Die Entwicklungen der letzten MonateKategorie: Star Trek - Autor: Alexander Lutz - Datum: Samstag, 15 Oktober 2011
Nach einer desaströsen Open Beta Phase startete "Star Trek Online" (STO) am 02. Februar 2010 in den offiziellen Spielbetrieb. Obwohl es z.B. beim Client bereits einige deutliche Verbesserungen gab, konnte man das Spiel damals bestenfalls als unfertig bezeichnen. Nun sind seit dem offiziellen Start über anderthalb Jahre vergangen und aufgrund der zahlreichen Patches ist es eine Frage
der Fairnes, erneut einen Blick auf STO zu werfen. Ich will sowohl über die
positiven Veränderungen berichten also auch über alte und neue Probleme.
Im dritten und letzten Teil unserer Zwischenbilanz befasse ich mich mit der Übersetzungsqualität, dem Kundendienst und weiteren Service-Aspekten.
Übersetzung
Nachdem die deutsche Version des Spiels am 02.02.10 mit einer völlig
unausgereiften Übersetzung gestartet war, hofften die Spieler auf eine
baldige Verbesserung durch die Betreiber. Denn gerade in der Anfangszeit
war es Üblich dass sich die deutschen Übersetzungen auf wenige
Texttafeln begrenzte und so war es keine Seltenheit dass bei einer
Missionsbeschreibung die erste Texttafel auf deutsch und alle weiteren
in englisch angezeigt wurden. Sehr oft war die komplette Beschreibung
auch nur in englisch verfügbar.
Der wohl extremste Übersetzungsfehler war eine Fehlübersetzung bei der
man sich fragte welchen Gratis-Internet-Übersetzer die Entwickler wohl
verwendet haben: Für 1 bis 2 Wochen wurde in den Menüs der Button mit
der „nächste Texttafel"-Funktion statt mit „Fortsetzen" oder „Weiter"
mit „Versuchen sich zu bewegen" übersetzt, bzw. angezeigt. Etwa zur gleichen Zeit hatte auch das Kommunikations-Menü, mit dessen
Hilfe der Spieler jederzeit mit seinen vom computergesteuerten
Vorgesetzten Kontakt aufnehmen kann erhebliche Darstellungsprobleme:
Statt den korrekten Namen des NPCs (Non-Player Character) anzuzeigen,
sah man nur Teile einer Programm-Befehlszeile. Das gleiche Problem gab
es im Übrigen auch bei allen Schildern in den verschiedenen
Raumstationen der Sternenflotte.
All dies änderte sich jedoch mit einem Schlag, als am 25.03.10 ein
monumentaler 2,2 GB grosser Patch veröffentlicht wurde. Plötzlich war
alles so wie es bereits 7 Wochen früher hätte sein sollen: Die
Missionsbeschreibungen waren zum aller grössten Teil komplett übersetzt,
die Menüs funktionierten und auch fehlende Grafiken (die besagten
Schilder) waren plötzlich vorhanden.
Doch dann wurden verschiedene Erweiterungen veröffentlicht und nun
rächte sich erneut das von Cryptic/Atari verwendete Server-Konzept
eines Weltweiten Spiele-Servers mit Sitz in den USA. Jedes inhaltliche
Update, das in den USA auf die Server aufgespielt wird, muss für die
Non-Englisch-Versionen lokalisiert werden, und dies benötigt Zeit. Daher
zerschossen Cryptic/Atari die so weit fortgeschrittene deutsche
Lokalisierung erneut mit (neuen oder veränderten) englischen Texten.
Updates und Patches
Grundsätzlich kann man jedes MMO und dessen Betreiber auch danach
beurteilen, wie oft die bereits veröffentlichte Version mit Updates
erweitert und mit Patches vorhandene Fehler beseitigt bzw. repariert
(gefixt) werden. STO hat hier eine sehr hohe Quote: Seit dem Start wurden bereits mehrere kostenlose „Season"-Updates
geliefert die umfangreiche, neue Inhalte im Spiel integrierten.
Auch im Bereich der Patches zeigten sich Cryptic/Atari als sehr
fleissig: Besonders nach den Season-Updates veröffentlichen die
Betreiber nahezu täglich Patches und Bugfixes um die im Update
enthaltenen Fehler zu beseitigen. Dabei ist noch zu erwähnen, dass diese
Patches sehr oft sehr umfangreich sind und nicht selten viele hundert
MB bis hin zu 2 GB gross sind.
Server und Kundendienst
Wie man bereits aus dieser Beschreibung und Teil 8 unseres STO-Specials
entnehmen kann ist das Server-Management das grösste Problem des
Spiels. So dass Cryptic/Atari für die monatlich zahlenden Spieler hier
immer noch ein NO-GO nach dem Anderen produzieren.
