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Episodenbild (c) CBS

Originaltitel: The Muse
Episodennummer: 4x21
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 29. April 1996
Erstausstrahlung D: 06. November 1996
Drehbuch: René Echevarria
Regie: David Livingston
Hauptdarsteller: Avery Brooks als Captain Benjamin Sisko, Rene Auberjonois als Odo, Michael Dorn als Lt. Commander Worf, Nana Visitor als Major Kira Nerys, Terry Farrell als Lieutenant Jadzia Dax, Colm Meaney als Chief Miles O'Brien, Siddig El Fadil als Doctor Julian Bashir, Cirroc Lofton als Jake Sisko, Armin Shimerman als Quark.
Gastdarsteller: Meg Foster als Onaya, Majel Barrett als Lwaxana Troi, Michael Ansara als Jeyal u.a.

Kurzinhalt: Jake steht beim Geländer der Promenade und beobachtet wieder einmal die Neuankömmlinge auf der Station, um sich Inspiration für seine nächste Arbeit als Schriftsteller zu holen, da fallen seine Augen auf die geheimnisvolle und verführerische Onaya. Als er wenig später in Quarks Bar sitzt und an seiner nächsten Geschichte feilt, spricht sie ihn doch tatsächlich an. In weiterer Folge erweist sich Onaya als Muse, die Jake dabei helfen will, sein volles Potential als Autor auszuschöpfen. Doch ihre Hilfe hat einen Preis. Währenddessen stattet auch Lwaxana Troi Deep Space Nine einen weiteren Besuch ab. Diese ist hochschwanger, und wendet sich hilfesuchend an Odo: Denn der Vater ihres Sohnes gehört einer Zivilisation an, die ihre Kinder sechzehn Jahre lang nur um gleichgeschlechtlichen Elternteil erziehen lassen. Demnach würde Lwaxana ihren Sohn lange Zeit nicht sehen. Ursprünglich versicherte ihr Ehemann ihr, dass er diese Tradition brechen würde, nun jedoch besteht er doch darauf, seinen Sohn gemäß der Bräuche seines Volkes allein zu erziehen. Um Lwaxana in ihrer Notlage zu helfen, macht Odo ihr einen Heiratsantrag…

Denkwürdige Zitate: "How are you feeling now?"
"Like a changeling who's had to hold his shape too long."
(Mit dem Vergleich sollte Odo etwas anfangen können.)

"Before I met her, my world was a much smaller place. I kept to myself. I didn't need anyone else and I took pride in that. The truth is, I was ashamed of what I was, afraid that if people saw how truly different I was they would recoil from me. Lwaxana saw how different I was and she didn't recoil. She wanted to see more. For the first time in my life, someone wanted me as I was. And that changed me forever. The day I met her, is the day I stopped being alone."
(Odos wunderschönes Ehegelübde.)


Review: Episodenbild (c) CBS Beginnen wir mit der B-Story, die zwar (knapp?) weniger Laufzeit einnahmen, letztendlich aber eigentlich eh wichtiger wirkte – einerseits, da zumindest mich mit Odo und Lwaxana halt generell mehr verbindet als mit Jake, und andererseits, da es irgendwie zugänglicher wirkte, wie sie sehr spezifische Autoren-Geschichte. Mit einer schwangeren Lwaxana, die Angst davor hat, ihr Kind zu "verlieren", kann man halt doch schneller mitfühlen. Mir gefiel wieder einmal die Darstellung der Freundschaft zwischen den beiden. Lwaxanas empathische Fähigkeiten zwingen Odo zudem, die in ihm brodelnden Gefühle in den Vordergrund zu bringen, und niemand sonst kann er sich so öffnen wie ihr. Generell hat mir sehr gut gefallen, dass sich der Schwerpunkt im weiteren Verlauf der Episode zunehmend in Richtung Odo verlagerte. Vor allem auch die wirklich wundervolle Szene mit seinem Ehegelübde macht deutlich, wie wichtig die Begegnung mit ihr für seine weitere Entwicklung war. Aus der Geschichte rund um Lwaxana und das dortige Gesellschaftssystem hätte man hingegen mehr machen können; irgendwie blieb das bis zuletzt ein Nebengedanke, der nie voll ausgearbeitet wirkte. Das fand ich ein bisschen schade.

