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Joker Drucken E-Mail
Ein Meilenstein für das Comicfilm-Genre Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 21 November 2019
 
 
Joker
Originaltitel: Joker
Produktionsland/jahr: USA 2019
Bewertung:
Studio/Verleih: DC Entertainment/Warner Bros.
Regie: Todd Phillips
Produzenten: U.a. Bradley Cooper, Emma Tillinger Koskoff & Todd Phillips
Drehbuch: Todd Phillips & Scott Silver
Filmmusik: Hildur Guðnadóttir
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Jeff Groth
Genre: Comicfilm/Drama
Kinostart Deutschland: 10. Oktober 2019
Kinostart USA: 04. Oktober 2019
Laufzeit: 122 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 16
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Joaquin Phoenix, Frances Conroy, Robert De Niro, Zazie Beetz, Brett Cullen, Shea Whigham, Bill Camp u.a.


Kurzinhalt: Arthur Fleck geht einem freudlosen Job als Clown nach, kümmert sich zu Hause hingebungsvoll um seine kranke Mutter, und leidet sowohl unter Depressionen, wegen denen er eine Psychologin aufsucht, als auch einer neurologischen Erkrankung, die ihn bei Anspannung in unkontrollierbares Gelächter ausbrechen lässt. Ein hartes Los – das noch einmal erheblich schwerer wird, als ihn ein Schicksalsschlag nach dem anderen trifft. Er wird von einer Jugendbande zusammengeschlagen, und verliert als er daraufhin einen Revolver auf die Arbeit mitnimmt entlassen. Seine Mutter wird ins Krankenhaus eingeliefert. Jene Nachbarin, auf die Arthur ein Auge geworfen hat, weist ihn zurück. Sein Idol, der Comedian Murray Franklin, macht sich in seiner Talk-Show über ihn lustig. Und seine Psychologin kann ihn aufgrund von Budgetkürzungen nicht länger betreuen. All dies entlädt sich schließlich in einer folgenschweren Nacht, als er in der U-Bahn ein paar Yuppie-Rowdies ermordet – und dafür von Teilen der Öffentlichkeit als Held gefeiert wird…

Review: Szenenbild. Zwar habe ich "Joker" bald nach Kinostart gesehen, arbeits- und freizeitstress-bedingt schaffe ich es aber leider erst jetzt, meine Gedanken dazu auf Papier (bzw. Bildschirm) zu bringen. So schlecht ist das insofern gar nicht, als mittlerweile jeder, der sich für ihn interessiert, Gelegenheit gefunden haben sollte, ihn sich anzusehen, und mich daher was Spoiler betrifft nicht mehr zurückhalten muss – was mir auch eine tiefergehende Besprechung des Films erlaubt. Und die ist gerade auch bei "Joker" insofern angemessen, als das tatsächlich mal wieder ein Film ist, der es wert ist, ihn genauer zu betrachten. Womit wir auch schon bei seinem ersten ganz großen Pluspunkt sind: Denn ähnlich wie "The Dark Knight", "Watchmen – Die Wächter" und "Logan" vor ihm sprengt auch "Joker" die Grenzen dessen, was wir bislang unter der Definition eines Comicfilms verstanden haben. Todd Phillips jüngster Film erweist sich als packend-erschütterndes Sozialdrama eines Außenseiters, der, von der Gesellschaft im Stich gelassen, in eine Abwärtsspirale gerät, die ihn schließlich zum mehrfachen Mörder werden lässt.

