrotz wichtige Rolle perfekt, und darf vor allem gegen Ende des Films in einer dessen besten Szenen glänzen.

Die zweifelsohne beste und bestimmende Leistung des Films liefert aber ohnehin Javier Bardem als ruchloser Killer ab. Er besitzt als Anton eine ungemeine Präsenz, die den Zuschauer in all seinen Szenen unweigerlich in den Bann zieht und dazu führt, dass man die Augen nur schwer von ihm abwenden kann. Wie ein Magnet zieht er die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich und sorgt mit seiner perfekten Darstellung dieses beängstigenden Psychopathen für zahlreiche kalte Schauer. Ein weiterer wesentlicher Aspekt seiner Performance bzw. der Figur ist die Unberechenbarkeit. Zu keinem Zeitpukt des Films weiß man genau, was Anton wohl als nächstes machen und wie er sich in welcher Szene verhalten wird. Es ist unter anderem diese Ungewissheit, die Anton zu einer ungemein bedrohlichen Figur werden lässt, und zu der Bardem durch seine perfekte schauspielerische Leistung maßgeblich beiträgt. Auch die Gewissenlosigkeit und die teils fast stoische Ruhe, mit der Anton zu Werke geht, sorgte bei mir regelmässig für Gänsehaut, und auch diesen Aspekt seiner Rolle vermittelt Javier Bardem auf großartige Art und Weise. Und so gelingt es ihm gemeinsam mit dem großartigen Drehbuch, einen der beeindruckendsten und bedrohlichsten Bösewichte der Filmgeschichte zu erschaffen. Alles andere als ein Oscar wäre für diese den Film dominierende schauspielerische Leistung jedenfalls eine Frechheit.

ImageInszenatorisch gibt es an "No Country for Old Men" nichts zu bemängeln. Schöne Landschaftsaufnahmen wechseln sich gekonnt ab mit brutalen und schonungslosen Bildern der Gewalt. Auch an Atmosphäre mangelt es diesem Thriller der Coens nicht - vor allem jene Szene, als sich Llewelyn Moss soeben in ein Motel begeben hat, er jedoch den Portier nicht erreichen kann und daher vermutet, dass der Killer gleich vor seiner Tür stehen wird, ist ungemein spannend und absolut großartig. Die Musik bliebt zwar sehr im Hintergrund, trug aber ebenso einen nicht unwesentlichen Teil zum Gelingen des Films bei. Das einzige, was mich an "No Country for Old Men" gestört hat und was die Höchstwertung verhindert, ist das Ende. Da ich hier in Spoilerterritorium vordringen muss, empfehle ich allen, die den Film noch nicht gesehen haben und dies so unvorbereitet wie möglich tun wollen, erst beim Fazit weiterzulesen.

Die Coens treffen am Ende eine sehr mutige Entscheidung, die bei mir jedoch nicht unbedingt auf viel Gegenliebe gestoßen ist. Nachdem Llewelyn Moss in einem weiteren Motel angekommen ist, wo er sich im Laufe des Tages mit seiner Frau und deren Mutter treffen will, machen wir auf einmal einen Zeitsprung, und erleben, wie Sheriff Bell zum Ort des Geschehens fährt. Kurz darauf erfahren wir, dass Llewelyn – offenbar von Anton – ermordet wurde. Dies so aus zweiter Hand zu erfahren und den Ausgang dieses Duells bzw. die ultimative Konsequenz seiner Entscheidung nicht unmittelbar mitzuerleben, fand ich nachdem man fast 2 Stunden mit ihm mitgefiebert hat schon sehr schade. Wohlgemerkt: Es geht mir bei meiner Enttäuschung nicht darum, dass ich unbedingt mehr Action, Gewalt und/oder Blut hätte sehen wollen, aber da wir Llewelyn's Flucht so lange mitverfolgen, hätte ich es schon passend gefunden, auch am Ende dabei zu sein. So fühlte ich mich doch irgendwie ausgeschlossen...

