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Episodenbild (c) HBO
Originaltitel: The Iron Throne
Episodennummer: 8x06
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 19. Mai 2019
Erstausstrahlung D: 20. Mai 2019
Drehbuch: David Benioff & D.B. Weiss
Regie: David Benioff & D.B. Weiss
Hauptdarsteller: Peter Dinklage als Tyrion Lannister, Nikolaj Coster-Waldau als Ser Jaime Lannister, Lena Headey als Queen Cersei Lannister, Emilia Clarke als Queen Daenerys Targaryen, Kit Harington als Jon Snow/Aegon Targaryen, Sophie Turner als Lady/Queen Sansa Stark, Maisie Williams als Arya Stark, Liam Cunningham als Ser Davos Seaworth, John Bradley als Samwell Tarly, Isaac Hempstead-Wright als King Bran Stark, Gwendoline Christie als Ser Brienne of Tarth, Jerome Flynn als Lord Bronn, Kristofer Hivju als Tormund, Joe Dempsie als Lord Gendry Baratheon, Jacob Anderson als Commander Grey Worm.
Gastdarsteller: Gemma Whelan als Lady Yara Greyjoy, Tobias Menzies als Lord Edmure Tully, Daniel Portman als Ser Podrick Payne, Rupert Vansittart als Lord Yohn Royce, Lino Facioli als Lord Robin Arryn, Richard Rycroft als Maester Wolkan, Toby Osmond als Prince Martell u.a.

Kurzinhalt: Die Schlacht um King's Landing ist geschlagen. Erschüttert blicken Tyrion und Jon – Daenerys engste Vertraute – auf die abgeschlachteten und/oder verbrannten Leichen jener, die den Preis für Danys Sieg gezahlt haben. Während sich Tyrion daraufhin offen gegen seine Königin stellt, will ihr Jon trotz allem immer noch die Treue halten. Bis ihn Tyrion daran erinnert, dass sein höchstes Ziel immer der Schutz Unschuldiger war – und Daenerys Feldzug mit der Eroberung von King's Landing noch lange nicht abgeschlossen ist. Nun muss Jon eine schwere Entscheidung treffen: Zwischen seinem Treueschwur – und seiner Liebe – Daenerys gegenüber, und der Loyalität zur und dem Schutz der Bevölkerung von Westeros…

Zitate: "It is not over until the queen's enemies are defeated."
"How much more defeated do you want them to be?"
(Guter Einwand!)

"I suppose there's a crude kind of justice. I betrayed my closest friend and watched him burn. Now Varys's ashes can tell my ashes: 'See, I told you.'"
(Tyrion im Gespräch zu Jon.)

"There's nothing in the world more powerful than a good story."
(Da mag Tyrion recht haben. Ob "Game of Thrones" dazuzählt, wird aber wohl jeder für sich selbst entscheiden müssen.)


Review: Episodenbild (c) HBO Das Ende einer Serie ist im Hinblick auf ihren Wiederanschauungswert, ihren Ruf, sowie vor allem auch ihr Erbe, von entscheidender Bedeutung. So gibt es leider zahlreiche Beispiele, wo eine anfänglich gefeierte Serie in weiterer Folge durch zunehmend schwächer werdende Staffeln, sowie insbesondere einem überwiegend abqualifizierten oder doch zumindest sehr kontrovers aufgenommenen Finale rückblickend nochmal deutlich an Ansehen (und Reiz) verlor. Wie "Akte X" (wo nach ein paar grandiosen Staffeln zunehmend klar wurde, dass Chris Carter keine Antworten auf die von ihm aufgeworfenen Fragen parat hat), "Lost" (auch wenn ich persönlich das Serienfinale überaus schätze; damit bin ich jedoch, wie ich selbst weiß, in der Minderheit), "Zurück in die Vergangenheit" (detto; die meisten waren enttäuscht, ich fand's klasse), "How I Met Your Mother" (auch da schwimme ich gegen den Strom), "Enterprise" (dessen Finale ich zumindest zwiespältig sehe), "ALF" (in der Tat keine Art, um eine solche Comedy-Serie zu beenden!), "Girls" (das sich mit einer schwachen 08/15-Folge verabschiedete), oder auch "Battlestar Galactica", "True Blood", "Mad Men", "Sopranos" und "Dexter" (wo ich es jedoch jeweils noch nicht selbst beurteilen kann).