Nach wie vor betreiben Cryptic/Atari nur einen weltweiten STO-Server.
Und nach wie vor bringt dies gerade für europäische Spieler sehr viele
Unannehmlichkeiten:
- Die Wartungszeiten des Servers liegen immer noch in der europäischen
Mittagszeit, da sie lediglich für amerikanische Spieler optimiert sind
(frühe Morgenstunden, nach US-Zeit).
- Für den amerikanischen Markt aufgespielte Updates sind zwar sofort in
englischer Sprache verfügbar, bis aber eine lokalisierte Version
angeboten werden kann müssen die Spieler über Wochen hinweg mit der
englischen Version auskommen.
- Der Kundendienst von Cryptic/Atari war selbst ein Jahr nach dem dem
Start des Spiels eine Schande für ein MMO mit monatlichen Abo-Gebühren.
Die Bezahlung von monatlichen Gebühren bringt für Spieler normalerweise
einen 24/7 Kundendienst mit sich. Das heisst, wann immer ein Spieler ein
Problem hat und dies per Ticket an den Support meldet, erhält er binnen
weniger Stunden eine Antwort die in sehr vielen Fällen das Problem
behebt. Nicht so bei STO bzw. Cryptic/Atari: Hier heisst es erst einmal
tagelang auf die Bearbeitung warten.
Sollte man gar Login-Schwierigkeiten kurz vor oder am Wochenende haben,
hatte man ein richtiges Problem, da ganz offensichtlich die wenigen
Support-Mitarbeiter am Wochenende frei hatten und Spieler somit
frühestens nach dem Wochenende das Spiel wieder spielen können. Auch das
ist für ein kostenpflichtiges MMO ein absolutes NO-GO! Wenn ein Spieler
monatliche Servergebühren bezahlt, hat er auch das Recht das Spiel in
der bezahlten Zeit uneingeschränkt zu spielen. Die einzige Ausnahme sind
hier notwendige, geplante Wartungszeiten und unerwartete
Server-Abstürze.
Ende Mai 2010 gab es wohl das Problem, dass einige User Login-Schwierigkeiten
hatten, selbst User, die über einen der limitierten und teuren
Lebenszeit-Account verfügten. Folgte man als User der Fehlermeldung im
Launcher, kam man zur Kundendienst-Seite seines Accounts auf der
offiziellen STO-Homepage. Dort wurde dem Spieler Mitgeteilt, dass die
sog. „Grace Period" (was immer das auch sein mag?) nun zu Ende sei und
man seinen „Accountschlüssel" nun eingeben müsse. Diesen Key sollte man
entweder im Handbuch der Retail-Version oder in einem Händler-E-Mail im
Falle der Downloadversion finden.
Allein schon die Tatsache, dass der Accountschlüssel trotz
Lebenszeit-Account nachträglich benötigt wird ist für den Spieler recht
verwirrend, denn an sich ist dieser Vorgang völlig sinnlos. Welcher
Spieler hat schon einen aktiven Abo-Account und das Spiel an sich nicht
gekauft? Diese recht merkwürdige Aktion macht eigentlich nur dann Sinn
wenn der Schlüssel, auf Grund eines Fehlers der Betreibers bisher nicht
benötigt wurde und nun durch diese Aktion entwertet werden soll, so dass
ein Weiterverkauf des Keys verhindert werden soll.
Hier wäre eine kundenfreundlichere Lösung von Betreiber-Seite sicher
wünschenswert gewesen, wenn man z. B. statt der plötzlichen Sperrung des
Accounts bereits im Vorfeld 14 Tage lang ein Popup-Fenster oder eine
Nachricht im Launcher bekommen hätte, die auf das bevorstehende Ende
dieser „Grace Period" und der der damit einhergehenden Sperrung des
Accounts hingewiesen hätte.
Das Problem bei diesem Fehler war erneut wieder die Tatsache, dass der
Kundendienst zwar sehr effektiv ist wenn er erst mal tätig ist. Aber bis
zur Bearbeitung eines Tickets schon mal mehrere Tage vergehen können. Bereits nach einigen Monaten war die Anzahl der aktiven Spieler
merklich angewachsen, was sich Mitte Juni 2010 dahingehend bemerkbar
machte, dass das der Accountserver überlastet war und es Probleme beim
Einloggen ins Spiel gab.