Nun war ich im Vorfeld was den Film betrifft insofern ein bisschen besorgt, als ich die Befürchtung hatte, dass dieser die Titelfigur möglicherweise zum Helden stilisieren würde, was mehr als nur bedenklich gewesen wäre. Zum Glück jedoch hatte ich zu keinem Zeitpunkt im Film diesen Eindruck. Ja selbst am Ende nicht, als der Joker vom enttäuscht-wütenden, sich gegen die Reichen auflehnenden Mob als ihr Held und ihre Ikone gefeiert wird, empfand ich keine Freude, und sah darin keinen Grund zum Jubeln. Vielmehr war dies der tragische Höhepunkt einer erschütternd-aufrüttelnden Geschichte über das kollektive Versagen einer Gesellschaft, die als warnendes Beispiel dienen soll, und darüber hinaus einen sozialkritischen Blick darauf wirft, wie wir einerseits mit problemgebeutelten und/oder psychisch kranken Menschen umgehen, die am Rand der Gesellschaft stehen, unsere Faszination mit charismatischen Massenmördern á la Ted Bundy, Charles Manson, Jeffrey Dahmer & Co anprangert, sowie aufzeigt, wie die konstante Ausbeutung und Unterdrückung einer zunehmend unzufriedenen Unterschicht unweigerlich zum Aufstieg (rechts-)extremer Elemente führen muss. Jokers Anhänger sind dabei für mich repräsentativ für Wähler von Trump und/oder rechtspopulistischen Parteien. Ihre Sorgen und ihre Unzufriedenheit mögen teilweise berechtigt sein, doch ihre Unterstützung dieser zerstörerischen Elemente droht die Gesellschaft statt zu heilen vielmehr noch kaputter zu machen. Dies ist allerdings zugegebenermaßen nur meine Interpretation; dass man das auch anders sehen kann, zeigen einzelne vernichtende Kritiken, die Topp Phillips vorwarfen, zu verharmlosen, oder unfassbare Taten wie Amokläufe zu entschuldigen. Diesen Eindruck hatte ich wiederum – zum Glück – zu keinem Zeitpunkt. Trotz allem, was Arthur Fleck zustößt, sehe ich darin keine Entschuldigung/Rechtfertigung seiner Taten. Letztendlich ist aber für mich genau das mit die größte Stärke des Films: So wie jede Art von Kunst ist er wie ein Spiegel, und wird das, was man in ihm sieht, bis zu einem gewissen Grad von jener Person abhängen, die ihn sich ansieht. Und schon allein, dass mal von einer Comicverfilmung behaupten zu können, finde ich ungemein spannend, und ist eine Leistung, die man nicht hoch genug einschätzen kann.

Szenenbild. Es hilft dabei sicherlich auch, dass Todd Phillips so weise war, den Film nicht in der Gegenwart, sondern den frühen 80ern zu verankern, was es dem Zuschauer erlaubt, das Geschehen, trotz aller bedenklicher Parallelen zu unserer Gegenwart, mit einer gewissen Distanz zu betrachten. Generell finde ich den hier gewählten Zugang insofern sehr interessant, als sich Warner/DC damit von einem ähnlichen zusammengehörigen Universum wie dem MCU zu verabschieden scheint. Als meiner Sicht die richtige Entscheidung, denn ihre bisherigen Versuche, Marvels Konzept zu kopieren, waren nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Stattdessen nun etwas anderes zu versuchen und die eigenen Figuren bzw. Comic-Vorlagen als Spielbrett für unterschiedlichste Interpretationen zu betrachten – und statt eines einzelnen DC-Universums quasi ein "Multiversum" zu erschaffen – finde ich daher so interessant wie vielversprechend. Und es hebelt für mich auch einen oftmals vorgebrachten Kritikpunkt an "Joker" aus, den ich persönlich nicht nachvollziehen kann, nämlich jenen der Entmystifizierung.

Für mich gibt es nämlich eben nicht diesen einen Joker. Jener von Cesar Romero war ganz anders als jener von Jack Nicholson, Mark Hamill sprach eindeutig eine andere Figur, als sie von Heath Ledger dargestellt wurde, und auch Jared Leto war eine gänzlich andere Interpretation. Dass wir hier erfahren, wie Arthur Fleck zum Joker wird, bedeutet deshalb eben nicht, dass ich zugleich etwas über die anderen, bisherigen Interpretationen weiß. Heath Ledgers Joker ist für mich immer noch das gleiche Mysterium, das er bei "The Dark Knight" war – und das ist auch gut so. Letztendlich hat für mich "Joker" jedenfalls als Origin Story sehr gut funktioniert, und gefiel mir gerade auch die Art und Weise, wie Jokers Aufstieg indirekt auch Batman erschafft, ausgesprochen gut. Interessant fand ich zudem, wie der Film den sonst oftmals fast schon heilig gesprochenen Thomas Wayne in ein deutlich ambivalenteres Licht taucht (tatsächlich blieb für mich bis zuletzt offen, ob Penny tatsächlich so verrückt war, wie von ihm behauptet, oder sie nicht doch die Wahrheit sagte, und er seinen Einfluss genutzt hat, um sie loszuwerden). Auch eine andere oftmals vorgebrachte Kritik teile ich nicht, nämlich, dass bei "Joker" alles nur geklaut wäre. Natürlich ist er von früheren Werken beeinflusst, jedoch macht er eben daraus keinen Hehl, sondern zollt Inspirationsquellen wie "Taxi Driver" und "The King of Comedy" durch das Casting von Robert De Niro in einer Schlüsselrolle vielmehr direkt Tribut. Und, ganz ehrlich: Pro Generation einen Film wie "Taxi Driver" oder "Falling Down" zu haben, halte ich dann doch für verkraftbar. Und rein produktionstechnisch halte ich "Joker" ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Das New York der frühen 80er fängt der Film phänomenal ein, angefangen von den Locations und Sets über die Kostüme und die Ausstattung bis hin zum ganzen Flair des Films. Die düstere Grundstimmung, die Regisseur Todd Phillips – mit Unterstützung der Filmkomponistin Hildur Guðnadóttir– aufbaut, ist eine weitere ganz große Stärke des Films. Die Musikauswahl ist ebenfalls grandios. Und vor allem ein paar wirklich starke Momente, die ich jetzt schon für unvergesslich halte (wie den Tanz auf den Stiegen), stechen hervor.