Die letzten beiden Folgen deuteten nun an, dass sich "Game of Thrones" in diese erschreckend lange Liste einreihen würde– und wenn man die (für eine beliebte Serie tatsächlich katastrophale) IMDB-Wertung von aktuell 4.3 bei mittlerweile knapp 180.000 abgegebenen Stimmen als Maßstab anlegt, scheint mit "Der Eiserne Thron" auch genau das eingetroffen zu sein. Jedoch: Ganz so schlimm fand ich es persönlich nicht. Stimmt schon, ein glorreicher Abgang sieht anders aus, aber nach den letzten beiden Folgen hatte ich schon Schlimmeres erwartet. "Der Eiserne Thron" gliedert sich dabei in zwei sowohl zeitlich, thematisch als auch tonal stark voneinander abgegrenzte Teile – die bei mir auch sehr unterschiedlich angekommen sind. Denn die ersten vierzig Minuten fand ich überwiegend wirklich phantastisch; nicht zuletzt, als sie für drei der beliebtesten Hauptfiguren der Serie einen großartigen und teilweise erschütternden Abschluss boten. Beginnen wir mit Daenerys. Gleich vorweg: Natürlich macht "Der Eiserne Thron" – auch wenn sich D&D im Gespräch zwischen Tyrion und Jon nochmal bemühen, ihren Umschwung zu erklären – den großen Kritikpunkt rund um Daenerys überhastete, mir nicht einleuchtende Charakterentwicklung nicht plötzlich weg. Ich bin aber niemand, der einer nachfolgenden Episode die Fehler der vorangegangenen vorwirft (sonst hätte ich z.B. auch dem Finale der ersten "24"-Staffel nicht die Höchstwertung angedeihen können). Unabhängig davon, wie überzeugend oder eben nicht der Weg hierhin gewesen sein mag, aber das Ziel, dass man für Daenerys hier nun gefunden hat, gefiel mir ausgesprochen gut. Sie trat an, um Unschuldige aus den Fängen von Tyrannen zu befreien, glaubt im Falle von King's Landing tatsächlich, damit erfolgreich gewesen zu sein, und hat vor, diesen Weg konsequent fortzusetzen. Damit erweist sie sich quasi als "Endgegnerin" der Serie – und dass sie den Widerspruch zwischen ihren Absichten und ihrem Handeln nicht einmal zu erkennen scheint, verleiht der Figur eine wunderbare Tragik.

Episodenbild (c) HBO Der zweite im Bunde ist Tyrion, der zu Beginn in einem Trümmerhaufen – und auf den Scherben seiner guten Absichten – steht. Ähnlich verzweifelt, ja richtiggehend gebrochen, haben wir ihn selten gesehen. Als wäre das nicht schon genug, stolpert er in den unterirdischen Gewölben des Roten Bergfried dann schließlich auf die Leichen von Cersei und Jaime. Somit hat er mit seiner (blinden?) Unterstützung von Daenerys nicht nur den Tod von seinem guten Freund Varys, sondern auch seiner Geschwister (mit-)verschuldet. Zumindest mir fiel es an dieser Stelle leicht, mit dem kleinen Häufchen Elend, dass sich neben die Leichen von Jaime und Cersei setzt, mitzufühlen (im Gegensatz zu den beiden an sich). Danach ist Tyrion, man merkt es ihm richtiggehend an, alles egal; tatsächlich scheint er seines Lebens fast müde zu sein – vielleicht aus Angst, sonst noch weitere Fehler zu begeben, die anderen Menschen das Leben kosten. Im Gegensatz zu Jon, der sich erstmal noch zurückhält, begehrt er offen gegen seine Königin auf, als er das Zeichen der Hand von der Brust nimmt und die Treppen hinunterwirft.

