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Star Trek - TNG: Der Kronprinz Drucken E-Mail
Ein furchtbares, übertrieben religiöses TNG-Abenteuer Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 17 Juli 2017
 
Cover (c) Heyne
Titel: "Star Trek - TNG: Der Kronprinz"
Originaltitel: "Star Trek: Guises of the Mind"
Bewertung:
Autorin: Rebecca Neason
Übersetzung: Horst Pukallus
Umfang: 330 Seiten (Print-Ausgabe)
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: September 1993 (E) bzw. 1996 (D)
Deutscher eBook-Release: 25. Februar 2014
ISBN: 978-3-641-11645-3
Kaufen: Taschenbuch (D), Kindle (D), Taschenbuch (E), Taschenbuch (E)
 

Kurzinhalt: Die U.S.S. Enterprise nimmt den Orden der kleinen Mütter an Bord, die sich der Pflege verlassener, verstoßender und notdürftiger Kinder verschrieben haben. Man bringt sie zum Planeten Capulon IV, da der dortige Anführer Joakal, der in Kürze zum König gethront werden soll, um ihre Hilfe ersucht hat. Capulon IV soll in Kürze der Föderation beitreten, und eine Delegation der Enterprise soll der Krönungszeremonie beiwohnen. Counselor Troi stellt jedoch schon bald fest, dass eine der Nonnen eine starke Telepathin ist. Schwester Veronica leidet enorm unter diesen Fähigkeiten, da sie nie gelernt hat, sie zu kontrollieren, und somit auch, sich von den Gedanken anderer abzuschirmen. Deanna hilft ihr dabei, eine mentale Blockade aufzubauen, und sich so vor fremden Gedanken zu schützen – spornt sie jedoch auch dazu an, ihre telepathischen Fähigkeiten zu trainieren, so dass sie diese gezielt einsetzen kann. Daran hat Mutter Veronica, die in dieser Gabe einen Fluch sieht, kein Interesse. Aus Capulon IV kommt es indes zu einem Umsturz, als Joakal's totgeglaubte Zwillingsbruder zurückkehrt, ihn in den Kerker sperrt, und seinen Platz übernimmt. Im Gegensatz zu seinem Bruder zeigt er kein Interesse daran, dass Capulon IV der Föderation beitritt. Nach dem Eintreffen der Enterprise beamt sich Captain Picard zusammen mit Deanna und Mutter Veronica auf den Planeten, um die Hintergründe des Meinungsumschwungs zu ergründen. Doch nur kurz nach ihrer Ankunft werden sie zu Joakal in die Zelle gesteckt…

Review: Ich habe mittlerweile hunderte "Star Trek"-Romane gelesen. Viele davon ok, einige begeisternd, manche schwach, und ein paar waren absolut furchtbar und grauenhaft. "Der Kronzprinz" reicht sich leider in die Riege der letzteren ein, und streitet sich aus meiner Sicht mit "Gespensterschiff" (TNG), "Träumen Kometen?" (TNG), "A Time to Hate" (TNG), "Schwarzes Feuer" (TOS), "Die erste Mission" (TOS), "Die Invasion 4 – Die Raserei des Endes" (VOY), "Der Feind meines Feindes" (VOY), "Progenitor" (Stargazer) und "Lost Souls" (The Lost Era) um den Titel des schlechtesten "Star Trek"-Romans aller Zeiten. Nun gebe ich unumwunden zu, dass meine Ablehnung in diesem Fall etwas subjektiver ist, als bei einigen der zuvor genannten, die ich einfach generell schlecht fand. So verdankt "Der Kronprinz" meine Einschätzung in erster Linie der Tatsache, dass das hier sehr stark vertretene Thema Religion meinen persönlichen Geschmack nun mal überhaupt nicht trifft (siehe auch meine Kritiken zu den ähnlich gelagerten DS9-Episoden), und ich zudem finde, dass es gerade auch beim wissenschaftlich geprägten "Star Trek" keinen Platz hat – da zumindest meine utopische Vorstellung unserer Zukunft ohne Religion auskommt. Insofern hatte "Der Kronprinz" bei mir von vornherein einen schweren Stand. Dabei muss ich den Roman, wenn schon sonst nichts, immerhin zugutehalten, dass Rebecca Neason im Gegensatz zu anderen AutorInnen die Figuren wenigstens gut trifft. Leider aber ist das auch schon so ziemlich der einzige positive Aspekt, den ich gegenüber ihres (einmaligen) Ausflugs ins "Star Trek"-Universum vorbringen kann.

