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85 Jahre "Metropolis": Eine filmhistorische Odyssee Drucken E-Mail
Vom Flop zum kulturellen Meilenstein Kategorie: DVD & Kino - Autor: Björn Flügel - Datum: Sonntag, 29 Juli 2012
 
85 Jahre Metropolis - SPECiAL

Als Fritz Langs Monumentalfilm "Metropolis" am 10. Januar 1927 erstmals aufgeführt wurde, war der Film weit davon entfernt, ein Meilenstein der Filmgeschichte zu werden. Mit seinen immensen Produktionskosten von knapp 6 Millionen Reichsmark hätte er die ohnehin schon finanziell angeschlagene Universum Film AG (kurz: UFA) beinahe in den Ruin getrieben. Als der Film am 13. Mai 1927 wieder aus dem Kinoprogramm genommen wurde, hatten ihn lediglich 15.000 Zuschauer gesehen - Ein Fiasko. Auch die Kritiker ließen kein gutes Haar an "Metropolis". Beispielsweise bewertete ihn der englische Science-Fiction-Pionier H.G. Wells in einer zeitgenössischen Rezension als Konzentration aus fast jeder denkbaren Blödsinnigkeit und schloss aus, dass es möglich wäre, einen noch alberneren Film zu machen.

Rotwang stellt Fredersen seine Schöpfung vorAm 5. August 1927 wurde "Metropolis" in einer deutlich gekürzten Schnittfassung noch einmal ins Kino gebracht. Diese orientierte sich an der US-Version, die durch den Bühnenautor Channing Pollock zwischenzeitlich im Auftrag der Paramount erstellt worden war. Pollock hatte das knapp 4189 Meter (153 Minuten) umfassende Filmmaterial auf 3241 Meter (117 Minuten) gekürzt und dabei ganze Szenenabfolgen geändert, Handlungsstränge verzerrt bzw. gänzlich gestrichen und schlussendlich aus Langs Urfassung einen müden "Frankenstein"-Abklatsch gemacht. Auch diese zweite deutsche Version fiel (ebenso wie in den USA die Fassung von Pollock) beim Publikum durch, und "Metropolis" blieb ein kommerzielles Desaster. Die UFA selbst hatte mittlerweile alle vom Original gezogenen Kopien vernichtet, auch die an das Ausland gelieferten Kopien wurden im Lauf der Jahre zerstört oder gingen anderweitig verloren. Seither galt die Urfassung, wie Fritz Lang sie geschaffen hatte, als verschollen.

1961 wagte die Sowjetunion einen ersten Versuch, den Film zu rekonstruieren. Nach Ende des 2. Weltkrieges hatte die Rote Armee in Babelsberg u.a. mehrere Filmrollen erbeutet, die Material von "Metropolis" enthielten. Vladimir Y. Dmitriev, der verantwortliche Filmhistoriker am russischen Filmarchiv, erzählte später in einem Interview, man habe den Film "einfach einmal sehen" wollen, nachdem 1929 strikt untersagt worden war, diesen ideologisch inakzeptablen Film zu veröffentlichen. Das vorhandene Filmmaterial wurde durch Rollen aus dem tschechoslowakischen Filmarchiv in Prag ergänzt, so dass "Metropolis" zwar teilweise wieder hergestellt werden konnte, aber immer noch höchst unvollständig war.

1962 wurde "Metropolis" anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Berliner Marmorhauses erneut aufgeführt. Gezeigt wurde eine parallel zu der der in der Sowjetunion entstandenen Bearbeitung, für die sich Erich J. A. Pietrek verantwortlich zeichntete. Dabei konnte er allerdings nur auf 2535 Meter umfassendes Ausgangsmaterial zurückgreifen, welches aber immerhin auf einer originalen Vorführkopie der zweiten deutschen Schnittfassung basierte. Dennoch war auch diese Überarbeitung weit von Langs Urfassung entfernt.

Maria als Heldin der ArbeiterschichtDie sowjetische Schnittfassung wurde 1971 dem staatlichen Filmarchiv der DDR übergeben, wo der Filmhistoriker Wolfgang Klaue mithilfe aller soweit verfügbaren Schnittfassungen aus aller Welt weiter an der Rekonstruktion des Films arbeitete. So korrespondierte er auch mit Fritz Lang persönlich, um die ursprüngliche Schnittfolge wieder herzustellen. 1972 schließlich wurde diese Neubearbeitung auf dem internationalen Kongress der Filmarchive in Bukarest vorgestellt, die zwar schon deutlich umfangreicher als frühere Versuche der Rekonstruktion war, sich aber auf Grund fehlender Quellen sowohl narrativ als auch fotographisch nur teilweise der 1927 uraufgeführten Fassung näherte. Um 1980 ergänzte das ZDF eben jene Schnittfassung um den vollständigen Text der originalen Zwischentitel, die Klaue eher zufällig am schwedischen Filminstitut in Stockholm in die Hände gefallen waren.

