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Episodenbild (c) CBS

Originaltitel: Valiant
Episodennummer: 6x22
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 06. Mai 1998
Erstausstrahlung D: 10. Oktober 1998
Drehbuch: Ronald D. Moore
Regie: Michael Vejar
Hauptdarsteller: Avery Brooks als Captain Benjamin Sisko, Rene Auberjonois als Odo, Michael Dorn als Lt. Commander Worf, Nana Visitor als Major Kira Nerys, Terry Farrell als Lieutenant Jadzia Dax, Colm Meaney als Chief Miles O'Brien, Siddig El Fadil als Doctor Julian Bashir, Cirroc Lofton als Jake Sisko, Armin Shimerman als Quark.
Gastdarsteller: Aron Eisenberg als Nog, Paul Popowich als Tim Watters, Courtney Peldon als Karen Farris, David Drew Gallagher als Riley Aldrin Shepard, Ashley Brianne McDonogh als Dorian Collins, Scott Hamm als Parton, Majel Barrett als computer voice u.a.

Kurzinhalt: Jake und Nog fliegen nach Ferenginar, um dem großen Nagus eine Nachricht vom Föderationskonzil zu übermitteln, da wird ihr Shuttle von einem Kampfschiff der Jem'Hadar angegriffen. Die Rettung erfolgt, praktisch in letzter Sekunde, durch die U.S.S. Valiant, einem Schiff der Defiant-Klasse, dass sie nachdem die Jem'Hadar zurückgeschlagen wurden an Bord beamt. Jake und Nog staunt nicht schlecht, als sie die durchgehend junge Crew kennenlernen – handelt es sich doch allesamt um Kadetten der Eliteeinheit Red Squadron. Diese befanden sich auf einer streng geheimen Mission, als ihr Captain während eines Kampfes mit Schiffen des Dominion getötet wurde. Statt zur Erde zurückzukehren, setzten die Kadetten ihre Mission unter dem Kommando von Tim Watters ihre Mission fort. Diese besteht darin, Informationen über den neuesten Schlachtkreuzer der Jem'Hadar zu sammeln. Nachdem ihnen dies gelungen ist, beschließen sie jedoch, noch mehr zu tun. Denn in den gesammelten Daten finden sie Hinweise auf eine Schwachstelle, die sie auszunutzen gedenken. Sie wollen den Schlachtkreuzer direkt und ohne Verstärkung angreifen. Jake hält dies für Selbstmord, hat jedoch als Zivilist kein Mitspracherecht. Und Nog, der von Watters zum Chefingenieur befördert wurde, lässt sich von der enthusiastischen Stimmung an Bord anstecken, und stellt sich hinter den Plan…

Review: Episodenbild (c) CBS "Valiant" hat mich thematisch sehr an "Wandel des Herzens erinnert". Neuerlich stellen die DS9-Macher das übliche "Star Trek"-Konzept auf den Kopf, und erzählen von einer Niederlage – wo wir doch sonst von unseren Helden gewohnt sind, dass sie selbst die ausweglosesten und halsbrecherischsten Missionen zu einem erfolgreichen Abschluss führen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine Gruppe junger, eifriger Kadetten, die sich maßlos selbst überschätzen, und ihrem Captain aus falscher Überzeugung heraus bereitwillig in den Tod folgen. Damit setzt "Valiant" ein klares Statement gegen blinden Gehorsam, und rückt zugleich auch wieder einmal den Preis des Krieges in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Klar wusste man von Anfang an, dass Jake und Nog überleben würden, und treffen einen solche Verluste wesentlich mehr, wenn sie Mitglieder der Stammbesetzung betreffen. Dennoch leistete die Episode zuvor gute Arbeit dabei, wenn es darum geht, uns die Figuren in kurzer Zeit so gut als möglich vorzustellen und – trotz ihres Hochmuts – sympathisch zu machen. Klar haben sie sich selbst überschätzt – aber der Preis, den sie dafür zahlen mussten, war dem Vergehen sicherlich nicht angemessen.