Um mit den objektiveren Kritikpunkten zu beginnen: Die hier erzählte Geschichte ist nun wirklich schwach. Mal abgesehen davon, dass die hier besuchte Kultur eher mittelalterlich und rückständig wirkt, was die Frage aufwirft, wie die überhaupt in die Föderation eintreten können (Oberste Direktive, und so), ist die Geschichte rund um den bösen Zwillingsbruder derart hanebüchen, dass man sich in einem schlechten Bauerntheater wähnt – aber jedenfalls nicht in einer "Star Trek"-Geschichte. Was genau das alles noch mit Science Fiction zu tun haben soll, entzog sich – eventuell abseits der Telepathie – jedenfalls wieder einmal meiner Kenntnis. Darüber hinaus fällt der eine oder andere extrem geschwollen geschriebene Satz auf, wo es mir schwer fällt, zu beurteilen, ob dieser der Autorin oder doch dem Übersetzer (Horst Pukallus ist mir in der Vergangenheit schon mehrmals mit solchen Textstellen aufgefallen) anzulasten ist. Wie z.B. "Weder konnte Joakal verhindern, dass seine Miene sich zu einem Ausdruck des Entsetzens verzerrte, noch sich der Eiseskälte erwehren, die plötzlich sein Herz umklammerte." Oder der hier: "Nachdem Joakal verstummt war, trieb sie innerlich in die Gefilde ab, wo der Schlaf harrte, um ihren willigen Geist mit seinem an Träumen reichen Mantel zu umfangen." Zumindest mir stieß diese extrem blumige Schreibweise, die sich bemüht gehoben gibt, zwischendurch immer wieder sauer auf. Zugegebenermaßen profitiert "Der Kronprinz" in meinem Fall auch nicht gerade davon, dass mit Deanna Troi meiner unliebsten TNG-Figur viel Platz gewidmet wird. Wobei ich mir gerade auch mit jenen Passagen, wo sie in Selbstmitleid versank ("Wieder gab es jemanden, der Deanna Troi brauchte, und erneut hatte sie versagt"", extrem schwer tat.

Der größte Kritikpunkt ist und bleibt für mich aber, wie viel Platz Rebecca Neason hier Religion und Glauben einräumt. Als Atheist tue ich mir mit solchen Geschichten ja generell schwer, und gerade auch bei "Star Trek" brauche ich so etwas nun mal einfach nicht. Noch schwerer als die Thematik an sich wiegt aber die Tatsache, dass sie auf einmal auch den bekannten Figuren religiöse Überzeugungen auf den Leib schreibt. Picard zeigt sich z.B. anerkennend der Rolle gegenüber, "die Religion bei der Ausbreitung der Zivilisation gespielt hat." Ob er dabei an die Kreuzzüge, Glaubenskriege und andere Gräueltaten gedacht hat, die in Vergangenheit und Gegenwart im Namen der Religion begannen wurden, lässt die Autorin dabei offen. Sehr stark wird die Thematik auch durch Datas Nachforschungen vorangetrieben, der sich auf einmal für Gott und Glauben zu interessieren beginnt. Bei den daraus resultierenden Gesprächen mit der Crew darf sich nicht nur Guinan dazu bekennen, an Gott zu glauben, sondern sich zudem just Geordi als Anhänger der "intelligent design"-Theorie erweisen ("Ich bin nicht der Meinung, dass alles hätte gar keine tiefere Bedeutung, oder wie als intelligente Wesen wären nur eine Art kosmischer Zufall."). Ich bin mir sicher: Wenn Roddenberry das lesen könnte, würde er sich im Grab umdrehen. Jedenfalls waren es in erster Linie solche Passagen, die das Lesen für mich mitunter zu einer regelrechten Qual machten. Generell hat mich "Der Kronprinz" von vorne bis hinten einfach nur gelangweilt. Als ich irgendwann zwischendurch mal merkte, dass ich gerade erst in der Mitte angekommen bin, war ich regelrecht der Verzweiflung nahe – was so weit ging, dass ich es fast begrüßt hätte, der Roman hätte mit der Krönung des Zwillingsbruders geendet. Hauptsache, der Schmarrn wäre endlich vorbei gewesen. Angesichts dessen war die zweite Hälfte dann zwar sogar erstaunlich aushaltbar – aber wirkliches Kompliment ist eben dieses Prädikat halt auch keins.

Fazit: "Der Kronprinz" ist der einzige "Star Trek"-Roman, der von Rebecca Neason geschrieben wurde. Dank sei Gott, dem Herrn. Zugegeben: Dafür, dass ich mich beim Lesen der Hälfte mehrmals dabei ertappte, das eBook wütend wegzuschmeißen und deshalb schon richtiggehend Sorge hatte, ob mein iPad den Roman überstehen würde, war die zweite Hälfte dann zwar überraschend erträglich. Viel retten konnte aber auch das nichts mehr. Nicht zuletzt, da mich der Roman dann zwar wenigstens nicht mehr so genervt haben mag, jedoch immer noch Lichtjahre davon entfernt war, mich gut zu unterhalten. Neben der extrem schwachen und hanebüchenen Story rund um den Zwillingsbruder des Königs lag dies in erster Linie an der ausufernden Thematisierung von Gott, Glauben und Religion, was in meinen Augen in der aufgeklärten, wissenschaftlich geprägten und fortschrittlichen Welt von "Star Trek" nun mal generell nichts verloren haben sollte (eben deshalb tue ich mir ja auch mit "Deep Space Nine" so schwer). So oft wie hier habe ich den Kotz-Smiley für die Notizen eines "Star Trek"-eBooks jedenfalls noch nie gebraucht. Und auch die teils übertrieben geschwollene Ausdrucksweise ließ mich in regelmäßigen Abständen mit den Augen rollen. Am Ende meint Captain Picard: "Eines muss man wirklich sagen: Im Starfleet-Dienst ist das Leben nie langweilig." Erzählungen über eben diesen sind es hingegen leider manchmal schon – wie "Der Kronprinz" eindrucksvoll unter Beweis stellt. Und "langweilig" ist dabei noch das netteste Prädikat, dass mir im Hinblick auf dieses Machwerk in den Sinn kommt.

Bewertung: 1/5 Punkten
Christian Siegel


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