Werbeaktionen
Nach dem wirklich sehr problematischen Start des völlig unausgereiften
Games und der folgenden Welle von Abo-Kündigungen versuchte
Cryptic/Atari ehemalige Spieler zurück zu gewinnen und (noch) aktive
Spieler in ihrem Abo zu halten. Auch sollten Spieler neue Spieler für
das Spiel gewinnen. Hierfür entwickelte Cryptic/Atari ein wirklich
ausgetüfteltes Programm: Demo-Version
Um neue Spieler zu bekommen boten die Betreiber eine kostenlose
Demo-Version des Spiels an. Diese Demo war zwar zeitlich unbegrenzt,
erlaubte jedoch nur einen extrem eingeschränkten Zugriff aufs Spiel:
-
Der Spieler hatte lediglich 2 Charakterslots, die auch ausschliesslich
für Föderationscharaktere benutzt werden konnten. Ein
Klingonen-Charakter konnte nicht erstellt werden.
- Der Spieler konnte lediglich das Tutorial und die Questreihe „Im
Weltraum gestrandet" spielen. Für alles Weitere benötigt der Spieler
einen regulären Account.
Veteranen-Boni
Um aktive Spieler im Spiel zu behalten, haben Cryptic/Atari ein
sogenanntes Veteranen-Belohnungssystem eingerichtet. Diese Belohnungen
sollen Spieler dazu motivieren Ihre Abonnements nicht zu kündigen. So
ist es vorgesehen, dass aktive Spieler jeweils nach 100 Tagen
Belohnungen erhalten. Dies sind sowohl Gegenstände, wie auch Titel. Der im 400 Tage Bonus enthaltene „Zugang zum Captain‘s Table" ist eine
„elitäre" Raumstation zu der bisher nur Spieler mit Lebenszeit-Account
Zugang hatten. Diese wirklich sehr schön und edel ausgestattete
Raumstation liegt im Aenigma-Nebel. Dieser ist im Sol-System zu finden
und liegt nur 10 Km vom Erde-Raumdock entfernt. Um den Nebel zu betreten
zu dürfen benötigt der Spieler einen Speziellen Zugangscode der im
Item-Shop, nur für Spieler mit Lebenszeit-Account (und später eben auch
400-Tage Veteranen), kostenlos verfügbar ist.
Das besondere an der Captain‘s Table-Raumstation ist, dass sie ein
neutraler Treffpunkt für Föderations- als auch Kingonen-Captains ist und
mit einer sehr mysteriösen Hintergrundgeschichte ausgestattet wurde:
Die Station liegt in einer temporalen Anomalie, die das Treffen von
Captains aus den verschieden Star Trek-Epochen möglich macht. Wobei
unbekannt ist ob die Anomalie einen natürlichen Ursprung im
Aenigma-Nebel hat oder vom Stationsbetreiber künstlich erschaffen wird.
Werber-Boni
Das Freundschaftsprogramm dient, genau wie die Demo dem Zweck neue
Spieler zu Gewinnen. Doch im Gegensatz zur Demo baut man hier auf
Freundschaftswerbung und belohnt die werbenden Spieler hierfür.
Cryptic/Atari verwendet hier ein 3-stufiges Modell:
1. Stufe
Mit der Erstellung eines STO-Accounts wird der geworbene Spieler der
„Rekrut" des Werbers und beide werden über ihre Freundesliste verlinkt.
Dies dient dazu, dass sich Werber und Rekrut im Spiel leichter finden
können.
2. Stufe
Sobald der Rekrut seinen Account mit einem Spielkey aktiviert hat,
erhält der Werber den Titel „Bote" sowie den holographischen Tribble.
Dazu kommen noch eine Fertigkeit die eine Reise zum jeweils anderen
ermöglicht (für 30 Tage) und einen 5%-Bonus auf Captain- und
Offiziersfertigkeiten sowie auf die Schadenserzeugung solange Werber und
Rekrut in einem Team sind (für 14 Tage).
3.Stufe
Sobald der Rekrut ein Abonnement für das Spiel abgeschlossen hat,
erhält der Werber den Titel „Rekrutierer" sowie einen holographischen
Brückenoffizier und 400 Cryptic Punkte (CP) für den Item-Shop. Für jeden weiteren geworbenen Rekruten, der ein Abo abschliesst erhält der Werber erneut 400 CP. Sobald ein Werber 5 Rekruten geworben hat, erhält er den Titel „Meister
Rekrutierer" und als besonderes Schiff die Galaxy-Klasse aus „Heute,
Morgen, Gestern".
Free-to-Play - Die Zukunft von STO
Seit es MMOs gibt, war es Standard, dass diese Spiele über Abonnements,
das heisst monatliche Servergebühren finanziert werden. In den letzten
Jahren hat sich der MMO-Markt jedoch enorm verändert. Gab es früher nur
einige wenige MMOs ist das heutige Angebot unüberschaubar geworden. Es
gibt mittlerweile so viele Lizenz-Spiele dass sich selbst Marken wie
„Der Herr der Ringe", „Star Wars" und „Star Trek" kam mehr aus der Masse
hervor heben.
