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Episodenbild (c) CBS

Originaltitel: The Siege of AR-558
Episodennummer: 7x08
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 18. November 1998
Erstausstrahlung D: 23. Oktober 1999
Drehbuch: Ira Steven Behr & Hans Beimler
Regie: Winrich Kolbe
Hauptdarsteller: Avery Brooks als Captain Benjamin Sisko, Rene Auberjonois als Odo, Michael Dorn als Lt. Commander Worf, Nana Visitor als Major Kira Nerys, Nicole de Boer als Ensign Ezri Dax, Colm Meaney als Chief Miles O'Brien, Siddig El Fadil als Doctor Julian Bashir, Cirroc Lofton als Jake Sisko, Armin Shimerman als Quark.
Gastdarsteller: Bill Mumy als Kellin, Raymond Cruz als Vargas, Patrick Kilpatrick als Reese, Aron Eisenberg als Nog, Annette Helde als Nadia Larkin, Max Grodénchik als Rom, James Darren als Vic Fontaine u.a.

Kurzinhalt: Die U.S.S. Defiant fliegt zum Planeten AR-55, wo ein Bataillon der Sternenflotte vor fünf Monaten eine Kommunikationsphalanx des Dominion erobert hat, und seither trotz regelmäßiger Angriffe der Jem'Hadar tapfer die Stellung hält. Mittlerweile ist ihre Zahl von anfänglich 107 Soldaten auf nur mehr 43 geschrumpft – und diese sind zunehmend verbittert und desillusioniert. Ursprünglich sollte Captain Sisko ihnen lediglich Versorgungsgüter bringen und sich einen Eindruck von ihrer Lage verschaffen. Nachdem er jedoch von ihrer verzweifelten Lage erfährt, beschließt er, zusammen mit seinem Außenteam – bestehend aus Ezri, Nog, Bashir und Quark – ebenfalls auf dem Planeten zu bleiben, um bei der Abwehr des nächsten Angriffs der Jem'Hadar zu helfen und die Stellung zu halten, ehe die Ablöse eintrifft. Zudem gilt es, getarnte, phasenverschobene Minen aufzuspüren, die immer wieder nach dem Zufallsmuster aktiviert werden und so zu Verlusten unter den Besetzern führen. Bei einer Erkundungsmission wird dann schließlich Nog schwer verletzt – Doktor Bashir bleibt nichts anderes übrig, als sein linkes Bein zu amputieren. Die anderen bereiten sich indes auf den in Kürze bevorstehenden Angriff der Jem'Hadar vor – der ihnen allen das Leben kosten könnte…

Denkwürdige Zitate: "Let me tell you something about humans, nephew. They're a wonderful, friendly people as long as their bellies are full and their holosuites are working. But take away their creature comforts, deprive them of food, sleep, sonic showers, put their lives in jeopardy over an extended period of time, and those same friendly, intelligent, wonderful people will become as nasty and as violent as the most bloodthirsty Klingon."
(Quarks mahnend-weiser Rat an seinen Neffen.)

"I can see you've done that before."
"Too many times. Funny. I joined Starfleet to save lives."
(Doktor Bashir vor der Schlacht.)

"Children."
"Not for long."
(Siskos nachdenkliche Erwiderung an Reese, als die Ablöse eintrifft.)


Review: Episodenbild (c) CBS Für eine Episode, an der ich doch einiges auszusetzen hatte, schneidet "Die Belagerung von AR-558" eh geradezu sensationell ab – zumindest die Höchstwertung bleibt ihr aber, wie schon der ähnlich hochgelobten Folge "In fahlem Mondlicht", verwehrt, weil dafür waren die Kritikpunkte dann doch zu ausgeprägt. Diese beginnen schon beim Anfang. Ich kann mit Vic nichts anfangen, und jedes Mal, wenn ich sein "pallie" höre, fürchte ich um meinen Fernseher – weil ich kurz davor bin, irgendwas in Richtung Bildschirm zu schmeißen. Den Ausdruck kann ich mittlerweile echt nicht mehr hören. Auch die Zusammensetzung der Crew wirkt etwas konstruiert. In beiden Fällen verstehe ich, was die Macher damit beabsichtigten, und warum sie sich dazu gezwungen sahen. Der lockere Einstieg in der Holosuite soll uns eine gewöhnliche Episode vortäuschen, woraufhin uns die weitere, düstere Entwicklung überrascht (generell wirken schockierende Szenen mit einem starken Kontrast immer besser, als wenn schon die ganze Folge oder der gesamte Film düster-deprimierend sind). Und Ezri, Quark, Bashir und Nog sind deshalb das gewählte Außenteam, weil sie die unerfahrensten Kämpfer sind – und hier nun mit den Schrecken des Krieges konfrontiert werden. Und dennoch wirken die jeweiligen Erklärungen, warum grad sie an dieser Mission teilnehmen, konstruiert, und nur bedingt überzeugend.

