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The Nightingale Drucken E-Mail
Starker Rachethriller der "Babadook"-Regisseurin Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Mittwoch, 21 Oktober 2020
 
Halloween-SPECiAL

 
The Nightingale
Originaltitel: The Nightingale
Produktionsland/jahr: Australien 2018
Bewertung:
Studio/Verleih: Causeway Films/IFC Films/Koch Media
Regie: Jennifer Kent
Produzenten: U.a. Kristina Ceyton, Steve Hutensky, Bruna Papandrea & Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Filmmusik: Jed Kurzel
Kamera: Radek Ladczuk
Schnitt: Simon Njoo
Genre: Thriller
Heimkino-Premiere Deutschland: 25. Juni 2020
Kinostart Australien: 29. August 2019
Laufzeit: 136 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 18
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Aisling Franciosi, Michael Sheasby, Claire Jones, Damon Herriman, Sam Claflin, Harry Greenwood, Eloise Winestock, Ewen Leslie, Baykali Ganambarr u.a.


Kurzinhalt: Tasmanien im Jahr 1825: Der britische Offizier Hawkins hat nun schon länger ein Auge auf Clare geworfen, die dort die Soldaten im Gasthof bedient und mir ihrer wunderschönen Stimme verzaubert. Eines Abends lässt er sie nach ihrer Vorstellung in sein Zimmer bringen, und vergewaltigt sie. Als Clares Mann Aidan davon erfährt, ist er außer sich. Nachdem er Hawkins angreift, lässt es sich dieser nicht nehmen, zurückzuschlagen, und Aiden eindrucksvoll zu beweisen, wer hier am längeren Ast sitzt. Clare überlebt den Besuch schwerstverletzt, und steht nun vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Nun ist sie nur mehr von einem einzigen Gedanken beseelt: Rache. Sobald sie wieder halbwegs auf den Beinen ist, will sie Hawkins für seine Tat büßen lassen, ganz egal, was daraufhin dann mit ihr geschieht. Doch dieser ist mittlerweile in Richtung eines neuen Postens aufgebrochen. Sobald er seine neue Stellung erreicht hat, wird es schwer bis unmöglich sein, an ihn heranzukommen, weshalb Clare ihn unbedingt auf dem Weg dorthin abfangen soll. Doch dafür braucht sie die Hilfe eines einheimischen Spurenlesers. Mit dem letzten Geld, das ihr noch geblieben ist, heuert sie den Aborigine Billy an, sie zu führen. Doch der Weg zu ihrer Rache ist steinig, und mit zahlreichen Gefahren, Rückschlägen und Herausforderungen gepflastert…

Review: Szenenbild. So lange wie auf "The Nightingale" habe ich sehr lange nicht mehr auf einen Film gewartet. Schon während der Produktion wurde ich auf ihn aufmerksam; seine Premiere feierte er dann schließlich im September 2018 beim Filmfestival von Venedig. 2019 hoffte ich, dass ihn, wenn er schon keinen offiziellen, großen Release hierzulande bekommt, doch zumindest das SLASH Filmfestival ins Programm holen würde – sollte aber leider nicht sein. Dann kündigte man für heuer im April zu meiner großen Freude eine SLASH-Premiere an –was daraus wurde, könnt ihr euch ja denken. Daraufhin versuchte ich, mir die Blu-Ray aus Australien zu importieren, scheiterte aber neuerlich an dieser vermaledeiten Pandemie, und den strengen Vorschriften des Kontinents zum Versand in andere Teile der Welt. Jedoch: Kurz nach dem offiziellen Release hierzulande gab das SLASH einen neuen Termin für das Screening von "The Nightingale" bekannt – und so sollte ich ihn Mitte Juli dann doch noch auf der großen Leinwand erleben. Der Grund, warum ich "The Nightingale" nun schon sehr lange sehnlichst erwartete, liegt in erster Linie bei Jennifer Kent, die vor ein paar Jahren mit "Der Babadook" nicht nur ein großartiges Filmdebüt, sondern meiner bescheidenen Meinung nach auch einen der besten Horrorfilme des letzten Jahrzehnts vorgelegt hat.

"The Nightingale" geht zwar sowohl inhaltlich, stilistisch als auch tonal in eine ganz andere Richtung, qualitativ konnte sie mit ihm aus meiner Sicht aber durchaus an ihren grandiosen Erstling anknüpfen. Schon allein die Machart sticht hervor: So wählt sie für diesen historischen Stoff das mittlerweile veraltete 4:3-Format (ähnlich wie zuletzt u.a. "Der Leuchtturm", der noch dazu in schwarz/weiß gehalten war), und hebt sich schon allein dadurch vom Genrestandard ab. Auch das historische Setting ist eine wesentliche Stärke. Natürlich ist auch heutzutage was Gleichberechtigung, Rassismus usw. betrifft noch längst nicht alles eitel Wonne, vor rund 200 Jahren waren diese Problematiken aber noch einmal deutlich ausgeprägter. Kent prangert hier vor allem die Selbstverständlichkeit an, mit der die britischen Soldaten meinen, über alles und jeden in diesem von ihnen eroberten Kontinent verfügen zu können. Egal ob nun Frauen, das Land, oder dessen Ureinwohner. Dabei bzw. dadurch zeigt sie vor allem auch auf, dass das Problem ein strukturelles war und ist. Trotz aller Abscheulichkeiten, die Hawkins begeht, hat er von seinen Vorgesetzten keine Konsequenzen zu erwarten. Diese Art des duldenden Wegschauens bedeutet einerseits, dass er nicht dazu gezwungen ist, sein eigenes Handeln zu hinterfragen, und muss natürlich unweigerlich auch Nachahmer mit sich ziehen. Neben den – erschütternden – Szenen der Gewalt sind es so nicht zuletzt auch jene Momente, wo Hawkins mit dem Jungen versucht, die nächste Generation nach seinem Ebenbild zu formen, die erschrecken – da sie deutlich machen, dass, so sich hier nichts ändert, diese Spirale der Gewalt noch über Generationen hinweg ungehindert so weitergehen wird.