Danach, in der Zelle, lebt hingegen der gute alte Tyrion – der Ränkeschmied – wieder auf. Er sieht, dass Jon die letzte Hoffnung der sieben Königslande ist, und versucht, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, Daenerys zu töten. Mit seinem letzten Einwurf, dass die verrückte Königin auch das Leben von Sansa und Arya bedroht – wo er Jons Liebe zu seinen Geschwistern gegen jene zu Dany ausspielt – agiert er dann so clever, wie seit mehreren Staffeln nicht mehr. Was uns schließlich zu Jon führt. Nun gebe ich unumwunden zu: Wenn die Liebesgeschichte zwischen Daenerys und Jon (besser) funktioniert hätte, hätte auch diese letzte Konfrontation zwischen den beiden deutlich mehr (emotionale) Wirkung gehabt. Emilia Clarke und Kit Harrington taten zwar ihr bestes, aber die Kombination aus zwangsläufiger Plotentwicklung, dem überhasteten Ablauf, die verhältnismäßige Kürze ihrer Romanze (rein von der Episodenanzahl her), sowie der mangelnden Chemie zwischen ihnen, sorgte dafür, dass Dany+Jon dem Anspruch der zentralen Liebesgeschichte aus dem Lied von Eis und Feuer einfach nie gerecht werden konnte. Und doch hatte ihre letzte Begegnung hier etwas Tragisches (und zugleich Unvermeidliches). Einerseits, da Dany, wie oben schon erwähnt, von ihren vorangegangenen Taten richtiggehend entrückt zu sein scheint. Sie glaubt tatsächlich, sie hätte King's Landing – und ihre Bewohner – befreit. Zugleich erleben wir hier die Rückkehr jener Daenerys aus den ersten sieben Staffeln – was ihre Fans auch nochmal dran erinnert, warum sie sich (als Figur) in sie verliebten. Generell liegt darin eine gewisse Traurigkeit, dass sie hier am Ziel ihrer Träume ist – wir jedoch wissen, dass dies nicht von langer Dauer sein wird. Vor allem aber habe ich in diesem Moment mit Jon mitgelitten, der Dany – trotz ihrer Taten – nach wie vor liebt, und hier nun zum Wohle der Bevölkerung dazu gezwungen ist, sie zu töten. Was gerade auch für ihn ungemein schwer gewesen sein muss. Nicht nur wegen seiner Gefühle ihr gegenüber, sondern auch, weil Jon immer der Aufrichtigste und Loyalste war. Hier nun muss er seinen Treueeid brechen, und wird – ähnlich wie Jaime – zum "Queenslayer".

Episodenbild (c) HBO Generell schaffte es die erste Hälfte von "Der Eiserne Thron" im Allgemeinen und diese eine Szene im Besonderen, mir das Gefühl zu vermitteln, dass die komplette Serie letztendlich von Anfang an genau darauf zusteuerte. Angefangen bei Tyrion, der – möglicherweise beeinflusst durch den Hass auf seine Familie – Daenerys die Treue schwor, und damit in weiterer Folge unbeabsichtigt den Tod seiner Geschwister ausgelöst hat. Über Daenerys, die im Machtrausch und Rachedurst zu genau jener Tyrannin wurde, vor der sie die Unschuldigen ja eigentlich beschützen und retten wollte. Jon, der hier nun sein Wort brechen muss, um die Bevölkerung von Westeros zu retten. Bis hin zu Drogon, der in seiner Trauer schließlich den Eisernen Thron – jenes Symbol, dass Auslöser von so viel Schmerz und Trauer war, und vor allem auch die Ereignisse der Serie bestimmte, im Drachenfeuer einschmelzt. Ich sage nicht, dass dies das einzige Ende ist, dass ich mir für die Serie vorstellen kann (tatsächlich spielte ich zuvor bei Danys Rede mit dem Gedanken, dass sie jetzt ihren Feldzug vorsetzt, und die Welt von Eis und Feuer am Ende der Serie ein wesentlich schlimmerer Ort ist, als wir ihn zu Beginn vorfanden; irgendwie hätte das schon auch einen Reiz gehabt, und auch perfekt zu GRRMs Anspruch, die üblichen Fantasy-Klischees zu untergraben, gepasst) – aber mir erschien dieser Endpunkt jedenfalls überaus schlüssig und befriedigend.