Zur gleichen Zeit nahm sich der erfolgreiche Komponist Giorgio Moroder des Stoffes an und montierte aus den vorhandenen Materialien einen viel beachteten Zusammenschnitt - mit moderner Rock- und Popmusik unterlegt und coloriert. Moroder kürzte das Filmmaterial rigoros auf 2283 Meter (80 Minuten) zurück und präsentierte Langs Filmklassiker als umfangreichen Musikclip, der zwar filmhistorisch gesehen kaum von Bedeutung ist, aber das öffentliche Interesse wieder auf "Metropolis" lenkte.

Der Münchner Filmhistoriker Enno Patalas stand Moroder beratend zur Seite und erhielt als Anerkennung für seine Dienste eine Kopie derselben Schnittfassung, auf die schon Pietrek 1962 für seine Rekonstruktion zurückgegriffen hatte. So gelang es Patalas erstmals, eine - soweit möglich - nahezu vollständige Rekonstruktion der Originalfassung wiederherzustellen. Dank der ursprünglichen Zwischentitel, des originalen Drehbuchs und der Zuhilfenahme der Originalkomposition von Gottfried Huppertz gelang es ihm, "Metropolis" so authentisch, wie es ihm alle zur Verfügung stehenden Quellen erlaubten, zu rekonstruieren, wobei die vorhandenen Fehlstellen und Lücken durch Texteinblendungen erläutert oder durch Standfotos aus dem Fundus von Horst von Harbou ergänzt wurden. Diese Fassung wurde schließlich 1987 erstmals in Moskau aufgeführt. Und narrativ war es Patalas durchaus gelungen, sich Langs Urfassung von 1927 zu nähern, jedoch wies sie zum Teil erhebliche qualitative Schwächen auf: Das Ausgangsmaterial bestand aus den weltweit umgearbeiteten, mehrfach duplizierten sowie nach knapp 60 Jahren verschlissene Filmrollen. Weiterhin nutzte Patalas auch Filmmaterial, das von Lang seinerzeit nicht genutzt worden war.

Mit 'Metropolis' erschuf Fritz Lang ein filmhistorisches Denkmal für die EwigkeitErst das digitale Zeitalter ermöglichte es, "Metropolis" auch qualitativ zu rekonstruieren und zu restaurieren. 2001 schließlich veröffentlichten Enno Patalas und Martin Koerber von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung auf der Berlinale eine weitere Überarbeitung, die es auf 3341 Meter (118 Minuten) brachte und digital größtenteils bereinigt worden war. In dieser Fassung nahm die UNESCO "Metropolis" als ersten Film überhaupt in ihr Weltdokumentenerbe auf. Für die weitere Kinoauswertung und DVD-Veröffentlichung 2003 wurde noch die Originalmusik von Huppertz als Orchesterversion hinzugefügt. Damit schien das seit mindestens 1961 verfolgte Projekt, "Metropolis" wieder herzustellen, beendet.

Doch 2008 gab es die Sensation schlechthin: Im argentinischen Filmmuseum in Buenos Aires tauchte eine Filmkopie auf, die scheinbar kurz nach der Premiere 1927 exportiert worden war und bis in die 1960er Jahre gezeigt worden war. Doch sogleich folgte die große Ernüchterung, denn bei dem Fundstück handelte es sich um eine um 1970 entstandene Sicherheitskopie, die ihrerzeit ungereinigt vervielfältigt worden war, so dass viele Bildfehler mit hineinkopiert wurden, darüber hinaus waren die Filmrollen stark beschädigt und verschlissen. Dennoch ergab eine erste Inaugenscheinnahme, dass diese extrem lädierten Rollen mindestens 25 Minuten Film enthielten, die bis dato nicht zur Verfügung standen. Filmhistoriker weltweit jauchzten, als die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung am 12. Februar 2010 die bis heute "endgültige" Rekonstruktion und Restaurierung von "Metropolis" auf der Berlinale präsentierte. Diese aktuelle Fassung bringt es auf stolze 3945 Meter (145 Minuten), die fehlenden 8 Minuten beinhalten - soweit bekannt - 3 kürzere Szenen. Und nach dem "Wunder von Buenos Aires" bin zumindest ich optimistisch, dass die Odyssee um die Rekonstruktion von "Metropolis" noch nicht beendet ist.



Bildquelle: Universum Film/Warner Home Video
Weiterführende Links: 85 Jahre "Metropolis" - Special / Review zu "Metropolis"




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