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The Sandman - Vol. 1: Präludien & Notturni Drucken E-Mail
Auftakt zu Neil Gaimans gefeierter Comic-Saga Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 22 Januar 2022
 
Titel: "Präludien & Notturni"
Originaltitel: "Preludes & Nocturnes"
Bewertung:
Autor: Neil Gaiman
Übersetzung: Gerlinde Althoff
Illustrationen: Sam Kieth, Mike Dringenberg & Malcolm Jones III
Farben: Daniel Vozzo
Lettering: Todd Klein (E)
Cover: Dave McKean
Umfang: 240 Seiten
Verlag: Panini (D), Vertigo (E)
Veröffentlicht: 18. April 2007 (D), 1991 (E)
ISBN: 978-3-866-07355-5 (D)
Kaufen: Taschenbuch (D), Taschenbuch (E)
 

Kurzinhalt: Mr. Burgess führt einen mystischen Kult an. Im Jahr 1916 gelingt es ihm dann schließlich, den letzten erforderlichen Gegenstand für ein ganz besonderes Ritual an sich zu bringen. Zusammen mit seinen Jüngern möchte er den Tod einfangen, und so die Welt von ihm befreien. Zwar gelingt es ihnen tatsächlich eines der sogenannten unendlichen Wesen zu fangen, statt dem Tod landet jedoch vielmehr der Traum in ihren Fängen – etwas, worunter die Menschheit in den darauffolgenden Jahrzehnten seiner Gefangenschaft leidet. Traum – auch unter den Namen Morpheus und Sandmann bekannt – hat keine andere Wahl, als geduldig auf eine Gelegenheit zu warten, zu fliehen. Als Burgess stirbt, übernimmt dessen Sohn die Geschäfte – und damit auch die Herrschaft über Traum. Eines Tages jedoch ist einer der Wachen unvorsichtig, und schläft ein – was diesem die Möglichkeit gibt, seinem Gefängnis zu entkommen. Nachdem er an Burgess Jr. bittere Rache genommen hat, kehrt er in sein Reich zurück, und findet dieses in verfallenem Zustand vor. Um seine alte Macht wieder zurückzuerlangen, muss er drei Gegenstände, mächtige Talismane, an sich bringen, die ihm gestohlen wurden: Einen Beutel mit Sand, einen Helm, und seinen rubinroten Mondstein…

Review: Üblicherweise warte ich mit dem Lesen einer Vorlage, bis ich den jeweiligen Film oder die betreffende Serie gesehen habe (das jüngste Beispiel hierfür ist "The Expanse", wo ich mich nun daran machen werde, mir die Romane vorzuknöpfen). Es gibt aber auch Ausnahmen, wo die Ankündigung, Produktion oder bevorstehende Veröffentlichung einer Adaption vielmehr der Grund ist, mir ein Werk, auf dass ich schon lang ein Auge geworfen habe, endlich vorzuknöpfen. "Sandman" ist nun eine eben solche Ausnahme, was nicht zuletzt daran liegt, als ich zu Neil Gaimans Werk – im Gegensatz zu, um bei dem Beispiel zu bleiben, "James S. A. Corey" – bereits einen recht starken Bezug habe. Zwar gibt es immer noch einiges von ihm, was ich nicht gelesen habe, und insbesondere bei seinen jüngeren Werken hinke ich gerade etwas hinterher. Dennoch würde ich mich zu den Fans seines Schaffens zählen. "Sandman" hatte ich mittlerweile sehr lange auf meiner Liste, und 2013 die damals erhältliche Sammeledition (mit den Ausgaben 1-10) bestellt. Nun habe ich die anstehende Netflix-Adaption (die ich dann ebenfalls besprechen werde) zum Anlass genommen, um mich endlich über die Saga zu stürzen. Wenn man sich einem derart gefeierten Werk zum ersten Mal widmet, ist es praktisch unmöglich, die eigene Erwartungshaltung im Zaum zu halten. Insofern hatte ich die Befürchtung, dass die Lobeshymnen die ich über "Sandman" gehört hatte dafür sorgen würden, dass ich vom Endprodukt dann gar nicht mal soooo begeistert wäre. Zumindest mal im Hinblick auf "Preludes & Nocturnes" war hingegen vielmehr das Gegenteil der Fall, gelang es dem ersten Band doch, meine ohnehin schon hohen Erwartungen nochmal zu übertreffen.