Unterstützt wird dieser inhaltlich überzeugende Abschluss der Geschichte auch von der gewohnt makellosen Produktionsqualität – wobei im Falle von "Der Eiserne Thron" einzelne Elemente für mich ganz besonders positiv hervorstachen. Das wären einerseits die schauspielerischen Leistungen, insbesondere von den drei gerade genannten. Gut, von Peter Dinklage erwartet man sich ja von vornherein nichts anderes – was jedoch nicht heißt, dass man seine phantastische Leistung hier, die für mich auch nochmal über dem anzusiedeln ist, dass man sonst von ihm gewohnt ist, als selbstverständlich hinnehmen sollte. Auch Emilia Clarke zeigt eine starke Performance, und tut ihr Bestes, um die Entwicklung ihrer Figur plausibel zu machen – wobei es mir vor allen die kurze Rückkehr der "guten alten" Dany angetan hatte; das machte den Tod der Figur, trotz ihrer Taten zuvor, fast herzzerreißend. In erster Linie war es aber Kit Harrington, der mich hier positiv überrascht hat. In der Vergangenheit war ich von seinem in der Serie zur Schau gestelltem schauspielerischen Talent ja nicht immer übermäßig begeistert (freundlich ausgedrückt), was er aber hier zuerst im Gespräch mit Tyrion und dann in dieser Schlüsselszene mit Dany zeigt, hat mich echt beeindruckt. Gleiches gilt übrigens für die beiden Regie-Debütanten David Benioff & D.B. Weiss. Vor allem diesen enscheidenden Moment, und dessen Nachwehen (Stichwort der sich aufbäumende Drogon), inszenierten sie perfekt. Aber auch davor (Drogons sich hinter Dany ausbreitende Flügel) und danach (die Überblendung zwischen den Starks) boten sie ein paar im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Bilder, die mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Und auch Ramin Djawadi liefert hier wieder einmal eine Glanzleistung ab. Vor allem die schwermütige Interpretation des Hauptthemas, gesungen von einer einzigen weiblichen Stimme, war eindringlich. Aber generell war sein Score zu dieser Folge wieder einmal wunderschön – wie auch schon zur gesamten Staffel. D&D mögen sich Drehbuchtechnisch da und dort leider nicht mit Ruhm bekleckert haben, aber Djawadis Musik war wieder einmal über jeden Zweifel erhaben (weshalb ich mich auch sehr darüber freue, dass es zur achten und letzten Staffel eine Doppel-CD geben wird).

Episodenbild (c) HBO Allerdings: So gut mir die erste Hälfte der Folge gefallen hat, von der zweiten Hälfte – nach dem Zeitsprung – war ich doch eher enttäuscht. Einerseits, weil mir das irgendwie für "Game of Thrones" schon fast wieder zu viel Happy End war. Andererseits aber auch, als ich die einzelnen Abschlüsse der Figuren teilweise etwas durchwachsen aufnahm. Nehmt nur Bran. Dass dieser hier nun zum König gekrönt wurde – ich weiß nicht. Mag daran liegen, dass ich mit der Figur noch nie so recht was anfangen konnte, aber mich ließ diese Wendung bestenfalls kalt (was auch an Brans eigener Emotionslosigkeit liegen mag), schlimmstenfalls sehe ich sie aber kritisch. Zuerst fällt auf, dass sich Tyrions Argumentation im Hinblick auf Brans Geschichte letztendlich mindestens genauso gut auch auf Tyrion selbst, Sansa, Arya, und eben auch Jon umlegen ließe. Das allein ist also nicht wirklich ein Grund. Dass Bran die Geschichte der sieben – bzw. nun sechs – Königslande so gut kennt wie kein anderer, ist zwar grundsätzlich durchaus positiv, das allein ist mir als Grund aber zu wenig (weil da würde ein Posten als Grand Maester auch reichen). Vor allem aber ist er mittlerweile derart entrückt, teilnahms- und empathielos, dass er kaum noch menschlich wirkt. Und das soll angeblich die beste Wahl des neuen Herrschers sein? Ich weiß ja nicht.