ImageUnabhängig davon hatte ich gleich nach dem Ende des Films den Eindruck, dass man ihn mit einem cleveren Kniff doch noch hätte besser machen können: Nämlich wenn sich die Handlungen nicht paralell abgespielt hätten, sondern die Coens die Story des Films in 3 sich teilweise überlappenden Einzelepisoden erzählt hätten. Zuerst die Geschichte von Llewelyn, wie er den Koffer findet, von Motel zu Motel flüchtet, bis hin zu jener Szene, als er am Pool die eine Frau kennenlernt. Danach hätte ich die Geschichte des Sheriffs erzählt, vom ersten Eintreffen am Tatort bis zum Gespräch am Ende mit seiner Frau. Als letztes hätten wir dann Anton's Erlebnisse mitverfolgt. Man stelle sich nur vor, wie spannend und genial das hätte sein können: Wenn wir die Geschichte aus Llewelyns Perspektive erleben, haben wir keine Ahnung, wo sich der Killer gerade aufhält. Ist er schon ganz in der Nähe, hat er ihn schon aufgespürt, oder ist Llewelyn noch sicher? Dies hätte die Spannung meines Erachtens ins Unermessliche steigern können. Wir hätten dann wirklich nur so viel gewusst wie Llewelyn, und hätten uns so wohl noch mehr in ihn hineinversetzt und seine Furcht und Unsicherheit geteilt.

Danach hätten wir in der Handlung des Sheriffs gesehen, wie dieser versucht Llewelyns Frau dazu zu überreden, ihm zu helfen, und wie er am Ende zu seiner Rettung eilen wollte, nur um zu erkennen dass er zu spät ist. Auch hier hätten wir also nur abseits von Llewelyns Tod erfahren. Im letzten Segment hätten wir dann allerdings genau erfahren, wie es dazu kam, hier hätte ich also auch den Showdown, nur halt aus der Sicht von Anton, gezeigt. Geendet hätte es dann schließlich nach dem Besuch bei Llewelyns Frau (deren weiteres Scihcksal ich genau so offen gelassen hätte) und dem Unfall, nach dem Anton ungehindert und seelenruhig die Straße entlangspaziert. Meines Erachtens wäre dies das perfekte Ende gewesen... denn den Gedanken, dass dieser kaltblütige Killer unbehindert durch die Straßen wandert, auf der Suche nach seinem nächsten Opfer, finde ich extrem beunruhigend. Ich erwarte natürlich nicht von euch, dass ihr meine Ansciht teilt – aber für mich hätte diese Aufteilung in drei Episoden aus einem großartigen Film ein Meisterwerk gemacht.

Fazit: "No Country for Old Men" ist ein düsterer, pessimistischer Thriller der Coen-Brüder über die Belanglosigkeit, Willkür und vor allem Unausweichlichkeit des Todes, personifiziert von einem der erscheckendsten und bedrohlichsten Bösewichte der Filmgeschichte. Der von Javier Bardem beeindruckend dargestellte Anton ist ein Killer ohne Gewissen, der wahllos mordend durch das Land zieht und sich von nichts und niemandem davon abhalten lässt, seinen Auftrag auszuführen. Llewelyn Moss ist ein Jedermann, der durch eine unbedarfte Handlung ins Visier dieses Killers gerät, und bis zuletzt die Unausweichlichkeit seines Schicksals nicht akzeptieren will. Ein stellenweise sehr spannender, aber nichtsdestotrotz durchaus anspruchsvoller Thriller, dessen Ende den einen oder anderen vor den Kopf stoßen könnte, und dem meines Erachtens das letzte Quentchen Cleverness in der Erzählweise zum ganz großen Meisterwerk fehlt. Trotz dieses kleinen Hakens ein Pflichtprogramm für Cineasten und Coen-Fans, und ein Filmerlebnis, dass man so schnell nicht vergessen wird.

Wertung: 9 von 10 Punkten
Christian Siegel
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Kommentare (2)
RSS Kommentare
1. 18.04.2008 11:02
 
Anton hat Llewelyn nicht umgebracht, paralell waren noch die Mexikaner auf ihn angesetzt (darum hat Anton ja auch den Boss umgebracht); Llewelyn war einmal unvorsichtig und ist der Frau, die am Pool saß, wohl in ihr Zimmer gefolgt und dann haben sie zugeschlagen.
 
Ivy
2. 03.04.2010 01:23
 
aufn sack
liebe filmemacher und solche die sich so nennen ich kann jetzt nicht schlafen wieso ist der msacker mit der eisenherz frise net doot 
wer hat ihn angefahren und was will der opa habt ihr dat drehbuch verbaselt oder wat
 
lutschfinger

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