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Akte X - Im Höllenfeuer Drucken E-Mail
Kevin J. Anderson trifft den Ton der Serie perfekt Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 06 Juli 2013
 
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Titel: "Akte X - Im Höllenfeuer"
Originaltitel: "The X-Files - Ground Zero"
Bewertung:
Autor: Kevin J. Anderson
Übersetzung: Winfried Czech & Susanne Lück
Umfang: 300 Seiten
Verlag: VGS
Veröffentlicht: 1996 (D) bzw. 1996 (USA)
ISBN: 3-8025-2380-6
Kaufen: Deutsch, Englisch
 

Kurzinhalt: In einem Labor zur Kernforschung wird einer der führenden Wissenschaftler eines aktuellen Projekts auf mysteriöse Art und Weise ermordet. Offenbar kam es in seinem Büro zu einer Explosion mit extremer Hitze – dies war jedoch nur auf einen sehr kleinen Raum beschränkt, und hat keine weiteren Büroräume o.ä. beschädigt. Die Ermittler rätseln, was eine derart starke und konzentrierte Explosion ausgelöst haben könnten. Schließlich werden Mulder und Scully einberufen, um sich des Falles anzunehmen. Ihre erste Spur führt sie dabei zu einer ehemaligen Mitarbeiterin des Projekts, die die Seiten gewechselt hat und nun eine Protestorganisation gegen Atomenergie und Atomwaffen anführt. Kurz darauf kommt es zu einem weiteren Mord unter ähnlichem Muster. Während Mulder und Scully ihre Ermittlungen vorantreiben und alles daran setzen, weitere Opfer zu vermeiden, sind die Leiter des Projekts fest dazu entschlossen, den Test einer neuartigen Atombombe wie geplant durchzuführen…

Review: Die ersten beiden von Charles Grant geschriebenen "Akte X"-Romane waren ok, aber auch nichts Besonderes. Im ersten Teil sorgten die Kraftausdrücke dafür, dass bei mir nicht wirklich "Akte X"-Atmosphäre aufkommen wollte (ist man derartiges doch aus der TV-Serie nicht gewohnt), und obwohl er in "Wirbelsturm" auf eben diese schon verzichtet hat, schien er dennoch die besondere Dynamik zwischen Mulder und Scully sowie die Stimmen ihrer Figuren nicht 100%ig stimmig einfangen zu können. Für "Im Höllenfeuer" wurde mit Kevin J. Anderson ein dem Genre-Fan bekannter Romanautor verpflichtet, der damals u.a. schon einige "Star Wars"-Romane verfasst hatte (u.a. die "Jedi Akademie"-Trilogie), und auch gemeinsam mit Frank Herberts Sohn Brian dessen "Wüstenplanet"-Universum wieder aufleben ließ. Auch bei "Im Höllenfeuer" zeigt er sein Gespür dafür, in ein bestehendes Universum einzutauchen und dessen Stil, Ton und Atmosphäre zu übernehmen. Zum ersten Mal innerhalb der Romanreihe fühlte ich mich nämlich bei ihm wie in einer Episode der TV-Serie. Das fängt bei den Orts- und Zeiteinblendungen an, geht über den Aufbau des Romans, bis hin zu der Art und Weise, wie er die Figuren beschreibt.

Nachdem bei Charles Grant doch irgendwie etwas im Ton der Figuren nicht so recht passen wollte, schafft es Kevin J. Anderson absolut perfekt, Mulder und Scully aufs Papier zu bringen. Die beiden reden und verhalten sich genau so, wie man das aus der Serie kennt, und von ihnen erwarten würde. Auch die Handlung an sich weiß zu gefallen. Als besonders positiv empfand ich dabei die Thematik rund um Atombombentests, wobei Kevin J. Anderson auch die Geschichte eben dieser beleuchtet und dabei (unter der Voraussetzung dass alles was er darin schreibt authentisch ist; ich habe es nicht nachgeprüft) den Leser sogar auch ein bisschen weiterbildet. Auch die eher ungewöhnliche Auflösung rund um die Morde konnte mir gefallen, wie der ebenfalls recht untypische Ausgang. Denn im Vergleich zur Serie, wo Mulder und Scully den Übeltäter meistens schnappen und/oder die bösen Taten des Monsters der Woche unterbinden, sind sie diesmal chancenlos, und können nur mehr versuchen, rechtzeitig zu fliehen und sich in Sicherheit zu bringen.