Gut gefällt mir hingegen die kleine Revolution, was die Wahl des Königs betrifft. Dieser soll sich in Zukunft eben nicht mehr rein durch die Blutlinie ergeben – was eben auch zum Krieg zwischen all den Häusern geführt hat – sondern von einem Konzil gewählt werden. Sams Idee, das Volk zu befragen, und somit generell auf eine Demokratie umzusteigen, mag zwar belächelt werden, letztendlich ist dies aber der erste, zögerliche Schritt in eben diese Richtung – womit sich Danys Traum, das Rad zu zerbrechen, posthum doch noch erfüllt. Nach der Wahl von Bran zum neuen Herrscher über die sechs Königslande kommt dann dessen Beraterriege zusammen. Tyrion wird zum dritten Mal zur Hand des Königs gewählt (aller Guten Dinge sind drei?), und bekommt eine kurze, prägnante Szene, als er vor dem leeren Tisch und den leeren Stühlen steht (hier hatte ich unweigerlich den "Lés Misérables"-Song "Empty Chairs at Empty Tables" im Ohr), und sich vermeintlich an all jene erinnert, die er im Lauf der letzten Jahre verloren hat; seinen Vater, seine Schwester, seinen Bruder, und nicht zuletzt auch Lord Varys. Dann gibt es einen netten kleinen Rückgriff auf eine der köstlichsten Szenen der Serie, als er die Stühle verschiebt – nur damit die ankommenden anderen Berater sie wieder nach ihrem Belieben zurechtrücken. Diese erscheinen gut gewählt, und geben einigen Nebencharakteren einen zufriedenstellenden Abschluss: Sam wird (natürlich) Grand Maester, Davos Meister der Schiffe, Bronn Master of Coin, und Brienne wird die Königswache leiten. Die sich daraus entspinnende Szene ist erstaunlich locker-leicht und amüsant – und lässt damit den Zuschauer, nach dem dramatischen Ereignissen zuvor, noch einmal ein bisschen durchschnaufen und entspannen. Vor allem aber schienen mir Benioff & Weiss mit dieser Szene ausdrücken zu wollen, dass das Leben trotz aller Verluste und tragischer Ereignisse weitergeht, bzw. sich die Welt weiterbewegt.

Episodenbild (c) HBO Vor dieser netten Zusammenkunft beschert uns jedoch Brienne den für mich absoluten Höhepunkt der zweiten Episodenhälfte. Sie nimmt sich das Buch, in dem die Taten sämtlicher Anführer der Königsgarde aufgelistet sind, und erweitert Jaimes Eintrag. Hier kommt ihre Wertschätzung, ja Liebe, für diese tragische Figur noch einmal so richtig zur Geltung, und wenn sie den Eintrag dann mit "Died protecting his Queen" abschließt, war das in der Tat ziemlich ergreifend. Damit sind wir aber zugleich an meinem größten Kritikpunkt gegenüber "Der Eiserne Thron" angelangt: Denn besagter Moment war leider aus dem ganzen Finale auch der Einzige, dem es so richtig gelang, mich zu berühren. Klar war Tyrions Reaktion auf den Fund seiner toten Geschwister erschütternd, die letzte Zusammenkunft von Jon und Dany tragisch, und der Abschied unter den Starks sentimental. Und doch gelang es all diesen Momenten letztendlich nicht, mir eine "echte" emotionale Reaktion zu entlocken. Ob das die Folge der Fehler der letzten Episoden – und einer entsprechenden, daraus resultierenden Apathie meinerseits der Serie gegenüber –war, oder an "Der Eiserne Thron" direkt lag, ist schwer zu beurteilen; und fürs Endergebnis letztendlich auch egal. So oder so fand ich es leider überaus schade, wie kalt mich "Der Eiserne Thron" überwiegend gelassen hat.