Deutlich mehr geärgert habe ich mich letztendlich aber ohnehin über die A-Story, die mir einfach allzu klischeehaften Pfaden gefolgt ist. Gut möglich, dass ich mit meiner Meinung allein dastehe, aber ich hätt' es nun einmal vorgezogen, wenn man nicht die 08/15-Route des gefährlichen "alien of the week" eingeschlagen sondern Onaya einfach ein gutmütiges Wesen hätten sein lassen, dass seit Jahrhunderten durch die Galaxis streift, um Künstlern dabei zu helfen, ihr volles Potential zu entfachen. Ich brauche halt nun mal nicht in jeder Folge irgendeine Bedrohung, die es auszuschalten gilt; die interessante Idee allein hätte mir persönlich schon gereicht – nur dabei wollten es die Autoren leider nicht bewenden lassen, und so hegt Onaya eben doch keine guten Absichten. Das fand ich schon sehr bedauerlich. Zumal der Showdown sehr generisch ablief und es gänzlich an Spannung vermissen ließ. Und die Wortwahl "So eager, ready to give everything he had in one great burst." fand ich beim männlich-jugendlichen (und vermeintlich noch jungfräulichen) Jake Sisko auch eher ungünstig gewählt. Wobei die Szenen davor, wo Onaya von Jakes Schreibe förmlich einen Orgasmus zu haben scheint, in ihrer Doppeldeutigkeit eh auch schon einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht entbehrte. Immerhin war die titelspendende Muse von Meg Foster fantastisch gespielt, die genau die richtige Mischung aus bedrohlich und verführerisch fand (von der würde ich mich auch zu einem Erguss massieren lassen! Einen kreativen, meine ich natürlich. Ihr Ferkel.) Gut fand ich auch, dass man sie am Ende wenigstens entkommen ließ. Und der Titel von Jakes Roman war ein netter Kontinuitätsrückgriff auf "Der Besuch". Davon abgesehen wurden die Autoren hier aber nicht gerade von der Muse geküsst.

Fazit: Episodenbild (c) CBS Nach zwei guten Episoden wurde ich von "Die Muse" leider doch wieder enttäuscht. Zu meiner eigenen Überraschung schnitt dabei die B-Story rund um Lwaxana und Odo noch am besten ab. Positiv fand ich dabei vor allem, wie sich der Fokus dort langsam von der Gast- zur Stammfigur verschob, und vor allem sein Ehegelöbnis Lwaxanas Bedeutung für seine persönliche Entwicklung deutlich macht. Aus der Idee rund um die fremde Kultur, ihre Regeln, und wie Lwaxana gegen diese aufbegehrt hätte man hingegen wesentlich mehr machen können, dies geriet nämlich rasch – und für meinen Geschmack auch zu sehr – in den Hintergrund. Noch schlechter fand ich jedoch die titelspendende Story rund um die Muse. Hätte es sich dabei einfach nur um ein freundlich gesinntes, geheimnisvolles Alien gehandelt hätte mir dies – abseits der unfreiwillig komischen, erotischen Doppeldeutigkeiten – wohl ziemlich gut gefallen. Stattdessen mussten sie leider doch eine klischeehafte Story rund um ein bedrohliches Alien-Monster of the Week machen, die dann noch dazu in einem generischen Showdown endete. Zwar hat Meg Foster ihre Rolle wenigstens sehr gut gespielt und rettet damit den Handlungsstrang noch ansatzweise, gegen das schwache Drehbuch kam jedoch letztendlich auch sie nicht an.

Wertung: 2 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © CBS/Paramount)




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