Hier versammelt sind die ersten acht Einzelcomics, die ursprünglich im monatlichen Abstand veröffentlicht wurden. Den Auftakt macht "Sleep of the Just", wo erzählt wird, wie es Mr. Burgess und seinem Kult gelingt, Dream/Sandman/Morpheus – wie auch immer ihr ihn nennen wollt – gefangen zu nehmen. Hierbei stach für mich vor allem die Erzählweise vor, ist es doch insofern eine höchst ungewöhnliche Vorstellung der Hauptfigur, als diese hier eigentlich nur als Nebencharakter in Erscheinung tritt. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Machenschaften von Mr. Burgess und seinem Sohn, sowie die Auswirkungen der Gefangennahme des Sandmanns auf einzelne Menschen, wie Ellie Marsten, Daniel Bustamonte, Stefan Wasserman und Unity Kinkaid. Zudem erstreckt sich die Geschichte hier über mehrere Jahrzehnte, bzw. quasi eine Lebensdauer. Das fand ich schon sehr faszinierend. Und die Strafe, die Burgess Jr. dann erdulden muss, zählt mit zum Erschreckendsten, was mir in Erzählungen jemals untergekommen ist. Ein wirklich phänomenaler, faszinierender Auftakt. "Imperfect Hosts" ist dann ein bisschen ein Zwischenspiel. Dream kehrt in sein Reich zurück, und trifft nicht nur auf einige seiner Diener – darunter auch Kain und Abel (die Einbindung mythologischer und/oder biblischer Figuren in die Erzählung hier ist ein weiteres faszinierendes Element) – in erster Linie geht es aber darum, die Mission für den ersten Zyklus der Reihe zu etablieren: Der Sandmann möchte jene mächtigen Artefakte an sich bringen, die ihm gestohlen wurden, weshalb er sich an eine Art siamesische Drillingshexe wendet. Inhaltlich fand ich die Geschichte hier aber nicht ganz so spannend wie den Einstieg.

In "Dream A Little Dream of Me" hat dann – da "Sandman" ja im DC-Universum angesiedelt ist – die erste Figur einen größeren Auftritt, die auch mir bekannt ist. Wenn auch zugegebenermaßen nicht aus Comics, sondern den beiden Interpretationen aus Film und Fernsehen aus den letzten zwei Jahrzehnten: John Constantine (wobei ich vom Film mit Keanu Reeves nicht viel hielt, und die Serie an sich auch noch nicht gesehen habe, jedoch aufgrund seiner Auftritte in anderen, im gleichen Universum angesiedelten Serien wie "Arrow" und "Legends of Tomorrow" Matt Ryan in der Rolle sehr schnell überaus zu schätzen lernte). Die Paarung Sandman/Constantine konnte mir sehr gut gefallen, und auch die Verwendung zahlreicher Songs rund um Träume fand ich cool. In "A Hope in Hell" verschlägt es Traum dann schließlich in die Hölle, und deren Interpretation fand ich echt furchterregend. Generell muss ich sagen; auch wenn jene Werke von Neil Gaiman die ich schon kenne bei allem Humor zweifellos auch immer mit gewissen düsteren Horror-Elementen geflirtet haben, aber eine derart trostlos-deprimierende (wenn auch natürlich zum Thema passende) Umsetzung hätte ich ihm irgendwie nicht zugetraut. Für mich stach eben dies jedenfalls hervor, während das Duell rund um seinen Helm doch etwas unspektakulär war. Mit "Passengers" rückt dann schließlich der erste große Gegner dem sich Morpheus im Zuge dieser Reihe stellen muss in den Mittelpunkt: Dr. Destiny. Mit seinem Ziel, die ganze Welt in einem einzelnen Alptraum versinken zu lassen, ist er quasi die Antithese zum Sandman; wobei ich es nicht zuletzt schön fand, wie Neil Gaiman selbst dieser abscheulichen Figur in weiterer Folge (wenn auch erst in einer späteren Ausgabe) eine gewisse Menschlichkeit gewährt. Zuvor erweist er sich in "24 Hours" allerdings als ein absolut furchterregender Bösewicht. Dieser Comic war sogar noch einmal erschreckender und brutaler als das Segment in der Hölle, und mag gut und gerne das düsterste sein, dass Neil Gaiman je geschrieben hat. Was nicht als Kritik gemeint ist!