Womit wir schließlich bei den letzten drei Starks (Bran haben wir ja schon besprochen) angelangt wären. Sansa besteht auf die Unabhängigkeit des Nordens, und wird schließlich zur Königin gekrönt. Zweifellos ein schöner, runder Abschluss ihrer Figur – der auf mich aber (ob zurecht oder Unrecht, kann ich nicht beurteilen) eher wie ein nachträglicher Einfall wirkte. Sprich, ich glaube nicht, dass dies – so wie die letzte Szene zwischen Jon und Dany – zum ursprünglichen Plan gehörte. Ich mag mich irren, aber so war zumindest der Eindruck, den ich von dieser Szene – und eh auch noch einigen weiteren Momenten – gewann: Den des Fan-Service. Gleiches gilt für Arya. Grundsätzlich ist es eine nette Idee, sie auf Entdeckungsreise zu schicken. Allerdings, obwohl ich mir die Serie extra vor der letzten Staffel noch einmal zur Gänze angesehen habe, könnte ich mich nicht daran erinnern, dass sie schon einmal Ambitionen in diese Richtung hätte erkennen lassen. Insofern kam das für mich ein bisschen aus dem Nichts, wirkte ebenfalls wie ein nachträglicher Einfall – und ein bisschen wie eine Ausrede, um eine der beliebesten und besten Szenen rund um Arya, nämlich das Finale der vierten Staffel, wiederholen zu können. Bleibt noch Jon. Dieser wird hier nun dazu verdonnert, zur Nachtwache zurückzukehren. Klingt erstmal logisch, nachvollziehbar, und wie ein runder Abschluss für seine Figur – nicht zuletzt, als sich so für ihn quasi der Kreis schließt. Und zugegebenermaßen habe ich mich über die Wiedervereinigung zwischen ihm und sowohl Tormund als auch Ghost (wo D&D den Fehler aus "Die letzten der Starks" wiedergutmachen) gefreut. Trotzdem wirkte auch das irgendwie bequem und zweckmäßig – gerade auch, als für die Nachtwache nun, da der Nachtkönig besiegt ist und mit den Wildlingen Frieden geschlossen wurde, eigentlich keine Notwendigkeit mehr besteht. Außer halt, die Unerwünschten dort unterzubringen; aber hätte sich dafür nicht auch eine andere Lösung finden lassen? Immerhin, die letzte Szene, die andeutet, dass Jon nicht gedenkt, im Castle Black herumzuhocken, sondern die Wildlinge in ihre Heimat führt – um vielleicht Mance Ryders Rolle als König des "echten" Nordens einzunehmen? – war dann durchaus wieder ganz nett. Bleibt die Frage: Ob GRRM für Bran, Tyrion, Brienne, Sam, Davos, Bronn, Podrick, Sansa, Arya und Jon wohl das gleiche Schicksal im Sinn hat? Ich fürchte, wir werden es nie erfahren.

Fazit: Episodenbild (c) HBO Christopher Nolan hat einmal gesagt: "Jede großartige Geschichte verdient ein großartiges Ende". Ich würde noch einen Schritt weiter gehen, und behaupten: "Jede großartige Geschichte braucht ein großartiges Ende" – weil sonst ist es ganz einfach keine großartige Geschichte. Im besten Fall hinterlässt ein enttäuschendes, unbefriedigendes Finale "nur" einen bitteren Nachgeschmack; im schlimmsten Fall kann es jedoch eine Serie, einen Film, oder auch einen Roman, richtiggehend ruinieren. Wo nun "Game of Thrones" mit "Der Eisener Thron" landet, und ob es jenes großartige Ende ist, das sich diese großartige Geschichte verdient hat, muss jeder für sich selbst entscheiden – und wird wohl auch jeder anders beantworten. Die bisherigen, teils hitzigen Reaktionen zeigen jedenfalls, dass Weiss & Benioff mit ihrem Serienfinale einen überaus kontroversen Abschluss vorgelegt haben. Ich für meinen Teil kann nur festhalten: "Der Eiserne Thron" war letztendlich besser als befürchtet, aber schlechter als erhofft.