Daneben gibt es dann noch die Free to Play (F2P) Spiele. Gerade diese
haben in den letzten 2-3 Jahren einen enormen Boom erlebt und haben sich
von den asiatischen Billigproduktionen zu vollwertigen und
anspruchsvollen Konkurrenten der Abo-MMOs entwickelt. Nach dem enormen Erfolg von Runes of Magic kam es wie es kommen musste:
Immer mehr Spiele, die bisher über das Abo-Modell finanziert wurden
werden auf F2P umgestellt. Das wohl bekannteste und bisher
erfolgreichste Beispiel ist „Der Herr der Ringe Online" (HDRO) das im
Herbst 2010 auf F2P umgestellt wurde.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich dass sich Daniel Stahl, der
ausführende Produzent von STO, bereits Mitte 2010 im offiziellen Forum dazu
äusserte, dass das Spiel eventuell auf das gleiche F2P-Modell umgestellt
werden soll wie HDRO. Damals wollten Cryptic/Atari wohl zuerst
den Erfolg von HDRO abwarten. Anfang September 2011 wurde dann offiziell angekündigt, dass STO noch dieses Jahr auf Free-to-Play (F2P) umgestellt werden soll (wir berichteten). Das heißt, dass interessierte Spieler das Game in Kürze kostenlos herunterladen und ohne Abogebühren spielen können. Finanziert wird STO dann über den bereits vorhandenen Itemshop. Dort kann der Spieler Kostüme, Raumschiffe und viele weitere Dinge für echtes Geld kaufen. Wahrscheinlich wird dabei das F2P-Modell von HDRO übernommen. Dies bedeutet, dass es neben der sehr eingeschränkten F2P-Option nach wie vor die Möglichkeit gibt, weiterhin uneingeschränkt mit Abo zu spielen. Wann genau die Umstellung erfolgen soll, ist bisher nicht bekannt.
Das HDRO-Modell wäre auf STO sogar direkt anwendbar, da beide Spiele
ein gemeinsames „Problem" haben: Spieler mit Lebenszeit-Account! Um
diese Spieler nicht zu verärgern ist es nötig, diesen Spielern auch im
F2P-Betrieb gewisse Vorteile zu gewähren und Investitionen im neuen
Item-Shop ohne zwingenden zusätzlichen, finanziellen Aufwand zu
gestalten. Allerdings sieht das HDRO-Modell so starke Einschränkungen im F2P vor,
dass die F2P-Spieler lediglich die Startergebiete kostenlos spielen
können und alles weitere im Item-Shop hinzukaufen müssen. Damit ist das
HDRO-F2P aber leider auch nicht mehr viel mehr als eine längere Demo des
Spiels, die lediglich für die Abo-Mitgliedschaft (bei der alles
freigeschaltet ist) wirbt.
Fazit
Nach einem wirklich desaströsen Start hat es Star Trek online über
weite Stecken doch noch geschafft die Kurve zu bekommen. Lediglich im
Servermangement und der Kundenbetreuung liegt noch viel im Argen. Und
Cryptic/Atari wären gut beraten dies schleunigst zu ändern.
Die meisten Probleme konnten die Betreiber bereits mit einem einzigen
Schritt lösen: Der Abschaffung des Abo-Modells, die im September 2011 verkündet wurde. Denn ständige Spielzeitausfälle durch ungeschickte Wartungszeiten
und Wartezeiten beim Kundendienst treffen Spieler, die für ihre
Spielzeit bezahlen auf inakzeptable Weise. Im Hinblick auf die
Übersetzung des Spiels bleibt Cryptic/Atari auch weiterhin eigentlich
nur die Möglichkeit von speziellen, europäischen Servern, auf die die
US-Updates erst nach deren Lokalisierung aufgespielt werden, denn unter
den aktuellen Voraussetzungen ist die Lokalisierung eine Sisyphusarbeit,
die niemals zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen wird.
Damit beenden wir unsere dreiteilige STO-Zwischenbilanz. Ich hoffe, wir konnten euch hier einige der wichtigsten Änderungen veranschaulichen, die seit der Veröffentlichung dieses MMO vor über anderthalb Jahren durchgeführt wurden. Letztlich bleibt zu hoffen, dass die Spieleentwickler weiterhin fleißig daran arbeiten und uns somit noch besser ausgetüftelten Spielspaß in den unendlichen Weiten des "Star Trek"-Universums präsentieren.