Und dann ist da noch die Szene mit den Hologrammen. Wie zum Teufel hat das bitte schön funktioniert? Wo sind die Holoemitter versteckt? Warum reagieren die Holo-Jem'Hadars auf das Feuer der Sternenflottenoffiziere, sieht man Funken von ihnen wegsprühen, und fallen sie um? Hier wird die Technologie wieder mal so zurechtgebogen, wie man das gerade braucht. Und doch gelingt es der Episode insgesamt, fast vollständig für diese Kritikpunkte zu entschädigen. Hauptverantwortlich dafür sind der düstere Grundton sowie generell die Art und Weise, wie man hier die Schrecken des Krieges thematisiert – und das wesentlich schonungsloser und insgesamt besser, als dies in der Episode "Die Schlacht um Ajilon Prime" der Fall war. Mir gefällt dabei vor allem, wie man als Zuschauer gezwungen wird, umzudenken. Zu Beginn stecken wir noch in den Schuhen von Sisko & Co., weshalb einem die Soldaten dort teilweise unmenschlich und hart vorkommen – sei es der abgekämpfte, verstörte Soldat, der sich von Bashir seinen Verband nicht abnehmen lassen will, oder auch der verbitterte, skrupellose Kämpfer, der die Ketracel-Weiß-Phiolen seiner Opfer auf einer Kette sammelt. Im ersten Moment mag man dazu neigen, aufgrund ihres irrationalen, unmenschlichen Verhaltens die Nase zu rümpfen. Spätestens am Ende jedoch, wenn auch unsere bekannten Helden sowie der Zuschauer die gleichen Schrecken des Krieges durchlebt hat, welche diese tapferen Soldaten seit mehreren Monaten aushalten, beginnt man, ihr Verhalten nachvollziehen zu können. Sehr schön auch wie mit der Zeit die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwinden. Wie Ezri richtig anmerkt: Als sie das erste Mal von den getarnten Minen erfahren, verurteilt man sich als hinterhältiges, unmenschliches Mittel der Kriegsführung – nur um sie am Ende dann selbst gegen den Feind einzusetzen. Und auch wenn natürlich von vornherein auszuschließen war, dass einer der Stammbesetzung stirbt (wobei, ganz ehrlich – eine solche Folge wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, um Jadzia aus der Serie zu schreiben), so erleidet diese aufgrund von Nogs Verletzung doch zumindest einen teilweisen Verlust. Aber auch davon abgesehen merkt man am Ende, dass die Belagerung von AR-558 an keinem von ihnen spurlos vorübergegangen ist.

Episodenbild (c) CBS Die größte Stärke der Folge liegt für mich aber in den letzten paar Minuten. Inszenatorisch würde ich zwar, aufgrund des dortigen Einsatzes von Zeitlupen, eine ähnlich gelagerte Szene aus der "Babylon 5"-Episode "Die Strafaktion" stärker einstufen, dennoch gelingt es Winrich Kolbe hier mit seiner hektischen Inszenierung, das Chaos, den Wahnsinn und den Schrecken des Krieges eindringlich einzufangen. Man fühlt sich hier, wie der Sportsender DSF ja früher so schön titulierte, mittendrin, statt nur dabei. Die Verluste unter den dort stationierten Soldaten, insbesondere des von Bill Mumy dargestellten Kellin, der sein Leben gibt, um jenes von Ezri zu retten, treffen einen zudem dann durchaus hart, da uns diese im Verlauf der Episode doch zunehmend sympathisch wurden. Vor allem aber ist es die ungemein traurige, melancholische, unter die Haut gehende Musik von Paul Baillargeon, die das Finale für mich so hervorstechen lässt. Denn mit seiner eindringlichen Melodie, welche sich davor bereits durch die Folge zieht und hier nun noch einmal so richtig auflebt, sorgt er nicht nur für eines der wunderschönsten musikalischen Stücke der "Star Trek"-Geschichte, sondern unterstützt vor allem auch den tragischen Ausgang der Episode perfekt.

Fazit: "Der Krieg ist die Hölle". So eindringlich und einprägsam wie in "Die Belagerung von AR-558" hat "Star Trek" diese Message bislang noch nie aufgezeigt. Vor allem zu Beginn ist man als Zuschauer doch versucht, über die dort stationierten Veteranen die Nase zu rümpfen – nur um zu beobachten, wie unsere Helden nach nur wenigen Tagen ähnlich desillusioniert werden, und beginnen, ihre Prinzipien zu verraten (wie z.B. wenn die zuvor geächteten Minen für ihre eigenen Zwecke eingesetzt werden). Darüber hinaus besticht sie mit einem grandiosen, unter die Haut gehenden Finale, dass neben der Inszenierung von Wilrich Kolbe (die einem das Gefühl gibt, selbst Teil der Schlacht zu sein) vor allem von Paul Baillargeons elegischer Musik getragen wird. All dies macht "Die Belagerung von AR-558" zu einer der auffälligsten, denkwürdigsten und insgesamt besten Folgen von "Deep Space Nine". Das ist mir dann, trotz der vorhandenen Kritikpunkte (der Einstieg mit Vic, die etwas konstruiert wirkende Auswahl des Außenteams, sowie der Holo-Angriff der Jem'Hadar), auch eine entsprechend hohe Wertung wert.

Wertung: 4.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © CBS/Paramount)




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