In "Sound and Fury" kommt es dann schließlich zum Showdown zwischen Sandman und Dr. Destiny. Genau dort wird dieser dann eben auch, nachdem er besiegt wurde, von seiner menschlichen Seite gezeigt, und gelingt es Gaiman trotz seiner abscheulichen Taten zuvor, beim Leser doch zumindest einen Hauch von Mitgefühl für ihn zu wecken. Den Abschluss bildet dann "The Sound of Her Wings", ein phänomenaler Epilog mit einer großartigen, fast schon romantischen Interpretation von Tod, die mit einigen Momenten aufwartete, die mich doch ordentlich zu berühren vermochten. Neben den Geschichten selbst, und Neil Gaimans wunderbarem Schreibstil, stach auch die künstlerische Gestaltung hervor. Einerseits mit einem sehr eigenen Stil, der noch dazu nicht in Stein gemeißelt ist. Unabhängig vom Wechsel einzelner Illustratoren kann dieser nämlich teilweise im gleichen Comic (vom gleichen Künstler) von einer Seite zur nächsten Wechseln. Nicht zuletzt Einlagen wie z.B, wenn das Bild auf einmal völlig monochrom ist, hatten es mir ungemein angetan. Was die Farbgebung betrifft, sei erwähnt, dass meine Ausgabe die neukolorierte ist, und ich daher zur ursprünglichen Veröffentlichung nichts sagen, und auch keinen Vergleich ziehen kann. In jedem Fall hat mir aber auch diese sehr zugesagt, wobei auch hier wieder vor allem die Abwechslung hervorstach, da auf manche recht farblos-graue Bilder dann auf einmal knallbunte Farben folgten. Insgesamt war ich von "Präludien & Notturni" jedenfalls wirklich angetan, um nicht zu sagen begeistert, und freue mich dementsprechend nun schon auf die weiteren Bände der Saga (sowie die Netflix-Adaption)!

Fazit: Mit "Präludien & Notturni" legt(e) Neil Gailmans "Sandman"-Reihe einen so faszinierenden wie vielversprechenden Start hin. Das Setting hatte es mir dabei ebenso angetan, wie der Rückgriff auf verschiedenste mythologische Figuren, die Entwicklung der Geschichte, die teilweise ungewöhnliche Erzählweise, Neil Gaimans wunderbarer Schreibstil, sowie die eigenwillige, mich aber enorm ansprechende künstlerische Gestaltung. Ein oder zwei der hier versammelten acht Bände fallen zwar im Vergleich zum Rest ein klein wenig ab – und sorgen somit dafür, dass der Sammelband für die weiteren Teile der Reihe noch ein kleines bisschen Luft nach oben lässt. Insgesamt fand ich "Präludien & Notturni" aber im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch, wobei es mir insbesondere der Auftakt und das Finale enorm angetan hatten.

Bewertung: 4.5/5 Punkten
Christian Siegel
Coverbild © 2018 Vertigo






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