Szenenbild. Die letzte wesentliche Stärke von "Joker" ist dann ganz klar Joaquin Phoenix, der – da sind sich selbst die größten Kritiker des Films einig – eine phantastische Performance zeigt, und mit dieser den Film dominiert. Seine Interpretation des Jokers ist wieder ganz anders als die zuvor genannten, und auch wenn für mich persönlich wohl nie wieder jemand an Heath Ledgers unvergleichliche, naturgewaltige Interpretation herankommen wird, ist Joaquin Phoenix in der Titelrolle einfach nur großartig, und schafft es, für seinen Soziopathen wenn schon nicht die Sympathien so doch zumindest das Mitleid des Zuschauers zu wecken. Zugegeben, ganz perfekt ist "Joker" nicht. Die Offenbarung rund um Sophie fand ich nicht nur sehr vorhersehbar, ich bin auch skeptisch, ob das wirklich notwendig war. Mit knapp über zwei Stunden nimmt sich der Film zudem doch einen Hauch zu viel Zeit, um seine nicht übermäßig komplexe Geschichte zu erzählen. Und ich persönlich hätte es vorgezogen, wenn der Film mit dem auf dem Auto stehenden und von den jubelnden Massen umgebenen Joker geendet und sich den Epilog im Arkham Asylum gespart hätte. Im Falle von "Joker" ist dies jedoch Jammern auf ausgesprochen hohem Niveau.

Fazit: "Joker" ist der "Taxi Driver" bzw. "Falling Down" der aktuellen Generation. Wie der Film bei einem ankommt wird allerdings neben der Erwartungshaltung – denn wer mit einem klassischen Comicfilm á la Marvel rechnet, wird hier zweifellos enttäuscht werden – und dem eigenen Filmgeschmack (eh so wie immer) in erster Linie davon abhängen, wie man ihn interpretiert. Denn im Gegensatz zu einigen anderen (vor allem auch Kritikern) hatte ich persönlich nie den Eindruck, dass "Joker" seine Titelfigur zum Helden stilisiert. Arthur Fleck ist – so wie Travis Bickle oder D-Fens vor ihm – niemand, den man anfeuern soll; vielmehr fand ich das Ende überaus bedenklich, erschütterte es mich, und machte mich traurig. Todd Phillips Joker dient als warnendes Beispiel für die selbstzerstörerischen Tendenzen unserer Gesellschaft, ohne dabei Arthur Flecks Taten zu entschuldigen oder gar zu huldigen. Aber er entzieht sich nun mal eben auch einer klassischen Einteilung in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse, in Helden und Bösewichte, und zeigt, dass das Leben nun mal wesentlich komplexer und differenzierter ist als solche Labels. Getragen von einer phänomenalen Performance von Joaquin Phoenix in der Titelrolle, und ausgestattet mit einer wunderbar-düsteren Atmosphäre, die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr verdichtet und auf sein tragisch-unvermeidliches Ende hinsteuert, entzieht sich "Joker" dabei konsequent den üblichen Klischees und Elementen des klassischen Comic- und/oder Superheldenfilms – und zeigt auf, was in diesem Genre möglich ist, wenn man denn will. Das macht "Joker" zwar im Jahr von "Endgame" trotz allem nicht zum besten, sehr wohl aber zum interessantesten Comic-Film des Jahres.

Wertung:9 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2019 Warner Bros)





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