Szenenbild. Überaus positiv ist zudem, dass Kent hier nicht nur die Unterdrückung der Frauen – am Beispiel Clares – thematisiert, sondern sich auch der Repression der Ureinwohner Australiens widmet, und ihr mit Billy eine entsprechende Figur zur Seite stellt, die in weiterer Folge fast so wichtig wird wie sie. Die Art und Weise, wie sich offenbart, dass auch Clare, selbst Opfer von Unterdrückung und Gewalt, Vorurteile gegenüber ihm hegt, die sie erst ablegen muss, sind dann das Tüpfelchen auf dem "i", da sie deutlich macht, dass Unterdrückung keine binäre Angelegenheit – die da oben und die da unten – ist. Großartig auch, wie Jennifer Kent die zentrale Vergewaltigung in Szene setzt. So schreckt sie einerseits in keinster Weise davor zurück, das Grauen zu zeigen, und mir ging dieser Moment derart in Mark und Bein, wie wenig, was ich in letzter Zeit im Kino oder zu Hause gesehen habe – zugleich hätte man aber auch nie den Eindruck, dass diese Darstellung zum Selbstzweck verkommen würde. Auch Clares Rache wird, so begründet sie auch sein mag, nie auch nur ansatzweise glorifiziert.

Dies ist auch ein wesentlicher Unterschied dazu, wie die meisten Filme des Genres damit umgehen: "The Nightingale" ist nicht die klassische, doch eher in die Pulp-Richtung gehende Umsetzung, wo das Opfer auf einmal zur Action-Heroine wird, und ihr – berechtigter – Rachefeldzug richtiggehend zelebriert wird. Vielmehr wird Clare weder zur übermächtigen, noch zur makellosen Heldin hochstilisiert. Wer hier also auf einen jener Filme hofft, die einen aufpushen und mit einem guten, zufriedenstellenden Gefühl entlassen, der wird hier wohl unweigerlich enttäuscht werden. Vielmehr lässt einen "The Nightingale" doch eher unbefriedigt und leer zurück, und stellt auch im Hinblick auf Clares Rachefeldzug die Sinnfrage. Für mich persönlich genau darin letztendlich auch eine seiner größten Stärken. Eine weitere sind die schauspielerischen Leistungen, wobei insbesondere Aisling Franciosi und Baykali Ganambarr hervorgehoben werden müssen. Und Jennifer Kent erzählt diese grauenvolle Geschichte in teils schrecklich schönen Bildern, die den Inhalt perfekt kontrastieren. Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann, dass ich mir nicht sicher bin, ob mir ein früheres Ende nicht lieber gewesen wäre. Denn nach einem angenehm ungewöhnlichen – vermeintlichen – Showdown schlägt "The Nightingale" dann erst recht noch eine konventionellere Richtung ein. Zwar steckt auch darin zweifellos einiges an interessantem Interpretationsspielraum (nicht zuletzt, ob Clare oder Billy das größere Recht auf Rache haben), und ist das daraus resultierende Ende dann zweifellos sehr konsequent und fast schon poetisch. Und doch bin ich unschlüssig, ob es mir nicht lieber gewesen wäre, wenn man sich die allerletzte Konfrontation geschenkt hätte. Davon abgesehen fand ich aber auch "The Nightingale" wieder sehr stark.

Fazit: Szenenbild. Nicht nur aufgrund des historischen Settings sowie des ungewöhnlichen 4:3-Formats, ist "The Nightingale" kein handelsüblicher "Rape & Revenge"-Film. Denn schwerer noch als diese Aspekte wiegt die Art und Weise, wie Jennifer Kent dem Zuschauer hier die in solchen Filmen übliche, fast schon urinstinktliche Befriedigung verwehrt, und uns nicht etwa mit einem Adrenalinschub und dem befriedigenden Gefühl, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wurde, entlässt, sondern vielmehr zum Nachdenken anregt. Hinzu kommt, dass der Film aufgrund der Thematisierung der Unterdrückung und Ausbeutung eines ganzen Volkes auch in die Makroebene geht (und die Frage aufwirft, was schwerer wiegt: Das Unrecht, dass dir selbst widerfährt, oder jenes, dass deinem Volk angetan wird). Zusammen mit der Erkenntnis, dass auch Clare erst die ihr innewohnenden Vorurteile gegenüber Billy ablegen muss, ist "The Nightingale" somit weitaus politischer, als im "Rape & Revenge"-Genre üblich. Weitere Stärken sind Jennifer Kents zwar stilistisch im Vergleich zu "Der Babadook" sehr unterschiedliche, jedoch nicht minder souveränen Inszenierung, die schauspielerischen Leistungen, sowie nicht zuletzt ein paar zutiefst erschütternde Szenen. Einzig beim Ende bin ich mir nicht sicher, ob ich es nicht vorgezogen hätte, wenn der Film ohne die allerletzte Konfrontation ausgekommen wäre. Trotz dieses kleinen Mankos hat Jennifer Kent für mich ihren Anspruch, eine der interessantesten frischen Stimmen im Horrorgenre zu sein, mit "The Nightingale" aber voll und ganz bestätigt.

Wertung:9 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2020 Koch Films)


Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2020





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