Nicht ganz so gut hat für mich der Streit zwischen Jake und Nog funktioniert. Zwar ist es auf der einen Seite verständlich, dass Ronald D. Moore die beiden in dieser Diskussion quasi als Anwälte der jeweiligen Gegenseite auftreten lässt und damit beiden Seiten des Arguments ein dem Zuschauer bekanntes und sympathisches Sprachrohr gibt, aber etwas verkrampft und konstruiert wirkte es doch – vor allem auch, wenn Nog Jake sein Zivilisten-Dasein vorwirft und meint, er könne dies halt einfach nicht verstehen. Immerhin kommt Jake aus einer Sternenflotten-Familie, und hat den Preis, den der Dienst manchmal mit sich bringt, durch den Tod seiner Mutter am eigenen Leib erfahren. Zudem litt ihre Auseinandersetzung auch unter der Vorhersehbarkeit, da irgendwie früh klar war, auf welches – tragische – Ende die Episode zusteuert, und damit auch, wem von den beiden sie somit recht geben würde. Das mit dem vermeintlichen Schwachpunkt beim Schlachtschiff hat mich zudem unweigerlich an "Star Wars" und den Todesstern erinnert. Besagtes Schiff fand ich zudem jetzt gar nicht mal so ehrfürchtig, wie die Crew tat. I've seen bigger. ("That's what she said!") Entbehrlich fand ich zudem die erste Szene, wo auf einmal behauptet wird, dass Quark Jadzia lieben würde. Einerseits steht dieser Moment völlig für sich, da wir danach nicht mehr auf die Station zurückschwenken, und andererseits kam das doch irgendwie aus dem Nichts – und wollte auch nicht so recht zur Nebenhandlung der zuvor erwähnten Folge "Wandel des Herzens" passen, wo Quark Bashirs Gefühle für Jadzia ja noch munter für seine Tongo-Zwecke ausgenutzt hat. Davon abgesehen fand ich die Episode aber gelungen, wobei neben dem tragischen Ausgang des Geschehens vor allem noch die qualitativ hochwertigen – und auch zahlreichen – (CGI)-Effektszenen hervorstachen. Nett fand ich zudem jenen Moment, wo Dorian vom Sonnenaufgang auf dem Mond erzählt, und die Serie nach langer Zeit endlich wieder einmal den "sense of wonder" heraufbeschwor (einzig den – für DS9 ja leider so typischen – religiösen Gott-Bezug hätte man sich schenken können). Und neben dem Ausgang des Geschehens an sich stimmte mich vor allem auch Dorians Kommentar, dass sie ihren Captain im Stich gelassen hätten – und die dort zu Tage tretende, sektenartige Verehrung ihres Kommandanten – in nachdenklicher Stimmung zurück.

Fazit: Episodenbild (c) CBS Hochmut kommt vor dem Fall. Dieses bekannte Sprichwort steckt im Kern der Episode "Valiant". Die Crew des titelspendenden Schiffes ist so übermütig wie unerfahren. Berauscht von ihren bisherigen Erfolgen, stürzen sie sich auf eine Mission, die in einer Katastrophe endet. In eben dieser, welche "Valiant" als Plädoyer gegenübertriebenen Heldenmut sowie blinden Gehorsam offenbart, lag für mich dann auch die größte Stärke der Folge. Darüber hinaus hatten es mir u.a. noch Dorians nachdenklich stimmende Worte am Ende, der kurz heraufbeschworene sense of wonder mit der Erzählung vom Mond, sowie die wieder einmal überaus hochwertigen Effekte angetan. Weniger begeistert war ich jedoch vom Zwist zwischen Jake und Nog, der auf mich etwas aufgesetzt und unnatürlich wirkte. Zudem war doch ziemlich absehbar, wo das ganze hinsteuert, und welchem der beiden die Folge letztendlich recht geben würde. Auch den Einstieg auf Deep Space Nine hätte man sich sparen können. Und mit bereits etablierten Figuren hätte der tragische Ausklang halt deutlich mehr Punch besessen. Davon abgesehen war "Valiant" aber eine weitere gelungene DS9-Folge, die neuerlich sehr gut mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielte, und diese zuletzt konsequent unterlief.

Wertung: 3.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © CBS/Paramount)




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