Dabei konnte mir die erste Hälfte der Episode noch sehr gut gefallen; nicht zuletzt, als ich dort – insbesondere bei der letzten Szene zwischen Daenerys und Jon – den Eindruck hatte, dass die Serie tatsächlich vom ersten Tag an auf eben diesen Ausgang zugesteuert ist. Klar, es hätte geholfen, wenn man dieser Liebesgeschichte verbundener gewesen wäre, aber davon abgesehen fand ich das ziemlich perfekt – nicht zuletzt auch aufgrund der hochwertigen Inszenierung, den starken schauspielerischen Leistungen, und Ramin Djawadis wunderschön-eindringlicher Musik. Der Epilog fiel hingegen für mich dann doch eher ab. Einerseits war mir der Ausgang dort für "Game of Thrones"-Verhältnisse fast schon zu glücklich, andererseits erschien mir nicht jeder Abschluss der Figuren schlüssig. Vor allem aber ist es "Der Eiserne Thron" nur bei Briennes Eintrag zu Jaime gelungen, mich emotional zu berühren. Weder der Konfrontation zwischen Dany und Jon zuvor, noch dem Abschied bei den Starks, noch einer anderen Szene, wollte dies gelingen. Eben darin sehe ich dann auch das größte Scheitern sowohl von diesem Serienfinale, als auch der achten Staffel an sich – die mich, abseits einzelner Höhepunkte (die Aryas Triumph über den Nachtkönig), emotional eben leider überwiegend kalt gelassen hat. Für eine Serie, die ich nun seit mittlerweile über acht Jahren verfolge, ist das nicht nur höchst ungewöhnlich, sondern vor allem auch überaus schade. Dennoch, die vernichtenden Kritiken und wütenden Reaktionen aus Teilen des Fankreises kann ich nicht so recht nachvollziehen. Benioff & Weiss mag es leider nicht gelungen sein, "Game of Thrones" jenen würdigen Abschluss zu bescheren, den sich eine der populärsten, popkulturell relevantesten und trotz einer holprigen achten Staffel insgesamt auch besten Serien aller Zeiten verdient gehabt hätte. "Der Eiserne Thron" war aber auch nicht die Katastrophe, die ich nach den letzten beiden Folgen schon zu befürchten begann. So oder so: Eine Serie wie "Game of Thrones" sehen wir wohl nie wieder. Und nun ist ihre Wache zu Ende.

Wertung: 3 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © HBO)

"Game of Thrones" ist über Sky X verfügbar.




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Kommentare (2)
RSS Kommentare
1. 14.05.2016 12:27
 
Seit wann gibt es denn da Überlebens- bzw. Wiederbelebungsnummern? Dachte, das wäre doch so skrupellos, das es solche Kinderkacke nicht nötig hat!
 
2. 17.05.2016 22:50
 
Mir ist nicht ganz sicher, was das mit Kinderkacke zu tun haben soll. Unabhängig davon bin ich gegenüber solchen Wendungen wie du weißt auch immer skeptisch. Im nachfolgenden Fall konnte ich damit aber insofern leben, als a) diese Möglichkeit im Verlauf der Serie bereits etabliert wurde, und es somit nicht aus dem Nichts kam, und b) es letztendlich ein wichtiger Plot-Punkt war, da Jon Snow nun nicht mehr an seinen Eid gegenüber der Nachtwache gebunden ist.
 

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