Dennoch ist auch "Im Höllenfeuer" noch kein perfekter "Akte X"-Roman. So fehlte es mir – gerade auch im Vergleich zu Charles Grant, der zwar die Figuren nicht wirklich gut getroffen haben mag, es aber verstand, spannende Szenen zu schreiben – doch ein wenig an Spannung und an wirklich packenden, atmosphärisch dichten Momenten. Diesbezüglich hat mich "Im Höllenfeuer" doch ziemlich enttäuscht. Während Mulder und Scully sehr gut getroffen sind, blieben mir die Nebenfiguren teilweise doch etwas auf der Strecke, und wurden für meinen Geschmack nicht ausführlich genug charakterisiert, um zu ihnen eine Bindung aufbauen zu können. Auch die eine oder andere nicht ganz nachvollziehbare Aktion (wie z.B. warum Scully den Täter nicht schon früher verhört, obwohl sie ja von Miriel auf diesen angesetzt wird). Sein größter Fehler war für mich aber, dass er die Geschichte der U.S.S. Indianapolis erzählt – obwohl jedem der "Der weiße Hai" gesehen hat (und das dürften wohl die meisten sein; zumindest unter den "Akte X"-Fans) diese wohlbekannt ist. Dass dies sogar in einer ähnlichen Rede wie damals von Quint passiert, macht die Tatsache, dass der Moment in "im Höllenfeuer" mit der Szene aus "Der weiße Hai" nicht im Geringsten mithalten kann, nur noch offensichtlicher. Hier kam, auch wenn es nur 2-3 Seiten waren, doch kurz Langeweile auf, vor allem aber war ich genervt. Was genau hat Kevin J. Anderson hier beabsichtigt? Es erscheint nicht wirklich wie eine Hommage; eher wie ein billiges Plagiat, bei dem er zu hoffen scheint, wir hätten "Der weiße Hai" nicht gesehen. Was ihn dabei geritten hat, werde ich jedenfalls so schnell wohl nicht verstehen.

Fazit: In "Im Höllenfeuer" hat Kevin J. Anderson sowohl Mulder und Scully als auch den generellen Ton der Serie derart gut getroffen, dass ich die beiden Romane von Charles Grant nachträglich um einen halben Punkt abwerten muss. Während bei Grant bei mir einfach nie wirkliches "Akte X"-Feeling aufkam, verströmte "Im Höllenfeuer" dieses praktisch von der ersten Seite an. Die Geschichte an sich war ebenfalls interessant, wobei ich vor allem den Bezug zur Nuklearforschung, Atomwaffentests etc. als positiv empfand. Dass der Roman dennoch kein Überdrüber-Highlight ist, liegt u.a. daran, dass er die Nebenfiguren meiner Ansicht nach doch etwas vernachlässigte, der nur sporadisch auftretenden wirklich nervenzerreißenden Spannung (man kann durchaus argumentieren, dass Grant erfolgreicher damit war, eine dichte Atmosphäre aufzubauen; Anderson ist somit der besser Autor, Grant der bessere "Regisseur", wenn ihr so wollt), sowie seine Kopie der U.S.S. Indianapolis-Rede aus "Der weiße Hai", die leider nicht einmal ansatzweise eine ähnliche Wirkung erzielen konnte. Möglicherweise wollte er damit ja eine Verknüpfung zu Spielbergs Hai-Epos herstellen; auf mich wirkte es jedenfalls verkrampft, störend und auch ansatzweise nervig, und selbst wenn es nur 2-3 Seiten gewesen sein mögen, kostet dieser Moment allein "Im Höllenfeuer" einen halben Punkt. Der Rest des Romans war jedoch überwiegend gelungen.

Bewertung: 3/5 Punkten
Christian Siegel







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